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Trilogie Teil 3/ Bullischlüsselrumdrehtag

Tag 1, wie unbeschreiblich, wie unverwechselbar, wie einzigartig, wie schön! Zugegeben, nach mittlerweile über 50 Lenzen verpasst mir der saisonal-emotionale Auftakt immer noch strahlend feuchte Kinderaugen. Das große Glück liegt im Vertrauten. Nichts neues, es ist alles wie gehabt, und genau das ist es. Let´s go, Schlüssel rum!


 

Nach nun fast 4 Monaten Stillstand gullert der WBX in mäßigen Umdrehungen fast schon gelangweilt vor sich hin, läßt sich dank nicht aktivierter Startautomatik schön Zeit. Gut so. Jetzt zweimal aufs Gaspedal, und Start! Ich zähle von 10 rückwärts. Bei 7 vernehme ich eine kleine Drehzahlunruhe, bei 6 verflüchtigt sich die gespannte Stille, der Boxer läuft. Prägnant, kernig, weich, die Hydrostössel tun ihr Werk. Und es bleibt dunkel. Keine einzige Diode leuchtet. Die beiden Zeiger für Temperatur und Tankinhalt steigen wie von einem Magnet gezogen in Zeitlupe dorthin, wo sie hingehören. Also alles im grünen Bereich.

 

So sicher ich mir immer bin, dass dies alles so geschieht, bin ich dennoch auch jedesmal gespannt, erfreut, erleichtert. Tag 1 ist und bleibt abenteuerlich. Da ist noch alle so herrlich unversaut und ehrlich. Nichts muß mit Software, mühseeligen technischen Konstruktionen, oder schön bunten Plaketten unaufrichtig richtiggestellt werden. An dieser Öko-Bilanz eines Klassikers beißt sich das beste Umweltgremium der Welt alle Zähne aus. Im Sinne des nachhaltigen Nutzers (also ihr da, und ich...) durchkonstruiert ohne wenn und aber, läuft sich der Bulli langsam aber sicher warm.

Was gibt mir das lang vermisste Geräusch säuselnd mit auf den Weg durch´s Jahr 2018? Ich möchte bei der Sache bleiben, und zwar bei meiner. Wer sich zukünftig gerne unautonom der autonomen Automobilität hingeben möchte - bitteschön. Ich möchte das so bitteschön - nicht. Es bleibt dabei. Ich möchte auch einfach mal nur so fahren. Wofür? Einfach so, verbunden mit einem kleinen Anlass, das reicht ab und zu. Der Weg als Ziel, das geht auch im T3 ganz prima. Mit Einfühlungsvermögen für mechanische Technik, mit Empfinden für das, was da passiert, und mit der erlernten, angeeigneten Kenntnis, die dazugehört, es zu erhalten und pfleglich zu nutzen, wird es weitergehen, bzw. -fahren.

Nicht rumrollen meine ich, sondern wirklich fahren!

 

Bewußt die Beschleunigungszyklen bestimmen, auf optimalen Schaltpunkte achten, alles mit Herz und Verstand, voraus Liegendes erahnen, Situationen vorhersehen, defensiv fahren. Und es gilt, für all die vielen automobilen Schlafwandler mitzudenken, denen sämtliche Pieps & Blinks der multifunktionalen Multifunktionsanzeige gerade die letzte eigene Funktion rauben, nämlich die Aufmerksamkeit. Jeden Meter, jede Kurve, immer bei der Sache bleiben. Statt sich auf piep-piep und blink-blink verlassen: Nichts abnehmen lassen, selbst ist der Mann. Oder die Frau. Wahrhaftiges Autofahren verläuft nur so.

 

Diese Gnade der automobilen Selbstbestimmtheit gehört ausgereizt, und sie darf gebührend gefeiert werden, mit all den typischen Geräuschen, Gerüchen, dem unverwechselbaren Charme & Flair, und der urbanen Art des Erlebens, solche Kleinode zu besitzen und zu fahren, auch in 2018. Ich freue mich diebisch darüber, genau das seit gut 35 Jahren in aller Gelassenheit so tun zu dürfen. Mein obligatorisches Gläschen Sekt dafür steht parat. Willkommen in 2018, willkommen im 35. Jahr, alter Club Joker!

 

Ein Hoch auf die 80er, ein Hoch auf die Fahrzeuge,

und auch auf uns alle, die wir diese Zeit am Leben erhalten!!


DT-Classics

-März 2018-


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