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An Tagen wie diesen

An Tagen wie diesen,

wenn die Regentropfen unaufhörlich und rhythmisch ihre melancholische Melodie auf das Westfalia-Klappdach vom Bulli trommeln, und sich dann,  einem luftigen Schleier gleich, ihren Weg nach unten suchen, bekommt die ganze Szenerie in und um den Bus eine ganz besondere Geschwindigkeit. Oder eben genau keine.

 

Weichzeichner-Zeitlupe. Keine einzige Bewegung drängt mehr nach Beschleunigung oder Fertigwerden. In einer willkommenen Gemütlichkeit richten sich die rituellen, altbekannten und lieb gewonnenen Handgriffe ein, wohl wissend, dass es draußen vor der Scheibe naß ist.

                                                                                                                                                                                                                                                                  Foto: Malte Trampedach

 Draußen; eigentlich witzig, diese Aussage. Und tatsächlich, wirklich drin ist man beim Campen mit einem Bulli auf eine Art nie. Es ist viel- mehr ein behütetes Draußensein. An Tagen wie diesen, wenn sich später das heiße Wasser durchs Kaffepulver hindurch brüht, der Geruch anschwillt, mir die Sinne wohltuend belegt, und ich dann

anschließend mit der Kaffeetasse in Händen in der offenen Schiebetür sitze, ist der sonst schnelle Atem der Welt im Ruhepuls angekommen, und der meine gleich mit.


Am Saum des Vordaches baumeln Wassertropfen, die das Abgleiten ins nasse Gras scheinbar herauszögern können.

Und genauso hänge ich baumelnd allen möglichen Gedanken nach, die scheinbar kommen, und gehen. Einfach so.

Völlig übergangslos reiht sich dann ein Gedankenfaden an den folgenden, sie scheinen da zu sein, und doch nicht. Später dann gelingt mir nicht mal mehr, alle Passagen zurück zu verfolgen in der Absicht, nochmals beim ersten  Ausgangsgedanken anzukommen. Doch ohne Widerstand sind sie dahin, völlig leicht, und ich finde kaum eine gute Beschreibung dafür, warum sie wohl dagewesen sein mögen.

An Tagen wie diesen strengt mich nicht mal mehr das sonst so mühevolle Ruhe halten und Verharren an. Und obwohl ich ja nie nichts tue, gleicht es diesmal dem dennoch. Es liegt eine tiefe Ruhe über allem, alles hält still, und ich vermisse an so Tagen wie diesen nichts, nicht einmal die Sonne.

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