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in Fotografie & Geschichten

 


WESTFALIA Ausstattung im VW Bus T3

VW T3 WESTFALIA Sitz-/Klappbank

Teil 2: Aufarbeiten der Lehne

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 Wie vorab an der aufgearbeiteten Sitzfläche dokumentiert, ist auch an der Lehne der Sitz-/Klappbank der Schaumkern hinüber, und der Stoff bezüglich maschineller Reinigung mehr als überfällig. Diese Dokumentationen sollen nicht nur zeigen, wie das alles zu machen gelingt. Ich weiß, dass die Beschreibungen zu diesen Themen eher dürftig sind, bzw. in Ausführlichkeit in Schriftform oder online kaum vorliegen. Sollte es anhand dieser Beiträge dem Einen oder Anderen gelingenen, den Polstern im eigenen Bus dann doch mal erfolgreich "ans Leder zu gehen", hat sich meine Arbeit mehr als gelohnt.

 

 In diesem Teil 2 der Sitzbank-Serie geht es also um die Demontage/Montage der Rückenlehne, um die neue Aufpolsterung, um alle relevanten Nebenarbeiten, und ebenfalls um die Maße der Schaumpolster.

 

 

Demontage

 

 An der Rückenlehne ist auf den ersten Blick nicht eindeutig zu erkennen, wo und wie sie an den Klappscharnieren befestigt ist. Im Bereich der entnommenen Sitzfläche ist jedenfalls nichts zu sehen. Einzig auf der Rückseite der Lehne befindet sich links und rechts ganz unten eine Schraube. Sind diese beiden gelöst, läßt sich ein Teil des Kunstlederbezugs hochklappen. Zum Vorschein kommen die restlichen Schrauben. Sind sie entfernt, ist die Lehne entnehmbar.

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Vom Innenraum her zeigt sich keine Befestigung der Rückenlehne.

Die rückseitig befindlichen Schrauben weisen den Weg.

Schön unsichtbar, kommen nun die restlichen Schrauben zutage.


 

 

 Die unter dem Stoff sichtbaren Erhebungen sind nicht bloß Falten, die sich aufgeworfen haben. Was dort sichtbar wird, ist zu harten Brocken verkrusteter Abrieb des Schaumkerns, der sich zwischen Oberstoff und Unterstoff einge-rieben, und über die vielen Jahre zunehmend angereichert und dort unangenehm verhärtet hat.

 

 Die bislang von mir nur mittels Nassreiniger oberflächlich durch-geführte Polsterreinigung konnte an dieser Sache nichts ausrichten.

 

 

 Schon beim Lösen der ersten Stücke des Bezuges fallen einem die Abriebe in kleineren und größeren Brocken entgegen. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dem Zustand endlich Aufmerksamkeit zu schenken, denn ich vermute stark, dass das Entfernen auch einen positiven Geruchseffekt hat. Der teils "typische" Duft, der einem beim Einsteigen in einen alten Camper entgegenweht, mag eben u.a. von diesen alten Abrieben stammen. Die unverwechselbare Frische eines Neuwagens...naja, fast...wird nun bald Einzug halten... ;-)

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Das letzte Stück ist nicht getackert.

Das muß auch so bleiben!

Sind die Krampen unten entfernt, der Bezug umgeklappt, zeigt sich Weiteres.

Und überall lösen sich diese wirklich ekligen, alten Rückstände.


 An der sichtbar gewordenen Unterkante sind jetzt alle Krampen zu entfernen, und ebenso jene seitlich. Wie das Kunstleder an den Ecken überlappend umgeschlagen wurde, und was unten oder oben liegt, empfehle ich zu dokumentieren. Außerdem vereinfacht es das spätere Antackern enorm, wenn klar ist, bis wohin der Bezug reichte. Auch diese Flucht empfehle ich zu markieren. Am Bild unten links erkennt man auch schon unter dem hochgehaltenen Bezug die Befestigungen der Kopfstützenhalterungen. Dazu später.

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Gut zu erkennen, der unten um die Lehnenkante geschlagene, in langen Abständen angetackerte Kunstlederbezug.

Markierungen helfen, später den exakten Sitz des Bezuges zu finden. Ecke unten überlappt den seitlichen Verlauf.

 


 Sind an der Unterkante und an den seitlichen Kanten die Krampen entfernt, zeigen sich 2 Dinge. Zum Einen erkennt man, dass der Bezug im oberen Drittel wie eine Tasche ausgeführt ist. Dort finden sich also keine Krampen mehr. Der Bezug wird nur übergestülpt, schlicht drübergezogen. Zum Anderen wird deutlich, dass der komplette Bezug final nur abzunehmen gelingt, wenn die Halterungen der Kopfstützen vorab vom Holzbrett entfernt werden.

 

 

 Bei der Demontage der Halterungen für die Kopfstützen wird eines klar: Ohne ein Zerlegen der Rückenlehne sind diese weder zu entnehmen möglich, noch überhaupt an Lehnen montierbar, denen sie von vorne herein werksseits fehlen.

 

Diesen Anblick kennen wohl noch die Meisten.

Zum Entnehmen sind diese

6 Schrauben zu entfernen.

Die Kunststoffhülse steckt arretiert im Halteblech.

Einfaches Rausziehen der Hülsen gelingt so noch nicht.

 


 

 Um die Kuststoffhülsen aus dem Halteblech zu bekommen, ist es nötig, die 4 Spreizenden zusammenzudrücken, und gleichzeitig die Hülse aus dem Blech zu schieben. Mir ist das nur mittels Händen und Fingern nicht gelungen. Also habe ich mir was ausdenken müssen. Eine Ratschenverlängerung mit aufgesteckter Nuß ist (m)eine Lösung! Schiebt man diese von unten auf die gespreizte Hülse, werden die Enden zusammengedrückt, und durch den Druck geht´s gleich in die richtige Richtung, nämlich raus aus dem Halteblech.

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Oben sind 2 Verdrehsicherungen,

und unten 4 Spreizenden.

Die Stecknuß drückt die Enden gleichmäßig und weit genug zusammen.

Etwas kontrollierter Druck nach oben reicht, und die Spreizung kommt frei.

 


 

Die von den Halteblechen getrennten Kuststoffhülsen können nun aus dem Bezug herausgezogen werden.

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 Völlig entkernt, die Holzplatte der Rückenlehne. Gut zu erkennen, wie damals in Streifen der Kleber aufgetragen wurde. Ein Verkleben von Holz und Schaumkern ist bedeutsam, das sich so der Schaumkern beim Beziehen nicht ungewollt einseitig verschiebt, und auch später maßtreu an seinem Platz bleibt.

 

 

 Einige online zu findenden Maßangaben für die Schaumstoffpolster habe ich als verwirrend oder als schlicht falsch empfunden. Ob es bei den VW T3 WESTFALIA Modellen mit originaler 2er Sitz-/Klappbank Unterschiede in den Polstermaßen gegeben haben mag, halte ich zwar für nahezu ausgeschlossen. Aber es ist mir auch nicht erklärbar, woher die seltsam unterschiedlichen Maße herkommen, die sich teils finden lassen. In manchen dieser Listen wurde meines Erachtens sogar fataler Weise die Holzplatte mitgemessen und dann im Geamtmaß des Schaumstoffes mit hineingerechnet.

 

 Also, besser selbst messen! Vielleicht erhellt mein Ergebnis ja ein wenig die Düsternis im www.-Land, daher gebe ich hier alle relevanten Maße zum Besten, die ich von dem Schaumstoffpolster und der Holzplatte ermittelt habe.

 

 

Polster Rückenlehne

 

Länge: 114 cm  Breite: 44,5 cm  Höhe: 8 cm

 

Holzbrett Rückenlehne

 

Länge: 110,3 cm  Breite: 43 cm  Stärke: 2,3 cm


 

Montage

 

 Wie auch bei der Sitzfläche, gilt ebenso für die Rückenlehne, dass der Schaumkern größer dimmensioniert ist, als das Holzbrett. Für mich war hilfreich, beides vorab zu vermitteln, und mir per Edding die Position anzuzeichnen. Nach anschließendem Auftragen des Sprühklebers ist es so schon kniffelig genug, den einen einzigen Versuch erfolgreich zu nutzen, um beides exakt aufeinander zu legen. Auf den folgenden Fotos sind das Holzbrett mit dem Schaumkern schon verklebt, und auch die Posterwatte ist ebenfalls angeklebt.

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 Als nächstes werden die Kuststoffhülsen der Kopfstützenhalterungen wieder in den Bezug gesetzt und mit den Halteblechen verbunden. Anschließend gilt es, den Bezug mützenartig von oben auf die Lehne zu setzen. Auf den exakten Verlauf der Nähte an den Kanten ist zu achten.

 

Die 4 Kunststoffhülsen werden vorsichtig durch das Kunstleder gesteckt, und dann in den Halteblechen eingerastet.

Es ist darauf zu achten, dass die schweren Halterungen

nicht das in die Jahre gekommene Kunstleder ausreißen.


Von unten nach oben: Polsterwatte, Schaumkern,

Holzbrett, Kopfstützenhalterungen, Bezug.

Nahtverläufe auf den Kanten ist das A & O dieses Arbeisschrittes!

Lieber einmal mehr korrigieren, umso schöner wird es.

 


 Was jetzt noch fehlt, ist das möglichst präzise Anbringen der Tackerkrampen an den Seiten und auch an der unteren Kante. Hier machen sich jetzt alle vorangegangenen Markierungen...und Fotos...bezahlt!

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Erst, wenn der Bezug oben und seitlich 100%ig sitzt, wird unten geatckert!

Blau: Hier nicht tackern.

Rot: Ein Schraubendreher durchgesteckt, gibt dem unbefestigten Lappen seine Richtung. Grün: Das Auge isst mit!

Auch, wenn es unten und hinten ist,

und auch, wenn es deshalb niemand sieht:

Es ist schön zu wissen,

es schön zu wissen...


 Was das große "Angstthema" Polster im VW T3 WESTFALIA anbelangt, wäre das Ziel erreicht. Die Vordersitze sind frisch und neu, und ebenso die Sitz-/Klappbank. Alles in allem war die OP nicht gerade klein, aber es ist auch keine Hexerei. Mit Geduld, einer Grundausstattung an Werkzeug, und ein bisschen Courage + Geschicklichkeit, ist das durchaus gut zu bewerkstelligen.

 

Ein paar Infos zur großen Matratze im Heck reiche ich beizeiten noch in Form eines Updates hier, oder als kleinen Zusatzbeitrag nach, ebenso ein paar Fotos nach Wiedereinbau aller Sitze.

 

 



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Kommentare: 1
  • #1

    Alex (Dienstag, 27 Juli 2021 13:22)

    Hallo,
    ich habe schon mehrere Berichte von Dir gelesen und damit Einiges in meinem Bus wieder fit machen können.
    Ich suche jetzt gerade nach der Beantwortung folgender Frage: Wie bekomme ich die seitliche Lehne der Rückbank im Joker (unterhalb der Standheizungssteuerung) original angebracht ? Nach Sanierung fehlt mir die Idee, ob es hinten auch eine Art Klammer war, die mir jetzt fehlt - also ähnlich zu der wie vorne - oder ob es nur eine Schraube war, die dort hingehört. Das eine Loch auf der Höhe hält die Verkleidung bei mir, das andere ist genau auf der Höhe des Befestigungsbügels der Armlehne hinten, so das es analog zum Reinschieben wie vorne zumindest den Löchern nach einfach nicht passt. Wie sieht das an der Stelle mit dem Halter original aus ?
    Vielen Dank im voraus