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Ist es eigentlich eher Gefühl oder Tatsache, dass hierzulande immer mehr Leute gerne weg wären? Nicht nur kurz um die nächste Ecke, oder für 14 Tage in Urlaub. Nein, ich meine, so final weg, auf und davon, raus aus Deutschland. Pauschal gesehen, haben scheinbar viele Leute innerlich gekündigt. Denn Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern tatsächlich ein Gefühl, und um das scheint es momentan nicht ganz so gut bestellt zu sein. Höre ich aufmerksam zu, oder lese ich zwischen den Zeilen, wabbert der Heimatfrust durch alle gesellschaftlichen Schichten. Zähneknirschen zeigt sich selbst dort, wo einst das strahlende Lachen aus der Zahnpasta-Werbung sein Zuhause hatte.
Desillusioniert vor sich hinplätschernd, dann vielleicht doch mal nach 4 Jahren gelangweilt den Toaster zwecks Reinigung herumgedreht, das heraus rieselnde Material den seltenen Erden zugesprochen, und abends vor´s TV gesetzt. Schließlich, am Ende der Nachrichten, wieder einmal zu der bitteren Erkenntnis gelangt, dass Engagement nix bringt, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner, der Himmel dort heller, die Politik schlauer, und die Menschen offener sind.
Zugegeben, es gab Zeiten, wo man sich hier im Land der Dichter, Denker und Erfinder deutlich einiger war, an gutem Ort zu sein. Aber so ist das nunmal. Wer zu der Überzeugung kommt, für seine Ideen, Wertevorstellungen und Visionen keinen Raum zu finden, der träumt sich irgendwann fort.
Und bleibt meistens doch dort, wo er immer war.
Das neue WIR.

WIR kriegen scheinbar nichts mehr gebacken,
und hätten dennoch alles, was man bräuchte.
Ja, wir haben die Power. Immer noch.
Wir haben auch die Möglichkeiten. Sowieso!
Und wir sind sowas von frei. Oh ja!
Das alles ließe sich zusammenbringen.
Mit Spass und Leidenschaft, und vielleicht auch durch so etwas Wunderbares, wie die Fotografie. Damit, oder mit etwas Anderem:
Es ist von Bedeutung, etwas zu finden, um sich frei auszudrücken!
Meine Wege dazu habe ich gefunden,
und sie sind längst nicht zu Ende gegangen.
Mich mit der Kamera frei auszudrücken macht möglich,
dass ich mich nicht so verloren fühle.
Mit ihr kann ich Fragen stellen, oder Geschichten erzählen,
die mich beschäftigen. Durch das Okular hindurch sehend,
suche ich nicht selten nach uns, nach den Menschen,
und nach diesem WIR.
Und wenn sich das zusammenfügt, schreibe ich vielleicht was dazu.
Gerne würde ich das Wörtchen WIR öfter und leichtherziger benutzen. Doch es fällt immer schwerer zu benennen, wer überhaupt mit WIR gemeint sein mag. WIR – oder die Welt da draußen – alles und jeder reibt sich aneinander kaputt. Mit scheint, es fehlt die Idee, wie man an den Kitt kommt, der alles zusammenhält. Offen diskutieren, kompromissbereit reden, oder einfach mal zuhören, das könnte so was sein. Und dazu noch etwas, das die Spannung minimiert.
Liebe am besten. Davon gibt es ja genug.
Nächstenliebe, Menschenliebe, und auch eine dosierte Portion Eigenliebe.
Es bleibt zu befürchten, dass der Tüftler, der uns den Türöffner dazu basteln könnte, gerade keine kreative Phase hat. Anscheinend geht es uns für die nötige Eigenkreativität immer noch zu gut. Bevor auch nur irgendwer anfängt, wird sich lieber am vermeintlichen Komfort unserer Privilegien festgehalten.
das neue WIR.
Und während wir uns in den Untergang dösen, holt uns die Geschichte ein. Moralapostel ohne Moral, und die neunmal dummen Ideologien des Westens. Alle diese Dinge, die selten für was gut waren und scheinbar überwunden schienen, waren wohl doch nie sehr weit weg. Unter der Oberfläche haben sie vor sich hin gebrodelt. All die Ausgrenzung, mittlerweile auch der Hass, der längst von überall her regelmäßig die trifft, die unbequeme Fragen stellen. Alles das schert sich immer weniger um die Menschlichkeit.
Was wird es bringen, wenn sich jeder sicher ist, zu den Guten zu gehören, und angeblich weiß, wer die Bösen sind? Was es ganz sicher nicht bringt, das weiß ich:
Das neue WIR.
Nur mit Freunden reden, Gleicher unter Gleichen sein, das ist tatsächlich einfach. Und währenddessen kämpft überall auf der Welt die Menschheitsfamilie mit denselben Schwierigkeiten. Hilfe frei Haus gibt es nicht. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich die Reste an Verstand zusammenkratzen lassen, wir alle zusammenkommen, und uns selbst die Menschlichkeit zurückbringen.

DAS NEUE WIR.

Eine Generation alleine kriegt das nicht gebacken.
„Die Jungen“ können nicht alles machen.
50, 60, 70 Jahre alt zu sein, steht für etwas anderes,
als es früher stand. Wir altern immer noch.
Aber wir verblassen nicht mehr,
solange wir das nicht selbst zulassen.
Menschen werden heute 90 oder auch 100 Jahre alt,
doch sie wirken nicht so. Vielleicht sollten wir damit aufhören, nach der Jugend zu schielen, und uns lieber generationenübergreifend ausrichten.
Das ist wichtig für ein WIR.
Und vielleicht sollten wir damit aufhören, uns von einer Horrormeldung zur nächsten treiben zu lassen, und dabei ständig darüber zu lamentieren, was für eine „schlimme Zeit“ es gerade ist. Denn das ist die Normalität, und sie wartet.
Sie wartet auf das neue WIR.
Denkt nicht mal dran, ich bekomme da nichts für...
2026 © DT-Classics


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Werner (Mittwoch, 11 März 2026 07:49)
Lieber Dirk,
wir teilen - so jedenfalls scheint es mir manchmal - oft ähnliche Gedanken. Ich bin dankbar dafür, weil es sich tatsächlich so "anfühlt", nicht alleine zu sein.
Was wir (zwei) gemeinsam erleben sind einerseits die Folgen von mehr als zwei Dekaden neoliberalen Denkens ("der Markt regelt alles"), in dem das "Ich" über alles andere gestellt wird - Aber kein "Ich" ohne ein "Wir" - das haben wir als Gesellschaft versäumt zu betonen und zu vermitteln. Andererseits erleben wir gerade eine wirklich radikale Veränderung des Lebens durch alles Mögliche: Techniken, Social Media, Weltpolitik, Libertäres Denken, KI: Du kennst es - wir wissen es. Gerade das machte ein "Wir" noch wichtiger, um all dem was entgegenzusetzen. Wir brauchen einen gemeinsamen Sinn. Worin, wenn nicht in Liebe und Herzenswärme soll der liegen?
Unsere Veränderungen fangen im Kleinen an: Wir müssen uns - so glaube ich - unsere eigenen kleinen Räume schaffen, in denen wir die Dinge tun, die nötig sind, um der Sinnlosigkeit und der Kälte etwas Gemeinsames entgegenzusetzen. Daran "arbeite" ich jeden Tag.
Danke für deine klugen Gedanken, Dirk.
In Verbundenheit,
Werner
Dirk von DT-Classics (Freitag, 13 März 2026 15:45)
Lieber Werner,
da ich nicht an Zufälle glaube, wird es auch keiner sein, dass sich Menschen "wie Du und ich" an bestimmten Stellen, zu bestimmten Themen, und in ähnlichen Gedanken begegnen - und austauschen!
Überzeugt bin ich auch davon, dass das dem ursprünglichen Wesen klassischer Blogs entspricht, die meines Erachtens nie zeitgemäßer und wichtiger waren, als aktuell.
Es löst was in mir aus, eine immer dünnere Mitte, und immer mehr dickere Ränder zu erleben. Vielleicht ist die Mitte sowas wie dieses WIR, dem ich auf der Spur bin. Wäre doch zu schön, wenn WIR wenigstens ein bisschen dazu beitragen könnten, dass es überlebt... ;-)
Herzlichst, Dirk