- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


WESTFALIA Ausstattung im VW Bus T3

ISRI Reisesitz  1000/518, komplette Revisionsserie

Teil 3: Ersetzen des Schaumkerns incl. aller Nebenarbeiten

 

 Es ist schon erstaunlich, an welche schlechten Betriebszustände man sich so gewöhnt, wenn der Weg dorthin lang und schleichend verläuft. So zum Beispiel, wenn über Jahre und Jahrzehnte der Sitzkomfort der doch hoch gepriesenen ISRI Reisesitze prozentchenweise schwindet. Vor allem, wenn der Bezug noch recht gut und ohne Schäden ist, fällt der schrittchenweise eingetretene Verschleiß am Sitzpolster zumindest auf den ersten Blick kaum auf. Doch seit ich in den letzten 3 Jahren immer mal wieder auf Sitzen eines VW T3´s platznehmen durfte, deren Revision noch nicht sehr lange zurückliegt, weiß ich erst wieder, wie sich ISRI-Komfortsitze in neu anfühlen müssen.

 

In diesem Teil 3 der Revisionsserie rücke ich also dem Sitzschaum auf den Pelz, und veranschauliche, wie man dessen Tausch samt Nebenarbeiten durchführen kann.

 

Übel sieht das aus. Und ist es auch.

 

 Um an den Sitzschaum zu gelangen, muß eigentlich nur der Stoff ab. Dieser ist an der Unterseite des ISRI-Sitzes ausschließlich mit Ringklammern am Rohrgestell fixiert. Das klingt mit Blick auf die bevorstehenden Arbeiten recht einfach, und das ist es im Grunde auch.

 Den Sitz kopfüber hingelegt, lassen sich mittels Scvhraubendreher die zahlreichen Klammern herausklipsen. Zu beachten ist dabei, das Kunstleder des Bezuges nicht zu beschädigen. Die Ringklammern haben nämlich recht scharfe, spitze Widerhaken, die sich bei Montage ins Kunstleder bohren. Beim Entfernen ist daher darauf zu achten, die Klammer zuerst "unten" nahe das Schaumkernes zu lösen.

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An der hinteren Kante sind die Ringklammern noch dran. Seitlich und vorne sind schon alle entfernt. Man erkennt ganz gut, wie der Bezugsstoff die Verbindung von Schaumkern und Rohrgestell bildet.

Tief unten per Schraubendreher angesetzt, lassen sich die entspannten Klammern lösen, und nach oben drehend entfernen.


 

 Sind die Klammern alle entfernt, kann man den Sitzschaum samt Bezug aus dem Rohrgestell nehmen. In meinem Fall war an einigen Stellen die Rückseite des Kunstleders am Rohrgestell verklebt. Wirklich Kleber war keiner im Spiel, aber die sich auflösenden Bestandteile vom Sitzschaum haben da über die Jahre eine nicht gewünschte Verbindung hergestellt. Vorsichtiges Lösen ist angesagt.

 Liegt dann alles getrennt vor uns, zeigt sich das ganze Ausmaß erst so richtig. Der Schaumkern ist final fertig. Es macht Sinn, hier beim Abziehen des Bezuges sorgsam zu sein, da auch die Vorder-und Rückseite des teils doppelt genähten Bezugsstoffes ungewollt zusammengeklebt sind. Eine ganze Ladung losgelöster Mini-Krümel des Schaumkernes hat es auch über die Jahre geschafft, zwischen Oberstoff und Futterstoff zu gelangen, und sich dort zu recht harten Kügelchen zu verbacken. Diese ließen sich schon länger auf der Sitzfläche durch den Stoff hindurch ertasten.

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Nach Abziehen des Bezugs zeigt sich alles mögliche an bröseligen Stücken, größer und kleiner. Und es wird erkennbar, wie durchgesessen und verschlissen der Schaumkern wirklich ist. Solche Momente sind eine Bestätigung für das, was man gerade tut.

Ganze Schichten abgelöster Schaum, verkrustet und verklebt über einen langen Zeitraum. Gut, nicht immer alles zu wissen.


 

 Ich habe dann alles, was per Hand und Finger zu reinigen und abzufummeln ging, entfernt, und den Bezug anschließend in die Waschmaschine gesteckt. In der Hoffnung, dass sich diese Krümelchen auflösen und dann auswaschen würden, hat der Bezug erst länger geweicht, und dann 1,5 Std. im Schonprogramm bei 30 Grad und nur 400U/min Schleudern die Reinigung abbekommen. Das Resultat ist fantastisch. Auf der Unterseite sind ein paar Verfärbungen übrig geblieben, das war´s.

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An den unteren Enden der offenen Klammer lassen sich die spitzen und scharfen Widerhaken erkennen, die sich ins Kunstleder krallen, und ein Herausrutschen verhindern.

Die Zeit, in der in der Waschmaschine der Bezug Karussell fahren darf, läßt sich prima nutzen, um die doch teils rostig gewordenen Rohrklammern aufzuhübschen. Sieht zwar keiner, aber egal.


 

 Um hinterher wieder alles pikfein zusammen zu bauen, sollte es bestmöglichst sauber sein, und der neuwertigen Frische gerecht werden, die Schaumkern und Bezug auch erhalten. Die vielen verbackenen Schaumflocken am Rohrgestell habe ich mittels Kleberest-Entferner und Silicon-Entferner gut abbekommen. Die beiden Mittelchen wirken super, und sie greifen den Lack nicht an.

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 Zum Sitzschaumkern selbst ist zu sagen, dass mir zum jetzigen Zeitpunkt (1/21) nur eine einzige Quelle bekannt ist, die diese Teile für den ISRI 1000/518 herstellt. Für das Nennen der Firma ArtDesignMunster bekomme ich nichts. Von der Qualität bin ich recht angetan, denn schließlich kenne ich die Polster seit gut 3 Jahren schon in eingebauter Form, und das ist bis heute ohne Auffälligkeiten. Außer der, dass man kaum besser sitzen kann.

 

 

 Im direkten Vergleich mit dem verschlissenen Vorgänger fällt schon merklich auf, wie extrem zusammengepresst und völlig durchgesessen das Altteil doch ist.

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 Endlich, obwohl ja noch einiges an Arbeit an den 2 Sitzen vor mir liegt, ist es einfach herrlich, diese 3 feinen Teile zusammen zu fügen. Irgendwie steckt doch viel Glück und Segen im Versuch alleine, möglichst gute Arbeit selbst hinzubekommen, statt alles "irgendeinem Schrauber" geben zu müssen. Die Ermutigung, es einfach mal selbst zu versuchen, möchte ich hiermit gerne mit auf den Weg geben.

 

Drei mal neu. Na, jedenfalls fast.

 

 Bevor man beginnt, die Hochzeit der Einzelteile zu vollziehen, möchte ich noch auf ein paar Dinge hinweisen. Niemand ist perfekt, auch HighTech-Maschinen nicht. Von daher macht es Sinn, zu testen, wie der Polsterkern im Rohrgestell des Sitzes liegt. Das kann man durchaus auch nochmal mit dem Altteil vergleichen. Und auch mal den Stoff über das neue Polster legen, zeigt schon, ob das grundsätzlich passen wird.

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Sieht gut aus!

Sieht sehr gut aus!

Sieht sehr, sehr gut aus!


 

 Und noch einen Tipp möchte ich loswerden. Es finden sich produktionsbedingt an den äußeren Kanten des neuen Polsters kleinere Nasen Materials, was wohl beim Herstellen nicht vermeidbar ist. Meine Empfehlung wäre, diese Nasen, die teils recht hart und spitz sein können, vorm Einbau abzuschneiden. Ich habe das einfach mal getestet, und einen Stofflappen über die Schnippel gezogen. Diese spitzen Reste drücken sich spürbar, und vor allem auch sichtbar nach außen durch. Als nicht gewünschter Makel bei einer so umfangreichen Revision sollte es das wert sein, vorher detailverliebt nach solchen Auffälligkeiten zu schauen. Also, weg damit.

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Für mich immer einer der freudigen Momente, wenn es darum geht, auch mal wieder was zusammen zu setzen.

Diese kleinen, unscheinbaren Reste stehen hier und da an Kanten über. Wer´s perfekt mag, sollte sich der Spitzen entledigen.


 

 Wahrscheinlich wird es einige verschiedene Vorgehensweisen und Reihenfolgen geben, in denen der Stoff gespannt, und am Rohrgestell befestigt werden kann. Dies hier ist die meine Methode, und sie hat ganz gut und empfehlenswert funktioniert.

 Als erstes habe ich den Stoff an der hinteren Kante befestigt. Dabei läßt sich anhand der Musterung und einer Naht recht gut kontrollieren, ob man dort in Wellen befestigt hat, oder ob der Stoff gerade sitzt. Anschließend bin ich an der vorderen Kante ähnlich vorgegangen. Man merkt dann auch sofort, ob ggf. hinten zu viel Stoff hin geraten ist, der vielleicht vorne fehlt. Aber das sieht gut aus.

 Empfehlen würde ich, die Klammern seitlich dort zuerst zu setzen, wo der Stoff hiner die Lehnenmechanik verläuft. Das ist dort eh schon eine kniffelige Stelle, und wenn man beim Befestigen dort zuletzt ankommt, läßt sich kaum noch was ziehen und faltenfrei spannen. Mittels weit gestellter Wasserpumpenzange und Gummi-Unterlage habe ich die Klammern auf korrekten Sitz geprüft. Nur mittels Fingern ist das an manchen Stellen, vor allem in den Ecken, ziemlich schwierig.

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 Im Verlauf dieser Bezugsarbeit habe ich auch ein paar mal schon gesetzte Klammern wieder gelöst, und den Sitz des Bezuges korrigiert. Diese Mühe lohnt, schließlich schaut man die nächsten Jahre ständig dorthin, und sieht das mehr oder weniger gelungene Ergebis eigenen Vermögens. Und alle anderen Liebhaber alter Fahrzeuge sehen sowas leider auch. Also bitte, möglichst gut abliefern!

 

 

 Eine ganz brauchbare Kontrolle, wie gut der Bezug sitzt, ist der Verlauf der Naht zwischen Kunstleder und Stoff. Wenn diese Naht um den Sitz herum gleichmäßig, gerade, und von der Sitzfläche gesehen in gleichem Abstand verläuft, ist alles ok. Leichte Abweichungen der Nahtverläufe gilt es zu vermitteln. Ich vermute, dass es gewisse Abweichungen zum Originalpolster geben mag, die an solchen Pingeligkeiten auffallen. Ist alles fest, darf man den Korken beruhigt knallen lassen.

 




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