- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


Mit T3 WESTFALIA Bullis auf die Bergwiese

 

Endlich, der Wasserboxer schnurrt katzenhaft im Heck, ein lauwarmes Sommerlüftchen kräuselt zu den ausge-stellten Dreiecksfenstern herein, der Kaffeeduft aus der Tasse im Becherhalter weht mir in die Nase, und Tom Petty singt "It´s hard to find an friend".

 Na, da geht´s mir eindeutig besser, denn zu den lieben Zeitgenossen, mit denen ich gerne zu tun habe, ge-hören auch jene, die einen WESTFALIA-Campingbus besitzen. Nach längerer Abstinenz bot sich erfreulicher Weise nochmal die Gelegenheit zu einer gemeinsamen Campingbus-Unternehmung. Wie schön, mal wieder so "on the road" zu sein.

 

  In NRW geht es über die Höhen des Rothaargebirges, dann quer durch das hessische Ederbergland, und weiter an Kassel vorbei hinein nach Thüringen ins Eichsfeld. Von Dortmund und Wolfsburg nähern sich zwei weitere VW Busse. Anlaufpunkt am Freitag soll der kleine feine Campingplatz Bergwiese in Thüringen sein, den ich bei meiner Recherche fast schon zufällig gefunden habe. Aber das muß nichts heißen, ganz im Gegenteil. Dort ist laut Betreiber jeder richtig, der absolute Ruhe, Natur pur und eine herrliche Aussicht sucht. "Das könnten unter Umständen sehr, sehr viele sein", denke ich so vor mich hin.

 


 Klar, meine Fotoausrüstung ist an Bord.

Motive wird es reichlich geben.

Wie eh und je.

 

 Das Eichsfeld in Thüringen paßt rundum. Es liegt für uns alle diesmal fast in der Mitte, und niemand von uns war schonmal dort. Sowas ist meistens verlockender, als zum x-ten mal an dieselbe Stelle zu fahren. An Ende der für jeden knapp 200 Kilometer langen Sternfahrt rollen wir durch den kleinen Ort Thalwenden.

 Von einer Mißdeutung des Ortsnamens nicht beeindruckt, ist tatsächlich jeder brav weiter gefahren, und wir alle treffen nacheinander auf der Bergwiese ein. Der warme, einladende Eindruck des Dorfes setzt sich hier am Platz fort. Einzigartig: Es gibt überhaupt keine Rezeption! Man darf sich seinen Platz aussuchen, und der Rest, der zeigt sich später. Aber als erstes zeigt sich, dass der Werbeslogan wirklich zutrifft. Ruhe, Natur, klasse Aussicht.

 

Aus der offenen Heckklappe läßt sich ausgestreckt liegend

der erste Blick über Thalwenden und die weite Landschaft geniessen.

 

Unsere kleine, feine Wagenburg besteht

aus einem 87er JOKER, einem 83er CLUB JOKER,

einem 89er CLUB JOKER, und einem 90er CALIFORNIA.

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 Ein ansprechendes Eckchen ist rasch gefunden. Einfach da sein. Den Bus auf die Wiese stellen, die Schiebetür auf, Dach hoch, fertig. So schlicht kann Luxus aussehen.

 

 Doch ganz so selbstverständlich, wie das vielleicht aussehen mag, ist es dann zumindest technisch doch nicht. Glück oder Zufall, weit gefehlt, irgendwas ist an den Oldies ja doch immer zu tun. So auch aktuell.


  Zum Beispiel der weiße CLUB JOKER hat frische Buchsen am Lenkgetriebe, der JOKER fährt mit neuem Zahnriemen, und viel investiert in die Inneneinrichtung des CALIFORNIA wurde auch. Der WBX in meinem Club Joker hat eine frische Wasserpumpe drin. Und jetzt stehen wir hier allesamt heil angekommen auf der Bergwiese. Ja, die Welt ist ziemlich in Ordnung gerade.

 

Jeder ist auf andere Weise seit Jahren im Thema T3 zu hause,

und es gibt viel zu berichten, wenn man sich so lange nicht gesehen hat.

Ich wiederhole mich in dem Fall gerne:

 

                                Es gibt einfach nichts schöneres, als mit einem VW Bus bei geöffneter Schiebetür

                                                                     auf einer trockenen Wiese zu stehen. Steigerbar ist das tatsächlich,

                                                                                                                        wenn´s mehr als nur einer ist. So wie diesmal.

Wer tief in die Fotos hinein taucht, der sieht nicht bloß ein Bild. Ein Lebensgefühl wird spürbar.

 

Hier könnte alles 1, 3, oder 10 Jahre alt sein.

Oder 30-40. Alterungsprozesse sind eingefroren.

 Hier im Eichsfeld, da ist es richtig schön. Jenes charmant Beruhigende,

was diese Gegend so sympathisch macht,

passt perfekt zu einem Treffen

mit unseren alten Bussen.

Und genauso, wie hier in der Gegend

viel Altes zu erhalten gelungen ist,

ist auch an den Fahrzeugen

die Zeit ohne ein Hinterlassen

derber Spuren vorübergegangen.

Die Qualität der Einrichtung, die Türen, Scharniere und Verschlüsse,

alles sieht tatsächlich aus wie neu,

und das trotz Nutzung durch 3-4 Jahrzehnte. Ein Hauch von Zeitlosigkeit schwingt da deutlich mit.


 

 Samstag Morgen. Kühl war die Nacht, und der heiße Kaffee heute morgen tat gut. Wir packen die 7 Sachen für den Tag zusammen und starten im Konvoi ins nahe gelegene Uder. Dort besuchen wir einen Herrn, dessen Werkstatt wir anschauen dürfen. Er ist aktuell mit der kompletten Restauration eines Hochdach - Club Jokers be-schäftigt. Einmal alles. Wir sind mit ihm verabredet, und dürfen uns unter anderem dieses Projekt anschauen. Die Bullis lungern in der Zeit geduldig wartend vorm Hallentor herum.

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Der Besuch.

 Respekt, Hochachtung, totale Bewunderung. Das sind so die ersten Begriffe, die mir einfallen, als ich erkenne, was hier passiert. Faszination, gepaart mit der Leidenschaft für den WESTFALIA-Bus, und der lange Atem für so ein Projekt noch dazu. Jemandem, der sämtliche Fachgebiete einer hoch komplexen Vollrestauration beherrscht, und das offensichtlich allumfassend, begegnet man nicht allzu oft. Die in erstaunlicher Kürze selbst angeeignete, detaillierte Kenntnis, auch über höchst exotische Details führt dazu, dass jeder von jedem lernt, und auch ich gehe aus dem Tag mit ein paar aufschlußreichen Informationen, die mir bis dato nicht bekannt waren.

Ich sag nur, Regenrinne...

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Man braucht ein Ziel, einen Weg, und man braucht Leidenschaft. Die Freude kommt dann mit jedem erreichten Schritt.

 

 Doch das soll es für diesen Vormittag längst noch nicht nicht gewesen sein.

                   Nur wenige hundert Meter von dieser heiligen Halle entfernt befindet sich ein Ort,

                                an dem es schwer fällt, alles mit einem Wort zu erklären. Ich versuche es auch erst gar nicht.

Irgendwie ein gutes Gefühl, mit unseren Fahrzeugen nicht wirklich in eine fremde Welt,

in eine andere Zeit einzudringen, sondern Teil dessen zu sein.

 

 

 

 

 

 

 Moppeds, alte Motorräder, diverse Autos, Lkw´s...alles ist hier zu finden, alles in indiskutablem Bestzustand, und wirklich alle Fahrzeuge sind auch historisch über alle Zweifel erhaben.

 

 Gastfreundlich und total angenehm werden wir begrüßt, und auch hier dürfen wir dankbarer Weise einfach so "hinter die Kulissen" schauen.

Es strahlt Ruhe aus.

Keine Hektik, keine Eile, keine Nervosität.

Die Dinge bleiben, wie sie sind.

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BMW, EMW, Strich-8er DB... Trabant, Schwalbe. Und das alles traumhaft schön.

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                    Eine Halle weiter: Restauration in der Königsklasse.

                                                                                     Historischer Lastkraftwagen!

Alles hat seine Reihenfolge, alles hat seinen Platz, und alles hat seine Zeit. Die Dinge und die Menschen ruhen hier in sich.

Weitergabe von Erfahrungen und Kenntnissen ist gelebte Evolution.

Dieses Naturgesetzt gilt auch hier. Wie herrlich...

 

 HORCH.

Wer kennt noch Lastkraftwagen von HORCH?

Und wenn sie noch jemand kennt;

wer kann sie dann auch noch

in Perfektion Instand setzen?

Und selbst, wenn?

Wo findet sich Fachwissen?

Und wo gute Ersatzteile?

(In dem Fall einfach: Im Keller...!!)

 

Schon zum zweiten Mal binnen weniger Stunden hinterläßt mich der Tag sprachlos.

Lackieren, Schweißen, Motorrevision, Elektrik, Organisation seltener Ersatzteile,

Nachfertigungen in Handarbeit..alles aus einer Hand.

Oder besser gesagt, aus vier.

Hier sind Vater & Sohn tätig.

Paradies pur.

 

Mir fällt unsere gemeinsame Wiederbelebung

des T3´s meines Sohnes Malte ein.

Viele Momente ähneln sich.

Aber das hier, das ist riesig!

 Ganz großes Kino.

 

Am allermeisten beeindrucken mich allerdings

die Offenheit und Gastfreundlichkeit,

mit der wir empfangen werden.

 

 

 Der Tag ist noch früh, wir ziehen weiter. Das Eichsfeld ist landschaftlich höchst reizvoll. Ein bisschen was davon anschauen möchten wir uns, und Bewegung wird gut tun. Etwa 15 Kilometer entfernt findet sich auf einem Berg die alte Burg Hanstein, die als die schönste Burgruine in Mitteldeutschland gilt. Innerhalb der Anlage gibt es einen nach altem Vorbild angelegten Weinberg sowie einen Kräutergarten. Und der Blick ins weite Tal der Leine ist von hier oben sensationell.

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 Zugegeben, es ist nicht einfach, mit 4 alten Bullis nicht aufzufallen. Ist aber egal.

Klick zur Burg:

 

 Unweit der Burg liegt ein großer Parkplatz, und von dort aus werden wir starten.


Quartett ein- und derselben Passion.

 

 Rundwanderwege sind gut und sinnvoll. Vor allem dann, wenn man seine Fahrzeuge am Ausgangspunkt stehen hat. Unsere Wahl fällt auf eine etwa 6 Kilometer lange Runde, an deren Wendepunkt die Teufelskanzel liegt, ein Gasthaus, und der ersehnte Ausblick auf die Werraschleife. Hier ein paar Impressionen dazu :


So, wie auf älteren Fotos zu sehen, ist die Aussicht leider nicht mehr.

Denn durch den mittlerweile hohen Baumbewuchs (Bildmitte)

ist der Bogen der Werra tief unten im Tal nämlich gar nicht mehr zu sehen.

 

 Die Wege sind jedenfalls wild und abwechslungsreich.

 

                                                                                                                                Und längst nicht alle Bäume stehen noch.

 

Die alte Schänke kommt uns gerade gut gelegen, und im Laub überspannten Biergarten ist Platz.

 

Ein kühler Trunk für uns,

und ein freundschaftliches "Prost" auf euch alle, die ihr hier reinschaut!

 

 Meist umschleicht uns ja doch die Sorge, ob nach Rückkehr wohl alles ok sein mag an den Fahrzeugen, oder ob im schlimmsten Fall sogar einer fehlt. Alles ist möglich. Hier ist es allerdings völlig anders, denn es ist während unserer Wanderung sogar noch einer mehr geworden! Der für die lange Tour bepackte CALIFORNIA ist samt Besitzer auf dem Weg nach Portugal. Logisch, was mag Richtung Süden näher liegen, als über Burg Hanstein zu fahren?

Hier parken fünf alte VW Busse. Mehr ist es nicht. Erst ein Foto macht daraus die Hommage an das beste Fahrzeug der Welt.

 

Zu fünft zurück auf der Bergwiese. Der Chef vom Platz hat während unserer Abwesenheit gemäht. Also, nur unsere Wiese. Das ist wirklich richtig liebenswürdig! Und eine Feuerschale samt Holz für den Abend bekommen wir gegen einen sehr moderaten Anstandsobulus auch noch. Später gibt es noch eine Besichtigung aller Einrichtungen am Platz, so auch die ganz oben in bester Aussicht gelegene Gastronomie.

Wenn ich ganz viele wäre, dann wären wir alle hier.

Bergwiese Thüringen.

 

Das ist Stille, Weite, Ruhe, Idylle,

Bescheidenheit, Ungezwungenheit,

aber auch Freundlichkeit & Service

durch den gastfreundlichen Betreiber.

 

Wer sowas alles mag, und, versprochen,

dort niemals was davon kaputt macht,

der darf jetzt den Button drücken:


 

 Im letzten Abendlicht auf die Bullis schauend, beschleicht mich schon die Frage, ob wohl gerade auch anderswo im Lande ein paar Freunde mit ihren WESTFALIA Bussen auf einer Wiese stehen, die Gläser erheben, und ein bisschen sinnieren über Land & Leute, Freundschaften, Reisen, und all´ die großartigen Möglichkeiten, die diese herrlichen Fahrzeuge bereiten.

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                         Thalwenden                                                      Feuer im Baum                                                       Ohne Worte

 

 

                         Schnecken sind streng genommen auch Camper.

 

 

 

 Wir sind uns einig!

 

DAS ist eine eindeutig

harmlose Form von "Kriech-Strom",

der an unseren Fahrzeugen

ohne Auswirkung bleiben wird.

 

 

 

Es gibt hier also

nichts zu schrauben,

die Reparaturleitfäden

werden nicht benötigt.

 

 

 

Von daher bleibt genügend Zeit, um ausgiebig in einigen Ausgaben

der "WESTFALIA REGISTER POST" zu schmökern,

bevor es morgen wieder heim geht.

Informationen zur WESTFALIA REGISTER POST vergebe ich bei Interesse gerne. Schreibt mich einfach per Mail an.

 

 Herzlichen Dank dafür,

uns hier durchs Eichsfeld

und auf die Bergwiese

begleitet zu haben!

 

 Und auch ohne Namensnennung gilt ein besonderer Dank denen,

die wir kennenlernen durften, und bei denen wir hinter Kulissen geschaut, Erfahrung gewonnen, Gespräche geführt, gegessen und getrunken haben. DANKE!

 

 Euch da draußen

weiterhin spannende Touren,

fesselnde Erlebnisse,

nachhaltige Begebenheiten,

allzeit und überall

eine pannenfreie Fahrt!

 

Weitere Berichte von Touren im VW T3

findet ihr Rechts...hinter den...Links... ;-)



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