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Road Trip. Vielleicht abgedroschen, vielleicht auch seit Jahren auf jede neue To-Do-Liste gesetzt und doch nie gemacht, löst dieses Wort Emotionen aus. Road Trip steht dermaßen prägnant für eine sehr spezielle Assoziationen, und vor allem für eine bestimmte Sache, dass sich noch nicht einmal eine Übersetzung dafür findet. Im Online-Übersetzer englisch / deutsch steht ohne alternative Begriffe nur Road Trip / Road Trip. Es scheint Dinge zu geben, die sich mit einem einzigen Begriff international erklären lassen.
Also, Road Trip.

Auf den Straßen nach Süden. Wir haben halb 5 morgens, es ist Mitte Dezember, und ich befinde mich unterwegs in den Schwarzwald. Eigentlich mitten in der Nacht bin ich gestartet. Ich mag solche Aktionen, die ein bisschen unbequem und aufwändig sind. Es sind welche, denen die völlig lückenlose Planung fehlt, und daher wie eh und je nach Freiheit & Abenteuer schmecken.
Es läuft wunderbar. Dass dem so ist, liegt am ebenso wunderbaren Reisefahrzeug. Die stilvolle Französin ist einfach in den besten Jahren. Auf der Rückbank mein Gepäck, am leeren Sitz neben mir meine Kameras. Das Gaspedal drücke ich nur mäßig durch, höchstens bis zur Hälfte. Die knapp über 100 PS reichen, um den Reiseklassiker agil zu bewegen.
Drei Finger breit ist das Fenster auf, wie eigentlich immer. Ich kann dem Aggregat so etwas direkter lauschen und habe das Gefühl, nicht völlig abgekapselt im Wageninneren zu sein.
Road Trip heißt Road Trip
Geliebter Zustand, ich bin nochmal alleine unterwegs. Nicht einsam, aber einfach nur für mich alleine. Etwas sehr Besonderes liegt in der Art dieses Unterwegsseins. Zu tun hat das unter anderem damit, nicht zu reden. Außer mir ist ja niemand da, mit dem ich es tun könnte. Und ich freue mich jedes Mal darauf, wie das dann weitergeht. Aus diesem Umstand, nicht zu reden, wird im Verlauf der Stunden - fast schon unbemerkt - ein sanftes Schweigen.
Zwischen nur nicht zu reden oder zu schweigen, liegt ein himmelweiter Unterschied. In diesem Schweigen tritt ein Zustand ein, der etwas Meditatives in sich trägt. Alle Fasern in mir sind elektrisiert und in Ruhe zugleich. Herzschlag und Atmung entledigen sich dem Zustand gleichförmiger Selbstverständlichkeit. Bewusster und viel exakter erlebe ich im Inneren und Äußeren alles das, was rund herum geschieht.
Ich schaue ich mich um. Die gesamte Welt ist ein Geschenk und liegt bereit! Rau, aber wunderschön, zeigt sich mir auch ohne Schnee der Schwarzwald im Winter. Abgesehen davon, nahezu alleine zu sein und die winterliche Stille zu spüren, ist da noch etwas. Kälte ist geruchlos und macht möglich, dass die Sinne weniger gereizt sind. Oft, und das viel öfter, als nötig wäre, halte ich an. Dann steige ich aus, schaue, fotografiere schweigend. Die kühle Winterluft dringt in meine Lungen, ich bin hellwach. Und noch was bin ich – dankbar und glücklich.
Im Peugeot 306 Cabrio auf der Schwarzwald-Hochstraße
Mir ist völlig klar, wie privilegiert ich bin, so leben zu dürfen. Was gestern war, ist nur noch diffus in meiner Wahrnehmung. Mich allzu oft nach hinten umdrehen, das liegt mir nicht, denn Gestern ist Geschichte. Und morgen ist irgendwas Neues. Es wird sich zeigen. Das, was gerade jetzt und hier passiert, ist das Leben. Viele Menschen, die meinen zu leben, existieren eigentlich nur. Von Systemen, Gremien und fragwürdigen Ritualen gesteuert, reagieren sie auf die Zeichen und Kommandos, die von außen einprasseln.
Was ich hier in diesem Moment erleben darf, ist ungesteuerte Freiheit, ist Leben pur! Mit seinen Eindrücken, den Stimmungen, der Wintersonne, der alles überdauernden Natur, und ich mittendrin – das ist das Leben. Jedenfalls das, was ich mag. Einerseits macht mich das still. Andererseits möchte ich jedem davon berichten. So zu reisen, alles so zu erleben, macht mich zunächst völlig sprachlos – und dann macht es mich zu einem Geschichtenerzähler.
Um von etwas zu erzählen, schaue ich gerne an den Dingen vorbei. Ich finde eher Stimmungen, sammele nicht irgendwelche Sachen, sondern lieber die Momente. Ein solcher zeigt sich hier oben auf der Höhenstraße. Ich habe sie um diese Zeit nahezu für mich alleine. In Youngtimer oder Oldtimer überbrückt man nicht einfach eine Strecke von A nach B. Klassische Automobile sind nicht zufällig dort, wo sie sind. Zu jeder Konstellation zwischen Besitzer und Klassiker gibt es eine Urknall-Story. Irgendeine Stelle am Zeitstrahl, an der das geschehen ist, an was uns das schöne Fahrzeug bei jeder Tour erinnert. Und je weniger Elektronik und Technik uns unser eigenes Agieren abnimmt, umso mehr machen wir das Fahrzeug zu einem Teil von uns.
In dieser befreiten Form unterwegs zu sein, geschieht meistens etwas. Es löst sich diese Grenze zwischen Mensch und Maschine auf, und dieses schräge Ding mit Zeit und Raum auch. Nichts bleibt übrig, außer uns, dem Klassiker, und diesem erhabenen Moment. Ich erwarte nicht, dass das jeder versteht. Aber ich weiß, dass es doch eine ganze Reihe von Leuten sehr gut nachvollziehen und miterleben können. Für alle diejenigen unter Euch schreibe ich das hier auf. Ihr versteht mich, ich weiß das.
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Adrian (Donnerstag, 18 Dezember 2025 11:26)
Ja, das verstehe ich gut, lieber Dirk. Tausend Dank fürs Teilen deiner kostbaren Erinnerungen. Text und Bilder erzeugen eine wohlige Fernweh-Gänsehaut. Auch ich geniesse es, alleine unterwegs zu sein. Nichts reden, viel nachdenken und dem Wind und Motorengeräusch lauschen, während die Natur wie ein Stummfilm an mir vorüberzieht. Du nennst diesen Zustand trefflich "sanftes Schweigen" - wunderschön. Die Schwarzwaldhochstrasse ist ein Juwel und dafür wie geschaffen, wie ich das selber schon er-fahren durfte.
Wir sehen uns hoffentlich bald bei anderer Gelegenheit mit Volkswagen-Klassikern, sobald diese aus ihrem wohlverdienten Winterschlaf erwacht sind.
Herzliche Grüße, Adrian
Dirk von DT-Classics (Donnerstag, 18 Dezember 2025 17:30)
Lieber Adrian,
so ein wenig hatte ich schon geahnt, dass Dich das anspricht... ;-)
Vielen lieben Dank für deine Zeilen, und in jedem Fall auf bald!
Herzlich, Dirk
Börne (Sonntag, 28 Dezember 2025 11:52)
Super schöner Lesestoff, danke sehr! Stimmungen und Momente sammeln, statt Sachen, das sagt mir zu. Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich Dir!
Beste Grüße, Börne