- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


Schleswig-Holstein / Schlei - Auftaktfahrt im VW T3 WESTFALIA Club Joker

  

2 Kommentare //

 

 In meinen Beiträgen dreht sich vieles um den VW Bus T3, doch erzähle ich eigentlich keine Autogeschichten. Nicht zufällig lautet der Untertitel dieser Webseite "Ein Leben rund um den VW Bus T3". Denn ja, es geht allem voran um ein Leben, immer genau um dieses eine, und immer genau um ein Heute, ein Jetzt und ein Hier.

 Unter all diesen Vorzeichen boten die letzten beiden Jahre wenig gesellschaftlichen oder politischen Anlass zum Erheben oder Zahlen von Vergnügungssteuer. Vieles drehte sich von außen gesteuert gar nicht, langsamer, oder einfach anders, und auch die Möglichkeiten zu Begegnungen mit lieben Menschen sind auf der Strecke geblieben.  Da lobe ich mir doch die freudvollen Momente, die man für sich und seine Dinge selbst steuern kann. Apropos selbst steuern, genau um das geht es doch! Schon alleine der Gedanke daran, wieder gemeinsam auf Achse zu sein, löst bei mir dieses nicht unterdrückbare Lächeln aus, welches sich langsam von der Magengegend herauf bis zu den Mundwinkeln ausbreitet.

 

Foto: Antje Trampedach-Schreiber

 

 Nordwärts unterwegs, es wid flacher in der Landschaft. Auch die Autobahn verliert ihr stetiges Auf & Ab. Dann stellt sich dieser gleichbleibende, sonore Singsang ein, der wohltuend aus dem Motorraum zu mir nach vorne dringt, und der jede Musik überflüssig werden läßt. Es ist der Soundtrack zu den Gedankenbildern in meinem Kopf, es ist die perfekte Hintergrundmusik zu meinem ganz persönlichen Road-Trip.

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Symbolische Freiheit wie ich sie meine, am Autohof Soltau.

Unsymbolische Freundschaft, wie ich sie meine.


 

 Letztens noch hat mich ein Bekannter gefragt, ob ich denn nicht Lust verspüren würde, lieber einen neuen, zeitgemäßen Camper zu fahren, statt in einem betagten VW T3 durch die Gegend zu zuckeln. Ich habe mit der Gegenfrage geantwortet, was ein neuer Camper denn kann, was ein T3 für mich nicht könne, zuzüglich des nicht vorhandenen Charmes. Es blieb dann ein eher kurzes Gespräch.

 

WESTFALIA Joker, Club Joker, und ein KARMANN Missouri.

 

 Unsere erste Nacht verbringen wir im Städtchen Jork im "Alten Land". Dort gibt es viele Obsthöfe, die eine solche Möglichkeit für Campingfahrzeuge anbieten. Die Unaufgeregtheit, mit der uns begegnet wird, ist ansteckend. Im Service der Übernachtungen stecken meist Strom, Brötchendienst, und eine für uns doch ungewöhnliche Art, im Arbeitsbereich anderer Menschen zu übernachten. Das macht allerdings möglich, auf kurzem Weg Eindrücke zu gewinnen, die von der Straße aus nicht zu bekommen sind.

 

 

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Obst, so weit das Auge reicht.

 

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Bewässert wird Wasser sparend mittels dosiertenTropfen, die aus Schläuchen punktgenau fallen.

 

Ein paar schöne Bullis im Stau der Wartenden machen selbst das zum Ereignis.

 

 

 

Wir tuckern durchs "Alte Land".

Einiges zeigt sich. Auch sowas,

für das man ein bisschen genauer hinschauen muß.

 

Die Elbe ist hier recht breit.

Zumindest mir Landei kommt

sie riesig vor.

 

Und das wird auch so sein,

denn selbst richtig große Schiffe

sehen hier aus wie Spielzeug.

 

 

 

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"SEA CLOUD SPIRIT"

 

 Ein Schlepper unter großem Himmel.


 

 An der Elbfähre von Wischhafen nach Glückstadt bleibt reichlich Zeit, die Atmosphäre am Fluß aufzusaugen, und ein wenig dem Treiben im Fährbereich zuzusehen. 3-4 Fährschiffe gleichzeitig kreiseln über den Fluß, um alle möglichen Sorten Fahrzeuge und Menschen die Elbe queren zu lassen. Aber selbst die reichen nicht, um alles ohne Wartezeit abzuwickeln. Macht nichts.

 

 

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 Unterwegs zu sein in diesem VW T3 WESTFALIA Club Joker ist für mich eine absolute Erfolgsgeschichte. Im Laufe der Jahre bestand immer mal die Möglichkeit, deutlich leistungsstärkere T3´s zu sehen, zu fahren, oder einfach auch nur in welchen mitzufahren. Das weckt leicht Begehrlichkeiten, keine Frage. Wenn dann mein Puls jedoch wieder im Standgas angekommen war, und ich mich hier in den 1.9er WBX "DG" gesetzt habe, war meine Welt völlig ok, und ich im Reinen mit allem.

 Ein Fahrtenbuch habe ich nie geführt, und auch die Stunden nie addiert, die ich vorne links im besten Auto der Welt bislang zugebracht habe. Es spielt auch keine Rolle. Dem Besonderen dieses Moments hat es keine Abnutzung beschert. Auf jede neue Fahrt freue ich mich in jener gespannten Weise, die man zwar erklären, aber nicht zwangsläufig nachvollziehbar machen kann.

 

 An der Schlei angekommen, besuchen wir Kappeln, wie auch das Städtchen Arnis. Ohne Plan. Das ist auch einer. Wasser, Häfen, Schiffe, Möwen, und auch in die Hinterhöfe und Gärten blicken, kann sehr reizvoll sein. Abgesehen davon, riecht es in den Gässchen mit ihren kleinen Fischerhäusern so herrlich nach Küste, und es sieht auch an jeder Ecke danach aus.

 

 

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 Bei Lindauhof, am Nebenarm der Schlei, ist kein Wellengang zu sehen. Es ist windstill, es herrscht Stille. Und zwar eine, die von sowas Schönem wie Musik erlöst werden mag. Da stört kein Ton, vielmehr trägt das Wasser alles deutlich weiter, als es sonst reichen würde.

 Irgendwie erinnert mich die Gitarre auch an ein dunkles, edles Boot. Mit dem geschwungenen, fein gelackten Holz, auf dem sich das  warme Licht sehr besonders zeigt, und das alles verbunden mit Metall, Mechaniken, und der schwingenden Takelage aus Draht, ist sie so besonders, wie der Moment an sich.

 

 

 

 

"...If we could all go back,

and take a different tact
Would we wind up here?

That’s my secret fear
But if we made the choice,

to speak with one clear voice
We might overcome,

all this damage done..."

 

-Todd Thibaud-

 

 Auf solchen Touren schnappt man dermaßen viele Eindrücke auf, dass man sich anschließend gerne schwer damit tut, es in Worte zu fassen. Dabei wäre es so einfach. Da sind die Freunde, die aus so einer Reise etwas machen, das bleibt. Ich glaube, der Gedanke gefällt mir. Etwas zusammen zu machen, das bleibt. Etwas, das nicht zum Hundertfachen eine Kopie kopiert, die dann in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Nein, etwas Einmaliges, was bleibt. Denn es ist eine wunderbare Vorstellung, in ferner Zeit in Erinnerung dessen zu schwelgen, was geblieben ist, statt an einer Kette verlorener Träume entlang zu blicken, aus denen nie etwas gemacht wurde. 

 

 

 Erhaben, leise, und stimmungsvoll zeigt sich der Stellplatz "Schlei-Marina-Lindauhof". Was sich abends noch in einem fantastischen Abendrot selbst feiert, verliert sich morgens in Nebel. Der zieht jedoch dermaßen schnell nach oben, dass ein paar Fotos nur Frühaufsteher vergönnt bleiben. Einzig die Schwalben sind mit mir aktiv. Auf der Jagd nach Insekten zelebrieren sie eine kunstvolle Flug-Show, und ich darf sie anschauen.

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 Wir haben Glück!

Jessica und Hendrik, die in unmittlebarer Nähe zur Schlei leben, haben Zeit und Lust, uns zu begleiten.

 

 Außerdem kriegen wir so ein paar Tipps aus erster Hand, was hier in der Gegend zum Ansehen lohnend ist.

 

 Für sie, wie für uns, ist der VW Bus T3

das Fahrzeug schlechthin, und somit reiht sich ein weiterer VW Bus ein

in den kleinen Konvoi.

 

DUMBO, das Flagschiff der "Schrauberlaube".

 

 Wir fahren zum Aschberg. Dort, auf ca. 100 Meter Höhe, steht ein ziemlich ungewöhnlicher Aussichtsturm, ein exklusives Hotel, und nicht weit entfert davon, Otto von Bismarck. Was also nocht fehlt, sind wir. Oben angelangt, läßt sich schauen bis zur Ostsee, und ein famoser Überblick zeigt sich auf die schleswig-holsteinische Landschaft, die hier noch hügelig und bewaldet ist.

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 Als nächstes Ziel schlagen unsere beiden Laubenschrauber Jessica und Hendrik vor, nach HAITHABU zu fahren. Was sich ein bisschen anhört, wie ein erfrischend geschüttelter Cocktail aus der Südsee, ist in Wirklichkeit eine alte Wikingersiedlung. Im Mittelalter wichtiger Handelsort, zählt es heute als bedeutendstes archäologisches Bodendenkmal in Schleswig-Holstein. Handel betrieben wurde mit der gesamten, damals bekannten Welt. Dazu gehörten Norwegen, Schweden, Konstantinopel und das Baltikum, Bagdad, wie auch das gesamte fränkische Reich.

 Das gesamte Areal ist sehr weitläufig. Wer mag, kann sich problemlos einen ganzen Tag dort aufhalten, denn die Wege zwischen Museum und dem historischen Dorf bieten eine Menge Natur, schöne Ausblicke aufs Wasser, und an strategisch guter Stelle ist sogar im Sommer ein Eis-Wagen stationiert.

 

 

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 Nichts geht schneller vorüber, als eine schöne Zeit. So auch diese. Abgesehen davon, in einer uns unbekannten Gegend gewesen zu sein, sind wieder einmal Distanzen kleiner geworden. Und wie einfach ist es! Einpacken, abfahren, mehr braucht es nicht für eine Tour im VW Bus.

 

Foto: www.schrauberlaube.de

 

Ikonen der Straße.

 

 

 

 

 

Die letzten Stunden verbringen wir am Feuer.

Das war auch schon immer so.

 

Menschen, die sich was zu erzählen haben,

brauchen gar nicht lange reden.

 

Man setzt sich einfach an ein warmes Feuer,

isst zusammen, trinkt zusammen,

und gibt sich dem hin, was zählt.

 

Es gibt da diesen wunderbaren Satz:

 

"Egal, was du machst,

mache es mit Liebe, oder lass´ es"

 

Danke sehr für genau das!

 

Danke für eure wertige Begleitung,

die schönen Gespräche,

die Freundschaft und Gastfreundschaft,

und vor allem, für eure Zeit!

 

Herzlichst, Dirk

 


2022 © DT-Classics



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Kommentare: 4
  • #1

    Rechtslenker (Sonntag, 26 Juni 2022 19:56)

    Hallo und guten Abend, in einer lohnenden Gegend seid ihr gewesen. Ich durchfahre den Landstrich meistens nur am Weg nach noch viel weiter nördlich, und wollte immer schon bisschen bleiben. Danke für den Tipp, und meine Anerkennung für den klasse Artikel überhaupt. Zu echt guten Fotos auch noch ansprechende Texte schreiben ist eine seltene Gabe.

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Montag, 27 Juni 2022 06:23)

    Herzlichen Dank!
    Und ja, unbedingt einen Zwischenstopp an der Schlei einlegen. Am Besten gleich paar Tage... ;-)

    Freundlichen Gruß, Dirk

  • #3

    T3Fan (Mittwoch, 06 Juli 2022 06:29)

    Klasse Tour und schöner Artikel wieder. Genial, dass sich DT-Classics und die Schrauberlaube zusammen finden. Ihr habt super Blogs auf die Beine gestellt!

  • #4

    Dirk von DT-Classics (Mittwoch, 06 Juli 2022 16:52)

    Herzlichen Dank für deinen Eintrag, und allzeit gute Fahrt... ;-)