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Von Jägern, Sammlern & Nasenbären

 Es gibt sie, die Jäger & Sammler. Und es gibt Menschen, die jagen und sammeln, und behalten darüber hinaus alles andere auch noch. Auch solche Dinge, die ohne Nutzen einfach nur da sind. Vermutlich handelt es sich dabei nur um Überbleibsel, die sie in ihrem eigenen Leben ohne zu merken aufgehäuft und dann behalten haben. Es wird höchstwahrscheinlich auch so manches Erbstück, oder einfach liegen gelassenes Zeugs aus früheren Zeiten dabei sein; es sei ihnen gegönnt.

Ich bin aus anderem Holz, und manchmal füge ich dieser Feststellung ein -leider- hinzu. Es ist mühsam und anstrengend  von Dingen umgeben zu sein, die keinen Nutzen haben, die Platz verbrauchen, oder mich zumüllen. Das ist die eine Seite.

 Andererseits denke  ich wehmütig auch an das ein- oder andere Stückchen, was nicht mehr vorhanden ist. Bei den meisten dieser Exponate handelt es sich um materiell oder ideell wertvolle Dinge, und eben halt... um..... Spielzeug.

Abgegeben, weitergereicht, den eigenen Kindern überlassen, als die nach und nach ins Spielzeugalter kamen. Dann von dort aus durchgeschoben an  "next generation" im Freundeskreis, pragmatisch zu Kindern irgendwelcher Verwandten, oder geldgeil am Flohmarkt verjubelt. Aber die Kindheit läßt nicht locker. Sie steckt einem in den Genen, der DNA und im Blut, in Adern, Venen und im Herz. Und da schwappt sie Jahrzehnte umher, bis die empfindliche Stelle am Strand der Erinnerung plötzlich eine saftige Springflut abkriegt.

 


 Hm, die längst nicht mehr vorhandene Welt en miniature, die weite Strecken der Kindheit ausmachte, suche ich mir heute stückchenweise wieder zusammen. Nicht so üppig, nicht so wahllos, aber es findet sich heute bei mir nach und nach doch das eine oder andere Spielzeug wieder ein.

Meistens als kleinformatiges Modell von bevorzugten Automobilen, mit denen die Wände meiner wohnlichen Werkstatt das wiederspiegeln, was ich so um mich mag.

Die kleinen Wunderwerke anschauen, ohne was zu denken, geht eigentlich gar nicht. Phantasie, oder Erinnerung, dies, oder das.

Eins von beiden ist es immer. Spielzeug ist daher auch der falsche Begriff.

Es sind eher kleine Blech-Träumchen und Brumbrum-Haltestellen, an denen sich irgendwelche kindlichen Sinneszustände einen Augenblick länger als sonst aufrecht erhalten lassen.


 

Denn eigentlich sind das alles "flux-kompensierte" Zeitmaschinen.

 

 

 Und dann erlebe ich mich tatsächlich sitzend im Velour vom 35i, dem grauen "Nasenbären". Mit mittlerweile kribbeligen Lippen vom Simulieren des Motorengeräusches brumme ich mich am Tisch entlang. Der ist jetzt der Teil einer Welt, in die außer mir gerade überhaupt niemand Zutritt hat.                Da, ach ja, der Anhalter am Strassenrand!                            

Lange wird er schon dort stehen, den Daumen hoch, puh, gerade noch gesehen. Ich bremse runter, winke ihm an der Kopfstütze nach hinten blickend, aufmunternd zu, und schubse schonmal einladend die Beifahrertür auf. Soll er doch rein kommen, sich ausruhen, und mir die Reise durch die Zeit ein wenig länger machen mit seinen Geschichten...

 Es läuft. Die toskanischen Zypressen werfen schon lange Schatten, die Sonne brät uns seit Stunden. Also rechts ran, dem Passat und uns eine Pause gegönnt. Toscana, das ist so verklärt und so schön, dass selbst der Anhalter schweigt.

Die Strassen sehen immer so aus, wie die letzte davor, und die Neuigkeiten hinter der nächsten Biegung ähneln der Stelle hier gerade. Alles ist eingefärbt mit Bella Italia, Vino, Amore, und ein paar schrägen Erinnerungen.

 So ganz allmählich mogelt sich die Sonne dem Firmament an der heimischen Tischkante entgegen, Zeit und Gezeiten verschwimmen, rauschen mir in den Ohren. Der Tramper will zu Fuß weiter. Soll mir recht sein, der Rückweg ist lange, und ich höre schon Geräusche an der Haustür. Essenszeit, ich sollte mal langsam den Tisch freiräumen. Also Vollgas, ab durch die Gasse, 3 Minuten bis nach Zurück....



DT-Classics

-Februar 2018-


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