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in Fotografie & Geschichten

 


WESTFALIA Ausstattung im VW Bus T3

ISO-Balg  für das Klappdach vom VW T3 WESTFALIA

2 Kommentare

 

  Schon seit vielen Jahren schiele ich zwiegespalten nach Bullis, bei denen bei großer Hitze oder lausiger Kälte ein ISO-Balg um das aufgestellte Zelt vom Klappdach angebracht wurde. Und genauso lange befrage ich die Besitzer danach, lese mich durch Online-Beiträge dazu, und mache mir meine eigenen Gedanken darüber.

  Letztlich vom Kauf abgehalten haben mich bislang immer 2 Dinge. Erstens, Kosten & Nutzen erschienen mir für mich nicht ausgewogen, die Einsätze wären zu selten gewesen. Zweitens, mir gefiel (und gefällt!) die Optik einfach nicht. Oder andersrum gesagt, es geht einfach nichts über ein klassisches Stoffzelt auf dem T3, welches nicht, schon von Weitem zu sehen, abgedeckt ist, und glänzt, wie eine XXL-Folienkartoffel.

  Nun haben sich in den letzten Jahren unsere Reiseziele, -zeiten & -gewohnheiten etwas verlagert, so dass die Umstände "sehr heiß"/"sehr kalt" nicht nur möglich waren, sondern immer mal wieder eingetreten sind. Und unser Klappdach ist während der Aufenthalte auch immer oben! Ich habe mich daher dazu entschieden, eine solche Thermo-Matte anzuschaffen, mindestens 1 Saison im Selbsttest zu nutzen, und mir mein eigenes Bild zu machen. Über die Montage, wie auch über meine subjektiven Eindrücke der Qualität & Nutzung, möchte ich hier aktuell und fortlaufend berichten.

 

Auswahl & Kauf

  Vielleicht beginne ich mit der Auswahl des Produkts. Bei der Online-Recherche zu diesen ISO-Balgen fällt schon auf, dass nahezu alle Anbieter dasselbe Foto nutzen. Auch die Beschreibungen sind, wie man heute so schön sagt, alles Plagiate. Jeder schreibt das, was alle schreiben. Preislich tun sich die Angebote auch nicht viel. Von daher mutmaße ich, dass alle Anbieter auch dasselbe Produkt des gleichen Herstellers vertreiben. Ich habe den Artikel daher einfach bei einem der wenigen Händler bestellt, bei denen ich seit eh und je immer schon gerne T3-Teile bestellt habe.

 

 

 

Etwas schmunzeln muss ich, als ich das Paket betrachte, und bin erschrocken zugleich. Am Karton steht "Little Dutch". Ok, das trifft´s nicht ganz, und ich rätsel´ an der Frage herum, wie wohl "Big Dutch" ausgesehen hätte.

 

                    Also, auf geht´s, "enjoy the little thigs"!

 

  Mit knapp 2 Kilogramm auf viel Volumen hat man ein ordentliches Bündel unterm Arm. Haptisch sagt es mir gleich zu. Es fühlt sich (hoch-) wertig an. 7-lagig ist die Angabe dazu, was ich gerne glauben mag, denn es ist voluminöser, dicker, als vermutet. Finde ich gut. Um den optischen Minuspunkt "XXL-Folienkartoffel" kommt man allerdings nach wie vor nicht drumrum. Ohne Reflexion funktioniert sowas nicht.

 

Packmaß & Verstauen

 Ein Punkt, der nicht wegzudiskutieren geht: Das Teil ist sperrig. So wirklich auf Schrankfach-Format bekommt man es nicht gefaltet, und falten läßt es sich auch kaum. Es ist eher ein Rollen, Knicken in großen Radien. Wer dieses Teil oft abmachen möchte, 1 Tag fahren, dann wieder drauf, kriegt sicherlich was ans Gemüt bei der Suche nach einem guten Platz im Inneren des Campers. Die beste Variante wird sein, den Iso-Balg möglichst schnell greifbar zu transportieren, und vor Ort als erstes anzubringen. Dann ist er raus aus dem Bus. Denkbar wäre auch, zum Verstauen oder bei Nichtbenutzen für während der Fahrt/vor Ort, den Packsack der Dachwanne dafür zu verwenden. Mal schauen...

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Riesig. Hier liegt das Teil doppellagig.

Längs im Bus geht´s bis zur Heckklappe.

 

Quer gelegt: Volle Breite.


Montage & Anlegen

 

  Zur Montage vorgesehen sind 4 Druckknöpfe, die im ISO-Balg schon eingesetzt sind. Die 4 Gegenstücke dazu sind bei der Montage oben vorne am Klappach anzubringen. Die kleine Tüte mit den vier Gegenstücken klebt an der Verpackung des Balgs. Am Besten gleich sicherstellen, denn es ist ruckzuck mit weggeworfen.

 

Beim Anbohren der Druckknöpfe habe ich per Maßband aus der Mitte raus gemessen. Wichtig ist auch, die Druckknöpfe von vorne anzubringen, und nicht von unten! Der Zug ist dann nämlich zu stark und es hält nicht.

 

In meinem Fall ist ja auch bedingt des frühen Baujahres der einlaminierte Holzrahmen im Dach. Wie das bei den späteren Dächern entsprechend anders angebohrt werden kann, weiß ich tatsächlich nicht, das sollte man sicher-heitshalber vorab klären.

 

  Ausprobieren wollte ich, wie gut oder weniger gut das Anbringen alleine machbar ist. Laut Aussage derer, die ich fragte, ist das ziemlich fummelig. Stimmt! Es geht aber trotzdem, und das ist gut zu wissen, man ist ja auch mal solo auf Tour, und vielleicht gerade dann niemand sonst greifbar. Zum Festmachen bediene ich mich eines eigens angefertigten Aufstellers fürs Dach, den ich bei mir daheim nutze, um das Klappdach unterm Carport so weit wie möglich aufzustellen, z.B. zum Trocknen. Jetzt beim Anklipsen der Iso-Haut ist das Ding hilfreich, und ich kann nur empfehlen, sich sowas in der Art mitzunehmen. Am nun leicht geöffneten Dach kriegt man außen ziemlich gut die vier Druckknöpfe fest, indem man sich aufs Vorderrad stellt, oder bei tiefer gelegten Bussen, aufs Radhaus. Dabei bitte dort den Lack schützen...!!

 

 

Das Dach einfach hochdrücken und den Aufsteller ensetzen.

Geht tiptop. "Dachlatte", mal anders...

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Beim Auflegen aufs Fahrerhaus störte in meinem Fall die Teleskopantenne.

 

Iso-Balg angeknöpft, die langen Lappen hängen seitlich runter.

 

Nun das Dach nach oben drücken.

Da entspannt sich vorne so einiges.

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 Jetzt bleibt "nur" noch übrig, links und rechts die langen Lappen nach hinten zur Heckklappe zu führen. Da hilft es, dass der Bus eine klassische Regenrinne hat, wegen der die langen Stücke nicht hinunter rutschen können. Es ist zugegebener Maßen ein ziemliches Gefriemel, beidseitig entsprechend so zu ziehen, dass man einerseits am schmalen Saum über der Heckklappe die beiden mit Klettbänder ausgestatteten Enden zusammenbringt, und andererseits auf den großen, dreieckigen Seiten des Klappdaches alles ordentlich gespannt bekommt.

  Im testweisen Alleingang hat das gegenüber des Anbringens zu zweit doch viel Mühe gemacht, da fehlt aber auch noch Routine, ganz klar. Aufmerksam und behutsam gilt es vor allem, die Iso-Haut um die hinteren Klappscharniere zu legen. Allzu fest ziehen, und mit Ungeduld zu Werke gehen, kann ich dort nicht empfehlen. Aber auch das wird zu zweit angenehmer zu machen sein, ich werde berichten.

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(Ein erstes) Fazit

  Als Gesamtergebnis der recht gut geglückten Premiere von Montage und Befestigung der Thermo-Matte möchte ich noch ein paar Erkenntnisse loswerden:

 

  Der Schnitt des gesamten Einteilers ist schon richtig, richtig gut, aber nicht wirklich perfekt. Ich hatte zum Beispiel Schwierigkeiten, den dreieckigen, großen Seitenteilen oben wie unten die parallele Richtung an Regenrinne und gleichzeit oben innen am Klappdach zu geben. So 100pro läuft das Dreieck nicht auf´s schmale Ende zu. Ich habe das daher oben zwischen Dach und Zeltstoff im vorderen Drittel etwas im Radius einschlagen müssen. Hilfreich wäre, ihn vorne etwa 2-3cm tiefer anbohren zu können. Das geht aber nicht, höchstens mit entsprechend gebauter Hilfsmittel.

 

  Die Vorderseite zwischen Dach und Wanne könnte meines Erachtens auch einen leicht anderen Schnitt vertragen. Oben noch halbwegs akzeptabel, bekommt die Thermo-Matte nach unten hin einfach etwas zu viel Stoff ab. Man kann da außen ziehen und anders spannen, wie auch immer, in der Mitte bleibt immer eine nicht spanntbare Stoffbeule, obwohl sich die unteren Ecken nicht weiter nach außen ziehen lassen. Ich weiß nicht, ob auch das besser würde, wenn die Befestigung oben wie beschrieben etwas tiefer sein könnte. Aber auch da schaue ich noch genauer, wenn wir das mal zu zweit anbringen. Eventuell korrigiere ich das.

 

  Nun aber noch zum eigentlichen Fakt, nämlich der Funktion als solche! Schiebetür zu, Standheizung an, und ab nach oben. Obwohl es außen heute nicht sehr kalt ist, merke ich den extremen Unterschied zu sonst. Der Bus füllt sich rasend schnell mit warmer Luft, zum Glück bollert die Eberspächer wieder, wie sie soll! Und die Temperatur steigt auch viel, viel schneller, als sonst. Kurz vor saunamäßiger Aufgußstimmung habe ich dann abgeschaltet. Auch jetzt merkt man deutliche Unterschiede. Die Temperatur innen hält, und hält, und hält, und hält...

 

 

Für´s Erste bin ich echt zufrieden.

Bei diesem Nutz-Teil folgt eindeutig die Optik der Funktion. So ist das nunmal,

wenn´s auf Reisen bei solchen Belangen nicht vordergründig "maximal schick" gehen kann.

Bei kommenden Einsätzen zu sehr kühlen oder sehr heißen Zeiten ist das Teil ab jetzt an Bord,

ich freue mich drauf. Weitere Infos dazu folgen im Anschluß an die nächste Tour.

 


Update, 05.09.2021

 

  Wie angekündigt, möchte ich hier ein wenig berichten vom ersten längeren Einsatz des neuen Iso-Balgs. Wir sind 2 Wochen in der Schweiz gewesen, und zwar weit oben. Das ist in der Schweiz vielerorts so, aber wir waren ganz oben. Camping Morteratsch, 2000m hoch gelegen. Die Temperatur nachts lag um den Gefrierpunkt.

 

  Da auch tagsüber keine 25 Grad erreicht wurden, sondern maximal 8-15, herrschte dauerhaft ein nasskaltes Klima, dass üblicher-weise nach spätestens 2 Tagen alles klamm werden läßt.

 

 

 Selbst bei nicht eingeschalteter Standheizung war es bzgl. Raumklima tagsüber allerdings angenehm trocken im Bus. Die Standheizung läuft bei uns nachts nie durch, wir benutzen sie abends vorm Hinlegen, morgens beim Aufstehen, Frühstücken, fertigmachen für den Tag. Die dann erreichte Wärme hielt sich auffällig lange im Inneren. Selbst kleine Wärmespender, wie ein mittels Gaskochstelle gebrühter Kaffee, waren im Ergebnis deutlich vernehmbar. Für uns haben somit Reisen zu diesen Bedingungen ihre kleinen Schrecken verloren. Hinzu kommt übrigens, dass auch Regen deutlich weniger Einfluß nimmt, da ein nasses Dach bei Wind die entstehende Verdunstungskälte nach innen abgibt. Auch dieser Effekt bleibt nun schlicht aus.

 


2021 © DT-Classics


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Kommentare: 2
  • #1

    Kai (Samstag, 07 August 2021 07:04)

    Stellt sich mir gerade die Frage, warum Christo nicht eigentlich mal Bullis verhüllt hat:-)
    Aber es soll tatsächlich super im Winter funktionieren. Im Sommer würden mir die Fenster fehlen.

    Lieber Gruß aus dem Norden.

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Samstag, 07 August 2021 08:31)

    Hallo Kai,

    ja, die einmalige Chance hat er ganz klar verpasst... ;-)

    Sommer und Fenster, da hast du vollkommen recht! Wir werden das Teil auch gerade im Sommer sicherlich nicht dauerhaft nutzen. Vor 2 Jahren in Südfrankreich habe ich eine solche Möglichkeit bei permanent über 40 Grad allerdings stellenweise vermisst, und vorrangig gehts um dauerhaft kalte, feuchtkalte Regionen und Zeiten. Es ist sozusagen ein Selbstversuch. Mal schauen, wie ich nächstes Jahr drüber denke.