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Trilogie Teil 2/ Bullischlüsselrumdrehtag

Eine kleine, feine Auslese in Form von Neuteilen habe ich besorgt. Zündspule und -kabel, Kerzen, Läufer, und dazu die passende Verteilerdose. Die Dinge verbaue ich gleich. Aber vorher koche ich mir noch in aller Unruhe einen Kaffee. Da hat man was in der Hand, und es verlängert das Warten um weitere 10 Minuten. Herrlich, die Vorfreude ist das einzig Schöne, was im Verharren weiter wächst. Die Frage, ob der Wasserboxer denn überhaupt anspringen wird, stellt sich mir erst gar nicht. Denn da gibt es dieses unerschütterliche Urvertrauen in das beste Fahrzeug der Welt.  Er wird.

 

 


 Es mag bestimmt noch so vollendete, wohlgeformte, und von Designerhand bis ins kleinste Detail hinein perfekt gezeichnete Motorhauben geben. Nichts, aber auch absolut gar nichts geht für mich über die Art und Weise, in der sich beim T3 Zugang zu Maschnisten verschaffen läßt.

Als erstes die große Heckklappe öffnen, dann die Matratze samt Unterlage entnehmen, und abschließend den in Wagenfarbe lackierten Metalldeckel lupfen. Und im Schutz der offenen Heckklappe stehend, läßt sich auch bei Nieselregen die ein- oder andere Vergnüglichkeit im frisch geöffneten Motorraum vornehmen. Luxus ist das. 

 

Seit Ende November hat es im Heck mit voller Absicht weder Licht, noch Wärme gegeben. Damit ist in Kürze Schluß. Und es wird Zeit, denn langsam aber sicher werde selbst ich nervös. Oder besser gesagt, die vorfreudige Unruhe rubbelt mir den Puls zunehmend nach oben. Tempo raus nehmen ist auch durch, warten mag ich einfach nicht noch viel länger. Hier reinblinzeln hat nichts zu tun mit heimlich schauen. Ich klaue damit auch keiner Mumie die Seele, schließlich weiß ich ja, was drin ist. Und doch, mich erfreut jedesmal aufs Neue das, was sich mir da zeigt.

 

                                                                                                            Auf geht´s !

 

Kerzen raus, neue rein. Das "Gesicht" der alten Kerzen ist gut,

die Verbrennung war korrekt, ich hätte sie sicher auch noch drin lassen konnen.

Aber neues Jahr, neue Kerzen. Das ist so selbstverständlich, wie morgens Zähneputzen.

Die Zündkabel sind tatsächlich erst 3 Jahre alt,  aber in Rekordzeit gealtert. Sie sind in sich knüppelhart.

Die davor, jene Kabel aus 1983, die haben ziemlich gut Ü-30 geschafft.

Unfassbar, was für eine mittlerweile unterirdisch miese Qualität selbst das Zeugs hat,

was man als sogenanntes Originalteil heutzutage neu kauft.

Da wird aus Umweltschutzgründen der Weichmacher weggelassen,

dafür schmeißt man 10-mal soviel Zeug weg, als vorher. Erklärt sich schlecht.

Erstausrüsterprodukte in einer Qualität für die Ewigkeit,  das ist Geschichte.

Also ab mit den spröden Ästen, neue dran, auch wenn diese sicher in 3 Jahren

wieder genauso knochig sind. C´est la vie, c´est la Kabel.

click = groß

 

 

 

 

Zündfolge beachten, 1-4-3-2,

sorgsam arbeiten, nichts an später heiß werdenden Teilen verlegen, Zündspule tauschen. Dann noch den Verteilerläufer raus, und das tun, was kaum noch jemand als Notwendigkeit kennt:

click = groß


Ein paar Tröpfchen Öl auf den Schmierfilz der Verteilerwelle.                      Alter Hut, ich weiß das.

 

So, jetzt nur noch den neuen Läufer drauf. Habe die Variante mit Drehzahlbegrenzer gekauft. Wie immer, und wie immer überflüssig, denn unter meinem Gasfuß kommt es nicht dazu, dass der Motor schreiend in seinen Begrenzerbereich hinein rauscht. Mein eigener innerer Schmerzgrenzbegrenzer löst intuitiv immer schon vorher aus. Da ist Verlass drauf. Lappen raus. Nach getaner Arbeit über die Motorkomponenten wischen hat was von einer Supervision. Es fühlt sich gut an, und hinterher ist immer schöner. Alles schick. So, also, was jetzt, mache ich noch was?

Ich habe genügend Zeit, und finde Gefallen dran, mir in aller Ruhe den WBX anzuschauen, habe ihn ja lange nicht gesehen. Was total Ästhetisches steckt in solchen Dingen, die in Form und Funktion aufwendig entworfen wurden. Von wegen, Notlösung der 80er im Hause VOLKSWAGEN! Löst euch mal von dieser Mär. Der Wasserboxer wurde nur für den T3 aus der Taufe gehoben und hält dem ewig, der seine Intention versteht. Kein anderes Fahrzeug hat ihn, diesen wunderbaren, souveränen Reisemotor, der seine wahre Kunst fernab von V/max und rotem Drehzahlbereich ganz unaufdringlich ausspielt.

 

 

 

 

 Ein herrliches Aggregat ist das, da stehe ich drauf. Und auf heißen Kaffee stehe ich auch.

 Ein bisschen übrig ist sicher noch.

 

Die hol´ ich mir.  Eine letzte Tasse noch,

und besagten Schlüssel, yepp!


DT-Classics

-März 2018-


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Kommentare: 2
  • #1

    lupo (Freitag, 17 August 2018 21:27)

    Oh wie schön Du das formuliert hast. Mir ist ja fast ein wenig feucht um die Augen.
    Deine Art Dinge zu betrachten und zu beschreiben gefällt mir überhaupt sehr gut.
    lieben Gruß Wolf

    Der Wasserboxer wurde nur für den T3 aus der Taufe gehoben und hält dem ewig, der seine Intention versteht. Kein anderes Fahrzeug hat ihn, diesen wunderbaren, souveränen Reisemotor, der seine wahre Kunst fernab von V/max und rotem Drehzahlbereich ganz unaufdringlich ausspielt.

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Sonntag, 19 August 2018 21:26)

    Hi Wolf,

    herzlichen Dank für deinen Kommentar.
    Ist ne feine Sache, Rückmeldung zu bekommen,
    und sehr motivierend obendrein!
    Beste Grüße,
    Dirk