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Trilogie Teil 1/ Bullischlüsselrumdrehtag

 

 Für alle, die im Oldtimerbereich aktiv sind, ist diese völlig inaktive, und von Ungeduld geprägte Standzeit der Klassiker im Winter sicher nichts neues, und für jedermann genauso zäh, wie für mich. Anders, oder zumindest um ein paar Aspekte verschärfter, ist die Sachlage bei uns Besitzern von VW Bussen, und da vor allem bei denen, die einen Camper haben. Zuzüglich zum eigentlichen Fahren in einem Klassiker, kommt hier nämlich noch etwas ganz anderes hinzu. Das Reisen, Campen, Wohnen & Leben in und um das Fahrzeug ist auch Teil des Ganzen. Es ist eben nicht "nur fahren". Die selbst auferlegte Fehlzeit bleibt ersatzlos, und ist leider weder mit stoischem Aussitzen, aktivem Ablenken oder tranigem Sofa-Lümmeln auszubügeln. Bewegungen des eigenen Räderwerks stehen innerhalb der winterlichen Standzeit genauso still, wie der Camper selbst, und es gilt das zu tun, was nicht immer leicht fällt:

 

Warten.

 

Wer wartet denn hier.....

 

 Wer kennt sie nicht, die Supernovas des Wartenmüssens? Absolutes Paradebeispiel ist wohl die Vorweihnachtszeit. Vor allem, wie sich das als Kind Jahr für Jahr anfühlte. Die adventliche Spannung, rituell anerzogen und perfekt inszeniert, ist traditionell und allgegenwärtig. Und dann ist endlich Heilig Abend. Plötzlich ist der weihnachtliche Micro-Moment da, und...schwupps...ist er auch schon wieder vorbei. Die Anspannung löst sich in Sekundenbruchteilen in einem ziemlich profanen Nichts auf. Der Zauber wirkt zwar noch ein wenig nach, ist aber längst verpufft im voraus gegangenen Wartenkönnen, oder besser, im Wartenwollen.

Langes, sinngeschwängertes Wartenkönnenwollen ist daher schon so eine Kunst für sich.

 

   .....nun auf wen...!?

 

  Und jetzt bahnt sich endlich Tauwetter an im automobilen Perma-Frost, das Warten hat bald ein Ende, es tut sich was! Seit ein paar Tagen habe ich diese Frische von Schmelzwasser in mir, die belebend ist, und bis in den Kopf hinein gribbelt. Es kann auch durchaus sein, es kommt von dort, ich habe aber eher die Herzgegend im Verdacht.

Wie auch immer, mein sonst hell bimmelnder Tinitus brummt zunehmend sonorer, und klingt jetzt frühlingshaft nach einem Wasserboxer. Es kommt in Bewegung, jabbadabbadu, das rollende Leben kehrt zurück.

Hach, und die Beatmung könnte jetzt so einfach sein. Ich habe den Bus top eingewintert, wirkliche Reparaturen liegen keine an, frisches Öl gab es noch im November, kurz vorm finalen Heia machen. Nichts läge also näher, als jetzt einzusteigen und einfach zu starten. Aber es läuft mal wieder ganz anders. War vorher klar.

 Zelebrieren dieser einmaligen Momente, Ausreizen goldener Tage und Stunden, sich absichtlich verlieren in den Momenten, die zählen, sowas mag ich. Vor allem am ersten Schlüsselrumdrehtag des Jahres gilt das. Solche Stunden gehören bitteschön in die Länge gezogen! Ich beherrsche mittlerweile auch alle möglichen Tricks zum Erfinden von ganz zufällig erscheinenden Verzögerungen, und bin schon sowas wie mein Ritualienmeister im Eindampfen der eigenen Geschwindigkeit. Eile am B-S-R-D-TagNr.1 ist unangemessen, das wäre mir viel zu schade.

Bisschen doof dabei ist nur, dann so im Funkenregen des eigenen inneren Feuerwerks zu stehen, und sich gleichzeitig möglichst wenig davon anmerken lassen zu wollen. Das ist ziemlich utopisch, denn es schnallt sowieso mal wieder jeder. Aber ich nehme das sportlich und probier´s trotzdem. Auch das war vorher klar.

 



DT-Classics

-März 2018-


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