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Werkstattfrust im Bulli-Land

Wer sich völlig emotionslos mit dem Thema "Auto" auseinandersetzt, und diese Vorgehensweise kosequent beibehält, hat im Grunde mit wenig Problemen zu rechnen. Höchstens mit welchen, die im Geldbeutel schlummern. Aber sicher eher keine, die die Nerven strapazieren und die Gefühlslage beeinträchtigen. Bei mir ist das genau andersrum. Mit den Freiheiten auf 4 Rädern eng verbandelt, ist alles Tun drumrum auch irgendwie ein Teil von mir. Und ich kenne die Sprüche der Neuwagen-Leasing-Fraktion: "Autos sind leblose Verschleißteile und werden in ihrer Bedeutung gerne überbewertet". "Die Dinger müssen funktionieren, sonst nix.." Oder: "Autos sind...na Autos halt". So die rationale Denke. Jaja...

 

Autos, vor allem schöne, lösen nicht gerade selten Assoziationen aus. Bei mir sowieso. Und zu allem, was ich nicht nur zufällig besitze, gerate ich in Beziehung. Beziehung ist Gefühl. Das steigert sich bei der Betrachtung von Autos, je nach Grad der Wertigkeiten, vom hässlichen Neuzeit-Pkw, über den netten Alltagsklassiker bis hin zum Vollblut-Oldtimer. Dort einmal angekommen, ist Emotionslosigkeit endgültig Geschichte. Ab jetzt ist alles hochbrisant, und damit beginnt der Mist. Nicht der zwischen den Fahrzeugen und mir, sondern der, zwischen mir und den Menschen. Und damit meine ich jene, die für sich entschieden haben, in puncto Altauto den Begriff "Wert" anders zu deklinieren. Aber ich fange besser vorne an.

 

 

Es ist Samstagnachmittag, und es ist einer dieser Momente, die ich kenne, und die ich überhaupt nicht mag. Einer unserer T3´s hat einen komplexen Defekt, und ich habe schon zum wiederholten Male einige Zeit mit Analyse, Schrauben, Ausbauen, Umherlaufen, wieder Hingehen, abwägend Hingucken, Rumfummeln, Nachdenken und von vorne anfangen verbracht.

Jetzt, im Übergang zur Endphase, schaue ich nur noch. Und solange ich den Weg nicht klar habe, bleibe ich besser stehen. Stehen ist in dem Fall Schauen, und heute bedeutet das, dass ich nicht recht weiter weiß.

Das ist erstmal nichts Bedenkliches, ich kann mir schon sehr gut helfen, und meistens komme ich drauf. Aber eben nicht pauschal, und auch nicht quer durch alle Fachgebiete. Strom ist gar nicht meins, und bei bestimmten Bereichen der Bremsen ist es manchmal auch schlauer, einen Werkstatt-Fachmann zu Rate zu ziehen. Und Werkstattunterstützung ist anscheinend diesmal angeraten, danach sieht es hier verdächtig aus. Ziemlich doofe Stelle gerade.

Spätestens jetzt, wenn es darum geht, die Entscheidung fällen zu sollen, wollen, müssen, den Wagen „aus der Hand“ zu geben, wird nämlich die emotionale Problematik schlagartig mehr als deutlich! Irgendwohin stellen? Machen lassen? Ich möchte das eigentlich gar nicht. Da umschleicht mich jenes ungute Gefühl, das seine Gründe und seine Berechtigung hat.

Was habe ich in Sachen Werkstatt nicht schon alles erleben müssen! Aber ich denke, ihr kennt sowas auch. Es gibt trotz allem Enthusiasmus, trotz allem Engagement und dem über die Jahre angeeigneten Selbstmacheranspruch auch Phasen, wo es nicht mal eben selbst zu machen ist. Da sitz ich dann da, Ruhe und  Zeit Fehlanzeige, also lässt man´s mal besser in der Werkstatt seines Vertrauens machen. Da, wo ich davon ausgehe: Alles ist gut. Und ausgerechnet dann geht´s in die Hose. 

Nur teils gelungen, oder mit Defekten, die vorher gar nicht vorlagen, bekomm´ ich den Wagen kommentarlos zurück. Der Frage vor Ort, wie das nun derart schief gehen kann, frag ich mich eher selbstzweifelnd. Warum es seitens Werkstatt nicht vorab freiwillig kommuniziert wird? Kein Ton dazu, kein Wort, keine Erwähnung.         Ups! Vergessen...

So die wirklich enttäuschende Auskunft. Sachlich bleiben, nicht aufregen. Ich bin sprachlos, irritiert, ideenlos. Heimfahren, nachdenken, abwarten. Ein angemessenes Angebot der Regulierung erfolgt auch mit Verspätung nicht, und auch mit der mühseeligen Beschaffung/Instandsetzung von Teilen, die vorher gar nicht beschädigt waren, fühle ich übel alleine gelassen.

 

Geht die Welt nicht von unter. Fehler passieren. Ist ja nur ein Auto. Nicht aufregen.“   Jaja...


 

 

Müde wird man. Vielleicht steckt ja auch der große Plan dahinter, die Besitzer von Gebrauchtwagen so lange mit Schreckensszenarien zu geißeln, bis sie sich ergeben, und einen Neuwagen kaufen. Ja wirklich, auf so Ideen komme ich dann. Einen Zufall darin möchte ich nicht sehen. So viele Zufälle gibts ja gar nicht. Meine Rechnungen bezahle ich wie gehabt am Tag 1, also wenn die Tinte nichtmal trocken ist. Selbst schuld. Doch lieber erstmal hinhalten und so verhalten, wie das heutzutage alle machen. Auch keine gute Idee, sowas entspricht mir nicht. Ich dachte immer, win-win gilt noch. Ich dachte immer, Fair-Play und alte Kontakte stehen für was Loyales. Gutes Geld für gute Arbeit, ok, hm..dann halt nicht. Ich dachte immer, es läßt sich über alles reden. Müde wird man.

 

Um es mal deutlich zu sagen:  


Sowas ist wirklich keine Frage von Zahlen, Preisen, Ersatzteilen, menschlichem Versagen oder von sowas wie handwerklichen Pannen. Nein, es ist eine Frage von Kundenbindung, Moral, gegenseitiger Fairness, beruflichem Ethos und Vertrauen. Letzteres leidet an chronischer Schieflage, und ich leide mit.

Mit so Umgangsformen kann ich schlecht um. Da ist irgendwas verrutscht. Verrutscht, wie die Qualität von Reparaturen in den Werkstätten meines Vertrauens. Oftmals das gleiche. Oder einfach nur Pech?

Erst sind es nur kleine Abweichungen. Später finden sich erhebliche Unterschiede zwischen Altbekanntem, Zugesichertem und Abgeliefertem. Die Ergebnisse werden teurer, oder schlechter. Oder beides gleichzeitig. Ein wirklich anderes Resultat  erwarte ich mittlerweile auch kaum noch. Eine technische, wie auch menschliche Tragödie.

Sich ständig neu aufraffen, wieder und wieder eine gute „Bleibe“ zu suchen, wo ich mir sicher sein kann, das Arbeit geleistet wird, die stimmt, macht total mürbe. Es ist desillusionierend. "Geht die Welt nicht von unter. Ist nur ein Auto."

 

Jaja...



DT-Classics

-September 2018-


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