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Vor einigen Tagen ist mir ein gut 30 Jahre altes Foto von mir in die Hände gefallen. Da sitze ich, mit leicht bekifft anmutendem Blick, in bestem 1990er Jahre Outfit auf einem quietschgelbem Trike. Und wisst ihr was? Das Feeling von damals, das war sofort wieder aktuell! So, als wäre das Foto gestern erst hier und jetzt aufgenommen worden. Die Stelle dort ist genau vor jenem Haus, in dem ich nach wie vor lebe. Also auch das ist völlig aktuell.
So abgefahrenes Zeug, völlig verrückte Sachen machen, das hat mich immer schon schnell eingefangen. Vielleicht kommt das ja daher, dass mich das, was man so landläufig macht, immer schon abgeturnt hat. Brav, spießbürgerlich, normal, angepasst, unkreativ, es langweilt mich heute wie damals.
Nun bleibt allerdings zu sagen, dass jeder die Suppe zu löffeln hat, die er sich einbrockt. Oder anders ausgedrückt, kriegt jeder das, was er sich gefallen lässt. Oder etwas moderater: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Gut zu wissen also, was man für sich so als Glück definieren mag. Was sich dazu zeigt, ist durchaus verschieden, wie auch teils verwunderlich. Es gibt genügend Personen, die in mir die Frage aufkommen lassen, wann ihnen eigentlich die kindliche Begeisterung verloren gegangen ist?
Wissen würde ich gerne, warum sie sich immer weniger trauen,
ihre Träumereien und Ideen zuzulassen – und ihnen nachzujagen?
Um mich herum sehe ich sie, ständig auf der Suche, immer unterwegs,
in Rastlosigkeit und Leere, aber nie in Ruhe.
Aus ihren Gesichtern sprechen diese zweifelnden Stimmen,
die immer lauter werden. Vielleicht, weil sie sich immer öfter vergleichen,
und immer öfter dabei den Kürzeren ziehen.
Und dann trauen sie sich irgendwann nicht mehr,
begeistert von den eigenen Ideen zu sein, weil sie sich vielleicht denken:
„Da kann ich eh nicht mithalten“.
Man findet die eigene Berechtigung nicht mehr, begeistert zu sein
und verfällt stattdessen in den Trott, sich selbst zu boykottieren.
Schaut Euch doch mal Fotos und Erinnerungen an
von eurem 19, 20-jährigen ICH an, möchte ich rufen.
Fragt sich noch irgendwer,
was da auf dem Weg nach heute eigentlich passiert ist?
Träume wagen!

Gut erinnern kann ich mich an Zeiten,
in denen ich mit ihnen in Welten eindrang,
die nur durch die Flügel unserer Fantasie erreichbar waren.
Wir folgten verrückten Ideen und fragten mit staunendem Blick:
"Was, wenn alles möglich ist?"
Und wisst ihr was,
das Meiste war auch möglich!.
Kreativität war und ist keine Luxusware.
Sie ist die Grundmelodie des Geistes. Es tut wirklich gut, festzustellen,
dass man sie nicht verlieren oder aufgeben muss,
die Neugier, den Mut, Unbekanntes anzugehen, und die Freude
am aktiven Gestalten des eigenen Lebens.
Völlig entgeistert höre ich so Sätze, wie: „Wenn ich erste einmal Rentner bin, dann aber…“ oder „Ne, passt gerade nicht, mache ich später…“ Der Freigeist liebt das Fragen. Unfrei wird er, wenn man ihm die Antworten schuldig bleibt. Ich kenne das doch auch. Mit dem Erwachsenwerden ziehen sich manche Nebel ums Herz, die Erwartungen, Pflichten und Gewohnheiten mit sich bringen. Doch der freigeistige Funke, der ist doch immer da! Er bleibt in uns lebendig – nur braucht er neue Räume, andere Formen, sanfte Zeiten, damit er leuchten kann.
Mir erscheint es leider oft, dass der Wunsch nach Sicherheit und Anerkennung dazu führen kann, dass man „vernünftige“ Wege wählt statt mutig zu experimentieren. Doch der kreative Kern bleibt erhalten, er manifestiert sich nur anders: in längeren Projekten, interdisziplinären Arbeiten, tieferer Sinnsuche. Vielleicht hilft es, nicht ins Abenteuer der Kindheit zurück zu schauen, und sich vergebens dorthin zurück zu sehnen.
Lasst uns das Wilde und verrückte dieser frühen Jahre im Gegenwärtigen nutzen! In uns schlummern schöpferische Kompetenzen wie Improvisation, Sichtwechsel, Spiel mit Formen und Ideen. Sie lassen sich gezielt kultivieren – auch im Alltag, in der Arbeit, in Beziehungen.

Möglich ist doch,
dass wir uns Antworten erhoffen,
aber die völlig falschen Fragen stellen.
Falsch wäre, wie ich finde, danach zu fragen,
wie man Uhren zurück dreht.
Angemessener erscheint mir eher,
weniger nach Abenteuer, und mehr nach dem Sinn zu fragen: Also nicht mehr
“Was könnte alles möglich sein?”,
sondern
“Was ist heute wichtig,
wofür lohnt es sich FÜR MICH zu leben?”
Träume wagen!
Es geht nicht darum, permanent nur zu funktionieren. Dafür sind wir nicht gedacht. Wie wäre es mal mit Sinnfindung statt Leistungsdruck? Es gibt nicht einen einzigen Grund, sich allem auszuliefern. Jeder entscheidet das ganz alleine für sich, ob es nicht möglich wäre, Neugier zu bewahren, sich bewusst Zeit zum Staunen zu geben, auch über das Alltägliche.
Es gibt keine einzige richtige Antwort. Wir können mehrere Rollen zugleich tragen – Pionier, Zuhörer, Gestalter, Lernender.
Wer sind wir und wofür leben wir?
Vielleicht finden wir die Antworten in jeder kleinen, kühnen Idee, die wir heute wagen umzusetzen.
2026 © DT-Classics



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Werner (Mittwoch, 04 Februar 2026 13:27)
Lieber Dirk,
dein Beitrag kommt zu einer Zeit, in der in der Öffentlichkeit vor allem "Leistung/Pflicht und Co" thematisiert werden. Ein schöner Kontrast, wie ich finde.
Die Gründe, warum unsere Gesellschaft so ein tristes, gelangweiltes Aussehen hat, sind wahrscheinlich vielfältig. Am Ende sehen wir vielleicht auch nur das Ergebnis (oder den Zwischenstand) einer Gesellschaft, die durch neoliberale und konservative Normen an den Punkt gebracht wurde, in wir alle "durchkonsumiert" sind. Wir sollen funktionieren und konsumieren. Funktion und Konsum aber sind Gegner kreativer Geister, Gegner dieser Freiräume, die du beschreibst. Du sollst nicht kreativ sein -und wenn dann nur mit Mitteln, die du zuvor teuer erworben hast. Ansonsten sollst du konsumieren.
Wie gut, dass es Geister wie dich gibt. Das lässt mich fühlen, nicht so alleine auf der Welt zu sein.
"Nennt mich Spinner: Ich bin es gerne!"
In diesem Sinne, alles Liebe für dich
Werner
Dirk von DT-Classics (Mittwoch, 04 Februar 2026 16:42)
Lieber Werner,
deine Beschreibung analysiert es ziemlich treffend. Konsumiert werden leider nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern auch immer öfter Meinungen und Verhaltensregeln. Wir dösen vor uns hin...
Keine Ahnung, ob solche Blogs da was Gutes sind, oder einfach nur uns selbst gut tun. Ich möchte gerne dran glauben, dass nicht alles verpufft. Was dabei durchaus hilft, sind so "Tankstellen", wie die deine.
Alles Liebe in den Kraichgau,
Dirk