Willkommen in der Technik-Ecke!

Man kann Reparaturen und Arbeiten machen lassen, oder machen,

und man kann sie so, oder so ausführen.

Ich mach sie so.


Für Richtigkeit und Fehlerfreiheit des Nachmachens der gezeigten Tätigkeiten aller Beiträge übernehme ich keine Garantie.

Die Verantwortung für selbst durchgeführte Reparaturen trägt der, der sie ausführt.


 

 

 

Inhalt:

 

Spurstange wechseln, Einstellwert kopieren

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Spurstange wechseln, Einstellwert kopieren

Wer wegen Verschleiß oder Schaden den Spurstangenkopf, oder gar die komplette Spurstange incl. Kopf austauschen muß, und das möglichst selbst machen möchte, kommt um die Frage nicht drumrum, wie man das eigestellte Längenmaß der Spurstange möglichst genau reproduziert bekommt. Immerhin möchte man ja nach Reparatur nicht mit völlig verstellten Werten, oder nicht einschätzbarer Genauigkeit der Achsgeometrie durch die Gegend fahren. Die hinlänglich bekannten Varianten für den Wiedereinbau (ohne Möglichkeit einer echten Vermessung vor Ort) empfehlen entweder das Zählen der Umdrehungen der Kontermutter, oder Messen irgendwelcher Fixpunkte vorm Ausbau. Meine eigene Variante möchte hier ergänzend vorstellen.

 

 

Es gibt viele Tipps zu Methoden, wie man denn nun am wirkungsvollsten den Spurstangenkopf aus dem konischen Sitz heraus bekommt. Die Vorgehensweisen in mittelalterlicher Schmiedetechnik mittels entsprechend brutalem Einsatz vom Vorhammer und Brennerhitze finde ich wenig empfehlenswert, und das ist auch gar nicht nötig. Ich bevorzuge da gutes, entsprechendes Werkzeug, sowie achtsames Vorgehen. Mittels vorgespanntem Abzieher (z.B. HAZET 1779-1) und kontinuierlicher Wärme eines Heißluftföns löst sich die Verbindung meistens, ohne dass weitere Gewalt vonnöten wäre. Ein unterstützendes, vorsichtiges Anklopfen des Lagerauges mittels leichtem Schlosserhammer kann im ein- oder anderen Fall helfen.

 

 

Beim Beschaffen der Ersatzteile empfehle ich, ausschließlich qualitativ hochwertige Neuteile zu verwenden. Alles Gebrauchte ist nur unwesentlich anders, als das, was es zu wechseln gilt. Für diese Reparatur brauchst du an Teilen:

 

> Neuer Spurstangenkopf, bzw. neue komplette Spurstange

   (Kopf beim Rad, oder Kugelgelenk beim Lenkgetriebe,

    oder beides, können hinüber sein)

> Neuer Sicherungssplint

   (der ist teilweise nicht im Lieferumfang der Stange/Köpfe dabei)

> Neue Gummimanschette

   (optional)

 

 


Die Auswahl an benötigtem Werkzeug ist recht übersichtlich. Mit einem 32er Schlüssel (Befestigung am Lenkgetriebe), einem weiteren Maulschlüssel für die Mutter am Spurstangenkopf, und einem Abzieher/-drücker für den Kopf selbst, bist du schon nahezu vollständig ausgerüstet.


 

Was noch ganz nützlich ist:    

 

Eine Spitzzange zum Ziehen des Sicherungssplintes der Mutter

 

1 Tube MOLICOTE-Spezialfett

fürs Lenkgetriebe samt Konus

vom Spurstangenkopf

                                                           

Einen Keilstahl zum Verstemmen

des Sicherungsbundes am

Anlagebund des Lenkgetriebes

 

Wenn die Stange nun draußen ist; wie geht´s weiter?

 

In ein Holzbrett habe ich 2 Schrauben so gesetzt,

dass der Abstand eng genug ist,

um den Konus des Spurstangenkopfes

per Mutter "einzuklemmen".

 

MIttels einer weichen Scheibe (Kunststoff, Gummi, o.ä...),

sowie der originalen Mutter, ziehe ich den Kunus

so lange in die Schraubenführung,

bis der Konus fest und spielfrei eingeklemmt ist.

 

Die ausgebaute, alte Spurstange,

bei der die Einstellung nicht gelöst

oder verändert wird, lege ich

in die Schraubenführung hinein.

 

Auf der anderen Seite habe ich einen Anschlagwingel

an ein Stück Holz geschraubt. Den Anschlagwinkel schiebe ich nun gegen die Anlagefläche der Spurstange,

womit diese am Lenkgetriebe anliegt.

Wenn nun der Konus spielfrei sitzt, und auch der Anschlagwinkel die gesamte Spurstange maßlich "eingespannt" hält, schraube ich

(Bild oben) das Holzbrett samt Winkel am Holzbrett fest. Sicherzustellen ist, dass das Kugelgelenk

<<<< (Bild links) senkrecht wie waagerecht

lotrecht ausgerichtet ist!

Entstanden ist nun eine Schablone,

die exakt dem IST-Maß der alten Spurstange entspricht.

Im nächsten Arbeitsgang wird nun die neue Spurstange

ebenfalls per Mutter zwischen den Schrauben eingespannt.

Jetzt drehe ich die Spurstange auseinander, bis auch hier

die Anlagefläche (zum Lenkgetriebe hin),

an dem fixierten Anschlagwinkel anliegt.

Dabei ist erneut die lotrechte Position

des Kugelgelenks einzuhalten.

 

Jetzt bleibt nur noch übrig,

die Kontermutter der Spurstange anzuziehen.

Dabei kontrolliere ich, ob sich nichts verdreht,

und die vorab eingestellte Länge nicht verändert wird.

Ist das Ergebnis in Ordnung, kann die fertig eingestellte Spurstange am Fahrzeug eingebaut werden.

Gummi-Manschette vorher drüber ziehen,

Verstemmung zur Sicherung durchführen!

 

             Tipp:

Um die Zahnstange des Lenkgetriebens

nicht zu sehr auf Verdrehung zu beanspruchen,

kann man Schmiergelleinen um die Stange wickeln

(Körnung nach außen!), und dann eine Gripzange aufsetzen.

Mit dieser ist es möglich, zumindest beim Anziehen der Spurstange "gegenzuhalten". Die Kräfte gelangen somit nicht in die Verzahnung.


Oben: Kugelgelenk eingeschraubt im Lenkgetriebe mit 30 Nm anziehen.

Unten: Kontermutter der Spurstange mit 80 Nm anziehen.


Das Stülpen der Gummimanschette (nicht in sich verdrehen!) aufs Lenkgetriebe ist die letzte Fummel- und Fleißaufgabe. Nur Geduld, dies geht ohne Lösen des Lenkgetriebes vom Achskörper! Nach gelungenem Abschluß dieser Arbeiten bleibt nun jedem selbst überlassen, ob er das erzielte Ergebnis so stehen läßt, oder nicht. Grundsätzlich ist das Ergebnis mehr als fahrtauglich, vorausgesetzt, die Einstellung war auch vorher in Ordnung. Wer sich dennoch nicht ganz sicher ist, dem empfehle ich, bei Gelegenheit eine geometrische Überprüfung der Vorderachse in einem Fachbetrieb durchführen zu lassen.


DT-Classics

-Januar 2018-


Weiteres folgt...