Gedankenlandschaften, und der Duft von Benzin

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.

 10 Kommentare //

 

  Es ist Samstag. Eigentlich einer, der sich wie ein Sonntag anfühlt. So ist das halt, wenn Feiertage auf einen Freitag fallen. Früh bin ich auf den Beinen, schnell ist alles gepackt, und dann rolle ich auch schon aus der Einfahrt und die steile Straße hinunter. Sofort ist alles fein. Schnell noch volltanken, und dann schieben sich die Mundwinkel Gangwechsel für Gangwechsel, Kurve für Kurve, nach außen zu den Ohren hin.

 

  Mal schauen, ob sie sich wieder kitzeln lassen, jene unsichtbaren Linien zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nach einer gestrigen, ausgiebigen Wanderung ist mir heute eher nach Cruisen, dem Duft von Benzin, und ich weiß auch schon, wo ich das bekomme. In Halver! Wer nicht weiß, wo diese Kleinstadt liegt, nehme sich die Karte (probiert es doch mal ohne App...) von Nordrhein-Westfalen. Dort, im Märkischen Kreis in den westlichen Ausläufern des Sauerlands, liegt unweit der Grenze zum Bergischen Land mein Tagesziel.

 

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.
Unsichtbare Linien zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.

  Von Siegen bis Halver geht es gefühlt nur rauf und runter. In mein stummes Schmunzeln hinein legt sich das sonore Brummen des Wasserboxers. Er erzählt, worum es diesmal wieder geht. Darum, das Beste an wertvollen Erinnerungen in die Gegenwart zu orchestrieren, alten Stories neue Geschichten hinzuzufügen, und die hektische, kreischende Welt für eine Weile langsamer und stiller zu machen.

 

  Diese herrliche Tour heute ist keine öde Fahrt von A nach B. Stattdessen reise ich durch die Gedankenlandschaft der Jahre, in denen man zum Beispiel noch zur Begrüßung die Zweiklanghupe benutzte, und Oktan das Parfüm der Abenteurer war.

 

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.
Reise durch die Gedankenlandschaft der Jahre.

Gedankenlandschaften, und der Duft von Benzin

  Das Oldtimertreffen in Halver empfängt mich wunderbar. Schon etliche Chauffeure mit ihren tollen Fahrzeugen sind am Gelände. Alles ist herausgeputzt, Leute und Oldtimer. Irgendwo summt ein Radio ein altes Rock´n Roll-Stück. Ein netter Kerl mit ganz viel Tattoos winkt uns auf unsere Stellplätze. Und dann trete ich zwischen die Fiolen aus Chrom, Blech, Lack und Glas. Selten finden sich derart viele unterschiedliche Marken, und Fahrzeuge aus den späten 1930er Jahre bis hinein in die frühen 1990er. Ja, auch diese Ära ist im Zeitalter der Oldtimer angekommen.

 

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.
Fiolen aus Chrom, Blech, Lack und Glas.

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.

  Mich begeistert die Vielfältigkeit der Fahrzeuge, jedes mit eigener Biografie. Da ist ein OPEL Rekord, der so viele Kilometer gesehen hat, daneben ein steinalter Mercedes, dessen Chrom noch glitzert wie am ersten Tag. Das gesamte Gelände gleicht einer bunten Crew, die wie eine Travestie aus Geschichten wirkt.

 

  Der Traktorfahrer mit dem rauchigen Lachen, die zwei Freundinnen, die im OPEL Kadett C/City angereist sind, und der Vater mit seiner kleinen Tochter, die unbedingt wissen möchte, was sich hinter der Schiebetür im Inneren meines Busses verbirgt. Ich öffne für sie das Scheunentor und schaue in leuchtende Kinderaugen.

 

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.
Handwerk und die Kunst des Fahrens.

Schräg gegenüber steht ein MERCEDES W123, der ältere Gentleman sitzt davor, die Hände sehen nach einem langen Leben und vielem Zupacken aus. Aber sie wissen noch immer, wie man einer Jugend das Handwerk und die Kunst des Fahrens eines solchen Fahrzeugs beibringt.

 

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.
Demonstration gegen digitale Kunstwelten.

  Jedes Detail der Oldtimer wird zum Gesprächsstück. Nicht selten begleitet von einer Tasse Kaffee und einem leckeren Stück selbstgemachten Kuchen, dessen Duft wie eine langsame Demonstration gegen digitale Kunstwelten wirkt. Hier ist alles lebendig und echt, die Gespräche nicht elitär, sondern herzlich. Ich frage, und werde viel gefragt, ich schaue und höre zu, lasse die Atmosphäre hier vor Ort in mich eindringen. 

 

  Unterschiedliche Marken, unterschiedliche Baujahre, unterschiedliche Herkünfte—und doch dieselbe Leidenschaft, die den Platz hier in Halver zu einem gemeinsamen Atemraum macht.

 

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.
Unterschiedliche Marken, unterschiedliche Baujahre, unterschiedliche Herkünfte—und doch dieselbe Leidenschaft.

Gedankenlandschaften, und der Duft von Benzin

 Vielleicht tut es in der aktuellen Zeit ja auch einfach mal gut, an einem solchen Platz zu sein, und all´ das Friedfertige zu spüren. Unglaublich viele Dinge habe ich hier und heute dazu wahrgenommen. Was allerdings nicht vorhanden war, ist Neid, ist Mißgunst, ist Feindseeligkeit, ist elitärer Markendünkel, ist Flatterband, ist Ausgrenzung.

 

  Die Oldtimerszene ist vielfältig, ist offen, gastfreundlich, ansteckend optimistisch, und sich der Werte bewusst, die es zu erhalten gilt. Ich vermute, dabei geht es nicht ausschließlich nur um die der schönen Fahrzeuge. Wahrscheinlich mag ich unter anderem deshalb diese Welt der alten Fahrzeuge und jungen Herzen so sehr.

 

Alle Fotografien des Artikels belichtet mit: FUJIFILM X-T5 + FUJINON XF 33mm F1.4 und VILTROX 75mm F1.2

Road Trip zum Oldtimer Treffen nach Halver.
Take A Break: Unterwegs im VW T3 WESTFALIA Club Joker von 1983.

 

Halver, es war spitze, adieu, wir sehen uns wieder in 2027!

 

 

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zum Thema Road Trip & Oldtimer zu schauen, der nutze bitte diese Links:

 

"Road Trip heißt Road Trip"

 

"Reisen, Camping und Fotografie"

 

"Nachtfahrt"

 

"Oldsmobile 88 Four-Door-Sedan"

 

 


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Kommentare: 10
  • #1

    Michael Guggolz (Sonntag, 03 Mai 2026 09:24)

    Lieber Dirk,
    du hast mir mal gesagt, als Besitzer eines Oldtimers muss man entweder viel Geld haben oder selbst ein guter Schrauber sein. Ich weiß, dass du ein guter Schrauber bist, aber du bist auch ein guter Schreiber. Hat Spaß gemacht, dir auf dieser Tour zu folgen…
    Herzlichen Gruß,
    Michel

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Sonntag, 03 Mai 2026 14:59)

    Hallo Michel,

    das sind Zeilen, über die ich mich ziemlich freue, vielen Dank dafür!
    Bei nächster Gelegenheit nehme ich Dich mal mit in der Zeitmaschine... ;-))

    Beste Grüße,
    Dirk

  • #3

    oli (Sonntag, 03 Mai 2026 20:41)

    Den Oldtimer nehme ich - es gibt einfach zu viele wirklich schöne Fahrzeuge mit wunderbarer Linienführung. Auf den Duft nach Benzin kann ich persönlich verzichten und würde für (zu viel) Geld einen eMotor einbauen lassen. Kommt man damit noch auf ein Oldi-Treffen? Opel Manta B á la Tesla?
    Mir fehlt die Garage und die Zeit. Schade.
    Weiterhin viel Spaß mit deinem Oldi. Inkl. dem Duft der Freiheit und Weite! ;-)
    lg, oli

  • #4

    Dirk von DT-Classics (Montag, 04 Mai 2026 06:10)

    Hi Oli,

    schön, Dich hier zu lesen, vielen Dank dafür!

    Tatsächlich kann ich bzgl. Status von E-Autos an Oldie-Treffen nicht mit Fakten dienen. Die meisten Leute mit Hang zur E-Mobilität haben zu dem, was wir so sehr schätzen, wohl eher keinen Zugang (mehr). Und ich selbst beschäftige mich mit dem Thema nicht, da geht´s mir so wie Dir - die Ressourcen haben ihre Grenzen... ;-)

    Dank Dir jedenfalls für deine Wünsche, bleib kreativ & heil,
    und schau gerne mal wieder rein!

    Beste Grüße, Dirk

  • #5

    Roamer (Montag, 04 Mai 2026 07:45)

    Das macht Spass, zu schauen und zu lesen! Ein wirklich kurzweiliger Beitrag mit coolen Bildern. Überhaupt stark, zu einer solchen Veranstaltung, die es ja zigfach gibt, was zu zeigen, was es eben noch nicht gibt. Vielen Dank dafür, R.

  • #6

    Werner (Montag, 04 Mai 2026 15:56)

    Was wird sein, wenn eines Tages die Fahrzeuge von heute Oldtimer sind? Mit welchen Gedanken wird dann ein "Dirk" mit der Kamera über Treffen Gleichgesinnter sinnieren? - Entscheidend aber ist doch eines: Die Wertschätzung und Achtung all dessen, was uns eine Zeit lang begleitet, Teil unserer - oder unserer Mütter und Väter - Geschichte ist. Wissen, woher wir kommen. Das wünsche ich mir für die Generationen nach mir genauso wie ich es selbst handhabe: Wunderbare Autos, Dirk, WUnderbar eingefangen. Alles. - Mir fällt der Song von Reinhard Mey ein: "51er Kapitän" (kennst du?)

    Wie immer: Ganz herzliche Grüße,
    Werner

  • #7

    Dirk von DT-Classics (Montag, 04 Mai 2026 17:59)

    Hallo Roamer,

    habe Dank dafür, ich weiß, was Du meinst, und das freut mich total!

    LG, Dirk

  • #8

    Dirk von DT-Classics (Montag, 04 Mai 2026 18:10)

    Tja, Werner,

    ich prognostiziere, dass diese deine Idee keine Zukunft haben wird.
    Das Phänomen Oldtimer, oder die Thematik, das Faible, was mit klassischen Automobilen einhergeht, hat nur eine einzige Referenz: Emotion!

    Wir habe sie über Jahre und Jahrzehnte beim Zurechtmachen der ersten Autos erlebt, wir haben Erlebnisse, Unternehmungen, Kontakte mit und über diese Fahrzeuge "erfahren", leben und lieben das, was damit zu tun hat, und ein ganz bestimmter Teil von uns steckt in diesen Klassikern.

    Die Autos von heute sind dafür weder brauchbar, noch geschaffen, noch gewünscht. Die Chinesen bringen Wegwerf-E-Autos unter 5000,- auf den Markt, die nach 3 Jahren ihr Lebensende erreichen. Pseudo-ökologischer Mobilitätswenden-Müll, der niemanden interessiert, und in dem auch keine Emotionen landen.

    Das ist die zugespitzte Neuzeit, die sich in (noch) moderaterer Ausprägung auch bei den Kisten wiederfindet, die halt hier so auf den Markt kommen. Niemand wird sie "retten", niemand wird sie vermissen. Und ja, den 51er Kapitän, den Song kenne ich sehr wohl... ;-)

    Danke Dir fürs Hiersein!

    Herzlichst,
    Dirk

  • #9

    Werner (Dienstag, 05 Mai 2026 11:47)

    Lieber Dirk,

    so leicht will ich es mir nicht machen. Ich kann einerseits verstehen, dass dich als "Enthusiast" der automobilen Vergangenheit, die Entwicklungen der "Neuzeit" und die damit einhergehende Transformation, nicht glücklich macht. Aber: So war es auch schon immer. Alles, was neu war, wurde kritisch gesehen und hinterfragt. Und ich (als weitgehender Ignorant des Automobils - "es muss einen Zweck erfüllen") kann auch nachvollziehen, dass es um Emotionen geht. Aber um die geht es immer. Und wird es immer gehen. Das unterscheidet uns nämlich von den Maschinen, mit denen wir uns umgeben (müssen): Egal ob mit Benzin und Gestank oder mit Strom betrieben. - Mir ging es vor allem um eine "Meta-Ebene" und um die Abstrahierung auf ein gesamt gesellschaftliches Leben.
    Bleiben wir dem Leben und der Zukunft zugewandt. Ich bin sicher, auch die Fahrzeuge der "Jetzt-Zeit" werden in 50 Jahren ihre emotionalen Anhänger finden: Eben weil die Menschen mit diesen Fahrzeugen in der Erinnerung auch Emotionen verbinden werden.
    Liebe Grüße,
    Werner

  • #10

    Dirk von DT-Classics (Dienstag, 05 Mai 2026 14:36)

    Hi Werner,

    danke Dir für deine ergänzenden Gedanken!

    Wir können uns ja mal bei einem Gläschen Wein in 20 Jahren drüber unterhalten,
    wie die Dinge dann verlaufen sind, es bleibt in jedem Fall spannend... :-)

www.dt-classics.de