- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


Per VW T3 WESTFALIA Club Joker ins Lauterbrunnental/Schweiz

 19. - 31.07. 2017

 

Schöne Ausgangsfrage: Warum fährt man in die Schweiz? Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?

In der Schweiz werden nicht nur Uhren von Weltruf hergestellt, sondern in der Schweiz ticken die Uhren auch angeblich anders. Jedenfalls erzählt man sich das. Wenn dies die Heil bringende Entdeckung der Langsamkeit ist, finde ich das durchaus reizvoll.

Würde man alle Berge der Schweiz wie mit einer Teigrolle glattwalzen, wäre die Schweiz wahrscheinlich sogar eins der flächengrößten Länder der Erde. Ja, es gibt unglaublich viele Berge dort. Und ich liebe die Berge, bin zugegebener Maßen viel zu selten dort. Aber es gibt auch noch weitere gute Gründe, es mit der Schweiz zu versuchen, und die sind eher praktischer Natur. Von meiner Haustür ist nämlich nach nur 630 Kilometern das Berner Oberland erreicht. Für die Strecke bis Zentralösterreich, Südtirol, oder gar zum Gardasee müßte ich nochmals gut 300 Kilometer dazu rechnen. Auch sowas kostet Energie, Zeit, Geld. Außer der Vignette von 37 Euro fällt also erstmal nichts zusätzlich ins Gewicht. Das ist verschmerzbar. Also los!

 

 

Ziel: Lauterbrunnental. Und da, ganz am Ende aller Befahrbarkeit,

liegt der Campingplatz Rütti Stechelberg.

 

 

 

 

 

 Außer den üblichen 7 Sachen (oder waren es eher 70?) haben wir die 2 Mountainbikes mit, sowie unseren genialen PETROMAX "Loki" Campingofen. Das Holz und die Holzbrikettes haben in wasserdichten Ortlieb-Seesäcken einen guten Platz in der praktischen Gepäckwanne des WESTFALIA-Klappdaches gefunden.                        

Desweiteren sind derbe Schuhe, Rucksack, und genügend Sonnenschutz für das Hochgebirge dabei. Und weil Schweiz eben Schweiz ist, findet sich im Bus eine große Alu-Box mit allen Lebensmitteln für 2 Wochen. Schweiz ist teuer. Daran gibt´s wenig zu rütteln. Und wir wollen, soweit eben möglich, nichts zukaufen, was zu vermeiden geht. Als "Hauswirtschaftsraum" für Lebensmittel, Regenbekleidung, Lauf-, Wander- und Bike-Schuhe, sowie allerlei im Bulli störender Krimskrams dient ein 2-Mann (oder Frau)--Zelt. Sowas entzerrt. Sylvia + Toni von Allmen, die den Campingplatz betreiben, bieten uns das sicher komfortabelste Eckchen des Platzes an.

 

 

Ende der Befahrbarkeit meint genau das. Hier ist mit dem Weiterfahren Schluß. Links liegt noch eine Auto-Garage (Werkstatt), die nur bei Bedarf öffnet, und ein großes Bauerhaus mit Ferienwohnungen. Rechts der letzte Gasthof, der per Fahrzeug erreichbar ist, und die Haltestelle vom Postauto. Damit meinen die Schweizer ihre große Busse, die aus Lauterbrunnen, Interlaken oder Grindelwald hierhin fahren, und auch nicht weiterfahren können. Wendepunkt. Ab jetzt sind Wanderschuhe unumgänglich, und die Akzeptanz stundenlanger Steigungen hilfreich.

 

 

Erste Schnupperrunde, Traditionelles und Kurioses findet sich auf Steinwurfweite am oder um den Campingplatz herum.

 

  Regentage. Sowas gibt es. Selbst in der Schweiz. Das Lauterbrunnental, wie die gesamte Region,

ist für zwei Tage permanentem Starkregen und stark fallenden Temperaturen ausgesetzt.

Wir sitzen derweil im Bulli fest. Lesen, reden, bisschen Innenraumpflege, dösen, raus schauen, geduldig sein.

Die Berge ringsum liegen im Nebel...

...und wenn dann doch kurz die Wolkenbänder reißen, zeigen sich die Berge bis weit runter weiß. Es hat geschneit. Im Bulli brummt zuverlässig die alte Standheizung von Eberspächer, denn die Temperaturen, und es ist Juli,  liegen nachts nicht weit über dem Gefrierpunkt. Wenn überhaupt.

 

 

Wir haben beidseitig des Lauterbrunnentals eine Vielzahl von knackigen Touren gemacht, die in knapp 2 Wochen bei vorherrschenden Bedingungen möglich waren. Ein paar Eindrücke von einigen Hikes :

360 Grad-Ausblicke....

...vom Gipfel des Schilthorns (Piz Gloria)

 

Weit über die Umsteigestation der Seilbahn und das Lauterbrunnental hinweg reicht der Blick bis zum Eiger. Die Nordwand im Schatten, darunter grün der Sattel der kleinen Scheidegg, und noch ein Stückchen darunter die Bahnstation der Wengenalp.

 

 

 

 

 Der Abstieg aus den hohen Regionen

führt weiter unten über die scharfe Kante

runter nach Gimmelwald,

weiter dann bis Stechelberg.

Und der See ergiesst sich über die scharfe Kante hinunter ins Tal, als einer jener weit über 100 Wasserfälle, die das Lauterbrunnental prägen.

 

 

 

Bei der Wahl nicht steigeisenfester Schuhe zugunsten geringeren Gewichtes, gehe ich den Kompromiss ein, eben auch keinen Stein- und Geröllschutz am Schuh zu haben. Da bleiben Kampfspuren nicht aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Campingplatz zurück, streife ich ein bisschen umher und bin überrascht, wie dominant und vielfältig doch die Präsenz der Fahrzeuge aus dem Hause WESTFALIA ist.

                     Ford                                                                                                                     Fiat                                                                                                    Mercedes

                                      Mercedes                                                                                            Volkswagen                                            Und der Senior des Platzes: WESTFALIA "Madrid"

                                                                                                                                                                                                                      T2-Übergangsvariante der Modelle T2a und T2b

 

 

 

 

 

 

Aufstieg bis kurz unterhalb der Schmadri-Hütte, mit weiterem Verlauf am Oberhornsee vorbei. Anschließend wieder talabwärts zum Campingplatz zurück. Lange Tagestour.

Daraus läßt sich mit Übernachtung in hoch gelegenen Hütten oder Gasthöfen aber auch eine 1-2-Tagestour machen.

 

 

Pflanzen. Je höher, um so weniger, aber nicht weniger schön.

 

 

 

 

 

 

Alles zeigt sich alles in vollkommender Schönheit,

und das vor atemberaubender Kulisse.

 

Die folgenden Fotographien zeigen ausschnittsweise die Tour Lauterbrunnen-Wengen-Lauberhorn-Wengenalp-Kleine Scheidegg-Männlichen-Wengen.

 

 

 

 

 Trotz Hochsaison und dem Feinsten, was Bergwelt bieten kann, sind uns in den Höhenregionen, wie auch im hinteren Lauterbrunnental selbst, nahezu nie großartig Menschen begegnet. Und die, die dort verweilen, sind Gleichgesinnte. Sie wandern, bergsteigen, und suchen alle dasselbe, was im Alltag schlicht abhanden kommt. Es ist still dort, ruhig, und weitaus weniger touristisch, wie man das vielleicht erwarten könnte. Mit jedem Schritt nach oben weiten sich Lunge, wie auch Herz, alles öffnet sich, und man sich selbst auch ein bisschen mehr, als das im Trubel der Restzeit des Jahres möglich wäre.

 

Die Schritte, oder besser gesagt, die Art zu gehen, verändert sich. Zuhause, in der Stadt, in Alltag und Beruf, da entscheiden wir, wie schnell und lange wir gehen oder rennen, um das Tagewerk zu  vollbringen, oder alles abzugrasen, was wir uns auferlegen. Aber hier, das wird das alles umgedreht. Vielleicht zu Beginn, am Fuße des Berges, haben wir noch unseren unrastigen Hetzschritt. Aber schon kurz danach wendet sich alles. Dann erhält der Gang eine demütige Weise. Der Berg gibt ihn vor, läßt sich nicht niederrennen, will bedacht sein. Bedächtig, in Gleichmäßigkeit und Stille, gelangt man höher und höher, und atmet samt der kristallklaren Bergluft auch die Würze des Lebens ein.

 

 

 

Abschlußtour ist schließlich noch der Aufstieg hoch von Stechelberg durchs Serfinental zum Tanzbödli.

Mit Blick vom Tanzbödli in die herrliche Welt der Hochalpen der Schweiz, und voller Eindrücke dieser erhabenen Landschaften

rund um das unter uns liegende Lauterbrunnental, nehmen wir Abschied.

 


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