Zur WESTFALIA-Ausstattung,

wie auch zur weiteren Campingausrüstung und dem Zubehör

finden sich hier diverse Tipps & Erfahrungsberichte.


 

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Aufstellmechanik vom Klappdach: Probleme & Lösungen.

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Aufstellmechanik vom Klappdach: Probleme & Lösungen.

 

Die Aufstellmechanik der WESTFALIA-Klappdächer gab es schon beim VW Bus T2. Von dort im Grundsatz übernommen und entsprechend angepaßt, findet sie sich eben auch im VW Bus T3 wieder.

Dort unterscheiden wir allerdings zwei verschiedene Ausführungen. Und zwar ist da einmal diese frühe Variante, wie sie am Foto zu sehen ist. Bei Bussen ab etwa 1985, bzw. denen mit grauem Interieur, wurde dieses doch recht üppige braune Gelenk ersetzt durch ein schlankeres in grau.

Mein Beitrag hier konzentriert sich auf die ältere Ausführung, da diese Bauart, bedingt durch dessen Größe und des Alters wegen, nicht selten zu Problemen führt. Um deren Erkennen & Lösungen soll´s also gehen. Zu Anfangs möchte ich erklären, wie das Gelenk aufgebaut ist, und worin die Problematik besteht.

 

Teil 1:

Dieses Teil besteht aus dem in einem Lagerböckchen am Dach befestigten Rohr, an welches unten der Mittelteil des Gelenks geschweißt wurde.

Obwohl dieses Mittelteil recht breit ist, befindet sich im Inneren eine nur lediglich 4 Milimeter starke Metallplatte.

In ihr befindet sich die Bohrung,

durch welche die Aufstellstange (Teil 3)

drehbar gelagert ist .

 

Teil 2:

Teil 2 besteht ebenfalls aus einem Rohr, welches auch in einem Lagerböckchen sitzt. Dieses ist am Metall des originalen Busdaches auf Höhe der Regenrinne verschraubt.

Das Rohr ist verschweißt mit dem Außenkorpus des Gelenks. Zur besseren Führung der Aufstellstange ist dort jeweils zum Fahrzeuginneren hin noch eine kleine Hülse aufgeschweißt.

Teil 3:

Diese Aufstellstange verbindet die linken und rechten Klappmechaniken. Durch Hochdrücken wird das Dach in seine obere Endlage befördert.

Im Bereich der kleinen Führungshülsen am Außenkorpus(Teil 2) sind Außenkorpus und Aufstellstange verbohrt und mittels Schraube/Mutter gesichert. Die Aufstellstange ist kein Vollmaterial, sondern ein Rohr, Wandstärke max. 1,5mm.


Was passiert nun?

Beim Aufstellen und Ablassen des Daches dreht sich Teil 1 in Teil 2.  Und Teil 3 dreht sich durch die Verbindung mit Teil 2 natürlich mit. Im Laufe eines Dachlebens wird sich dieser Vorgang sicher Hunderte bis tausende Male wiederholen. Die gesamte Kraft, die sich aus dem Gewicht des Daches und der federunterstützten Drehreibung summiert, landet an der Stelle, an der sich die 4mm schmale Metallplatte von Teil 1 auf der Aufstellstange dreht. Diese wirklich nicht gut ausgeführte Konstruktion kann auf Dauer nicht bestehen.

Ergebnis:

Die schmale Metallplatte im Inneren von Teil 1 reibt sich nach und nach durch die nicht sehr dicke Wand der Aufstellstange (Teil 3) hindurch. Das bleibt zu Beginn unbemerkt, da sich das langsame Vordringen ins Rohr erstmal nicht bemerkbar macht. Aber irgendwann ist die Wand des Rohres durchgerieben. Es ist ein offener Bereich am Rohrumfang entstanden, vergleichbar mit einem  begonnenen Sägeschnitt. Von diesem Moment des ersten Durchdringens an, findet zwangsläufig keine dynamische, weiche Drehung mehr statt.


Von nun an knallt die Metallplatte bei Betätigen des Gelenks wieder und wieder an die Enden des entstandenen Schnitts.

Die gesamte Kraft verteilt sich nicht mehr auf den Radius der Stange, sondern auf die 2 Endpunkte des Schnitts. Einmal begonnen, vergrößert sich dieser rapide schnell. Bemerken werden wir das durch 2 Auffälligkeiten:

Zum einen stellt sich beim Aufstellvorgang ein bis dato seltsamer Widerstand ein, und es hört sich auch anders an. Und zum anderen wandert in aufgestelltem Zustand Teil 1 immer weiter nach vorne aus Teil 2. Von außen fällt dies meist auf dadurch, dass sich das Gelenk sehr deutlich im Stoff

des Daches abbildet.


 

Je gravierender dieser "einschneidender" Vorgang wird, umso deutlicher verändert sich der Winkel,

den die beiden roten Linien darstellen.

Mit zunehmender Problematik kippt das untere Rohr samt Außenkorpus immer weiter nach vorne,

das obere steht zwangsläufig immer mehr

schräg nach hinten geneigt. Die Tendenz der Veränderung beschreiben die blauen Linien.

 

 

 

Außer, dass sich wie schon erwähnt, der Korpus zu stark in den Stoff drückt, führt es auch dazu,

das die optimale Länge zwischen den Lagerböckchen unten und oben nicht mehr erreicht wird.

Das Gestänge kippt sozusagen über den obersten, idealen Punkt hinweg, und fällt dann schadensbedingt wieder ein Stückchen zurück. Je nachdem halt, wie schlimm die Einschneidung des Rohres schon fortgeschritten ist.

Als letzte Auswirkung Zeit sich das im Stoff selber, der nicht mehr optimal gespannt werden kann.


Zuerst möchte ich mögliche Reparaturen im Gelenk selbst beschreiben. Zum einen besteht aktuell(Stand 7/18) die Möglichkeit, ein Umrüst-Kit zu verwenden. Wie dieses zu montieren ist, und welche Maßnahmen es dafür nötig macht, findet ihr auf der Webseite des Herstellers. Die Umsetzung, die ich als gelungen bezeichnen möchte, findet sich hinter diesem Link für deren Inhalte der Betreiber der Seite verantwortlich ist.

Zum Umbausatz geht´s hier:

Als mein Aufstellgestänge vor einigen Jahren hinüber war, mußte zügig eine Lösung herbei, der Sommer stand vor der Tür. Dieses Umbau-Kit gab es leider noch nicht, und auf dessen Art der Umsetzung bin ich auch nicht gekommen.

Aber es gibt ja immer viele Wege nach Rom, und so habe ich mit meiner Lösung auch ein Ergebnis erzielt, was ich heute nach 7 Jahren immer noch als zufriedenstellend bezeichnen würde.


 

 

Auf eine Länge, die etwas länger ist, als das Aufstellgelenk samt kleiner Führungshülse breit, habe ich die beiden beschädigten Enden der Aufstellstange abgesägt. Per Drehbank wurden nun 2 Zapfen angefertigt. Der kleinere Durchmesser entspricht dem Innendurchmesser, und der große dem Außendurchmesser der Aufstellstange. Die Länge des größeren Durchmessers entspricht der Länge des abgesägten Stückes. Diese Zapfen habe ich nun auf beiden Seiten in die Aufstellstange hineingepresst und zusätzlich mit Loctite verklebt. Die nur 4mm breite Metallplatte des Gelenkkorpus` habe ich beidseitig um nochmals 4mm verbreitert. Somit ist eine Auflagefläche von 12mm entstanden. Die Vorteile zusammengefaßt:

 

1. Die Enden sind jetzt Vollmaterial, das sich nicht durchschleift.

2. Beim Verbohren von Außenkorpus und Stange ist ebenfalls Vollmaterial, statt 2-fach dünne Rohrwandung.

3. Die Auflagefläche selbst ist 3 mal so breit. (Siehe rot = alte Platte; orange = Verbreiterung)

 


 

Als weitere Optimierung möchte ich euch noch zeigen,

wie ich das Hineindrücken des Gelenks in den Stoff

zusätzlich zu allen Erneuerungen minimiert habe.

 

Wie zu sehen, kippt bei aufgestelltem Dach die obere Stange etwas nach hinten. Das ist in minimalem Umfang so gewollt. Die Mechanik ist sozusagen über den "Oberen Totpunkt" hinweg gerollt und etwas tiefer zum Stillstand gekommen. Dies verhindert ein viel zu leichtes oder ungewolltes Einklappen der Aufstellmechanik. Meist ist darin eine deutliche Sicherheit hinein konstruiert. Diese habe ich zwar beibehalten, aber verringert. Im Normalzustand (siehe Linie orange) ist die Schräge deutlich zu erkennen. Mittels meiner Optimierung ist die jetzige Position ca. 2/3 der Strecke Richtung grüner Linie zu finden. Wie geht das?

"Knackpunkt" ist der Bolzen, gegen den sich die obere Stange im aufgestellten Zustand anlehnt. Es ist die Endlage der Aufstellmechanik. Je später das obere Rohr dort zum Stillstand kommt, umso weniger schräg nach hinten steht es. (Siehe ein Bild höher; orange/grün)

Mein Ansatz ist genau hier. Der Bolzen soll dicker werden.

 

 

 

 

 

 

Da der Sprengring zum Stoff zeigt, und per Schraubendreher herunter zu knippen ist, empfehle ich 2 Dinge. Das Dach sollte ca. halb aufgeklappt sein. Vorne am Schloß läßt sich z.B. ein Brettchen zwischen stellen. Und eine stabile Pappe würde ich vor den Stoff stellen. Einmal abgerutscht, ist die Mechanik plötzlich nicht mehr wichtig, da das Zelt dann gelöchert sein wird.

 

 

 

 

 

Der Bolzen ist exakt 8mm. Mittels Schneideisen verpaße ich ihm Gewinde, demnach M8. Über die gesamte Länge muß kein Gewinde sein. Ich habe es so weit geschnitten, dass die Mutter, die dort zum Einsatz kommen soll, sich am Ende des Gewindes festläuft. Position entsprechend so, dass die Konstruktion auf Mitte landet. (Siehe folgende Fotos)

 

 

 

 

 

 

Hier der Test, ob die geschnittene Länge o.k. ist. Bei der späteren Montage habe ich den Bolzen mit der gewölbten Kappe zum Stoff hin montiert. (Siehe Foto)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Endergebnis. Die beiden Scheiben, durch 2 gekonterte Muttern positioniert, bilden den Anschlag, gegen den die obere Stange nun läuft. Da diese ja rund ist, liegt sowieso immer nur der höchste Punkt auf. Dies sind die beiden Scheiben, und die sind allemal breit genug.

 


 

 

 

Der Aha-Effekt außen am Dachzelt macht´s deutlich. Die Maßnahmen sind gut und wirksam.

 

Der Stoff wird weit mehr geschont, die hohe Beanspruchung ist dahin,

Spannung des Stoffes ist perfekt.

 

Viel Erfolg beim Reparieren und Optimieren eures Daches!


DT-Classics

-August 2018-