Limits & Limitierungen

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  Längere Zeit daheim, keinen Fuß vor die Tür, schmerzliche Limits & Limitierungen, und das alles unfreiwillig. Angeblich ist ja dann Zeit für das, was sonst gerne liegenbleibt. Wenn dann was liegenbleibt. Langeweile, oder dass eben nichts liegen bleibt, ist nicht wirklich mein Problem. Doch die eingebremsten Tage zogen sich wie Kaugummi. Und zwar wie welches, das seit Monaten bei 30 Grad im Handschuhfach meines Autos liegt, und danach 3 zähe Stunden zwischen meine Zähne gerät. Es ist einfach durch.

 

   Der Mülleimer an der heruntergekommenen Bushaltestelle, wie in einem symbolischen Akt des Erbarmens, zieht mein völlig fertiges Kaugummi in seinen blechernen Schlund. Die letzten Häuser des Dorfes liegen schnell hinter mir. Raus, im wahrsten Sinn des Wortes. Eng und steil schlängelt sich der Weg durch den Wald den Hang hinauf. Bis zum Turm auf seinen Höhen bleibt das so, ich brauche das jetzt, es war bitter nötig.

 

   Endlich, endlich lässt das dumpfe Grundrauschen der Untätigkeit nach, und ich höre wieder die eigenen Schritte unter meinen Lieblingswanderschuhen knirschen. Ich spüre die frische Luft, erlebe, dass ich mich bewege, es ist das Leben pur! Wie wunderbar das doch ist. Kalt ist es heute, Schneefall ist für später angesagt, aber das ist alles egal. Auch, wenn es kleine Katzen hageln würde, wäre ich heute losgezogen. Wie leicht sich auf einmal wieder alles anfühlt! Ich schreite hier in den Dunst des Wintermorgens hinaus, auf dem Rücken der schnell gepackte Rucksack, in dem das Nötigste drin ist.

 

Herzform in altem Baum, verwittert, Symbol im Baum, Fotogener, alter Stamm
Herzbaum - Baumherz.

Limits & Limitierungen

  Bedeutet Vielfalt wirklich Freiheit? Ich weiß das gerade gar nicht. Limit & Limitierungen sind tägliches Brot. Irgend einen Anlass, das eine oder andere auszuwählen, und sonstige Dinge für den Moment zurückzulassen, gibt es tagtäglich. Was übrig bleibt, ist die Essenz; das Nötigste. Manchmal steckt Fluch, ein anderes mal Segen darin, Sachen zu besitzen. Wir haben nicht nur das, was für uns nötig ist. Wir haben vor allem oft so viel, wie es uns eben möglich ist.

 

  Wie sehr sich nach zig Tagen des Stillhaltens beim Wandern der Begriff „das Nötigste“ in den Vordergrund der Hirnrinde drängt, versteht man dann am besten, wenn die liebsten Betriebszustände irgendwas mit Bewegung zu tun haben. Wenn ich länger inaktiv zu sein habe, befällt das irgendwann auch das Gehirn, befürchte ich.

 

Limits & Limitierungen

Pfannenbergturm, philosophische Fotografie mit Thermoskanne und Kiefernzapfen
Das Nötigste.

   

  Zu meinem leichten Rucksack heute darf man Fragen stellen. Eine Brotdose, eine Thermoskanne, eine Kamera – und das reicht tatsächlich? Ja, das reicht tatsächlich. Jedes zusätzliche Teilchen verlangt zusätzliche Aufmerksamkeit, zusätzlichen Raum, zusätzliche Energie. Es ersetzt Fokus durch Auswahl, Raum durch Gewicht. Ein zum Bersten gefüllter Rucksack belastet meistens mit einer Vielfalt, die zu einer Barriere wird. Aus Bedenken, zu wenig mitzunehmen, wird dann: zu viel. Dieses Zuviel kommt einer Schranke gleich. Und was noch besser passt, es kommt einer Belastung gleich.

 

Limits & Limitierungen

  Das alte Gasthaus liegt hinter mir, die Foto-Session am Turm habe ich trotz eisigem Wind genossen, und bin längst darüber hinaus ein langes Stück weiter gegangen. In der Ferne erahne ich im dünn aufkommenden Schnee schon das tief unten liegende Flusstal. Genug fürs erste, ich trete den Rückweg an, und gehe auch noch einmal am Rastplatz beim Turm vorbei.

 

   Da, der Kiefernzapfen im Eis des Winters, er liegt immer noch dort am Tisch! Wo soll er auch sonst sein, ich habe ihn ja vorhin schon dort liegen sehen. Ich berühre ihn nicht, verändere auch nicht seine Lage. Alles ist perfekt so. Für eine gute Fotografie ist das hier eindeutig das Nötigste. Mehr brauche ich gerade nicht. Ich schaue, fotografiere erfreut. Diese Szene könnte eindeutiger nicht sein und ist zeitlos schön. Keine Ablenkung, viel Tiefe in Limit & Limitierung, und dem eigenen Stil auf der Spur.

 

Auch mit nur einer Kamera entstehen Fotos hinter Limits & Limitierungen.

Fotos, die mehr zeigen wollen als einen profanen Kiefernzapfen.

 

Philosophische Fotografie - Zapfen einer Kiefer im Wintereis am Pfannenberg-Turm
Limits & Limitierungen - Zapfen einer Kiefer im Eis.

2026 © DT-Classics



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Kommentare: 2
  • #1

    Werner (Mittwoch, 04 Februar 2026 13:34)

    Sich immer wieder selbst limitieren: Erst das holt ja etwas aus uns heraus.
    Ich kenne das noch aus meiner Kindheit: Wenn Regentage zum Drinnebleiben zwangen, sich Langeweile breit machte... oft bahnte sich dann die Kreativität ihren Weg ins Bewusstsein.
    Machen wir heute viel zu wenig. Der Überfluss hat uns doch fest im Griff.
    Danke für das Erinnern an eine Kargheit, die ich viel öfter bewusst suchen sollte
    Werner

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Mittwoch, 04 Februar 2026 16:45)

    Kargheit, auch ein Wort, das ich lange nicht mehr gehört und gelesen habe. Wenn, dann in Zusammenhang mit Landschaften. Aber ja, Du hast recht. Für das, was wir beschreiben, passt es wunderbar!

    Herzlich, Dirk

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