Kunst ist kein Besitz: SMOOTH TALK in der "Alten Linde"

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  Es war wieder einmal so weit: SMOOTH TALK spielte im Januar beim Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen. Weit über 250 Jahre gibt es die „Alte Linde“ in Niederdielfen, einem Ortsteil der Stadt Wilnsdorf, hier bei uns im Siegerland. Nach einer wechselvollen Geschichte – der ein ehemals geplanter Abriss ein Ende bereiten sollte – gelang es dem heutigen Bürgerverein, dieses Wahrzeichen und Kleinod - für die Kunst und uns -  zu retten.

 

SMOOTH TALK - Jazz in der "Alten Linde"
SMOOTH TALK: Philipp Schneider, Klaus Panten, Achim Weiss, Christof Dupont

 Wunderbar, der Vergleich,

als Matthias Altz vom Bürgerverein

die Band „Smooth Talk“ anmoderierte.

 

Da SMOOTH TALK seit vielen Jahren

immer im Januar hier auftritt,

sprach Altz vom „Musikalischen Neujahrsspringen“

an dieser historischen Stätte.

 

Für mich war der Besuch dort tatsächlich Premiere, und ich kam sogar in den Genuss

einer kleinen, beeindruckenden Privatführung

durch das gesamte Gebäude.

 

SMOOTH TALK - Jazz in der "Alten Linde"

   Ich sitze auf einem der Holzstühle in angenehmer Temperatur. Draußen ist es ziemlich kalt, doch drinnen verströmt die „Alte Linde“ ihre Wärme. Ich verweile mitten in diesem Moment, und bin gespannt, was mich mit diesem Konzert erwartet.

 

 

   Mir scheint, als würde der ganze Raum noch einmal tief durchatmen, so, wie es die Musiker tun. Dann setzen sie ein, saftige Akkorde, markante Töne und komplizierte Rhythmen von dem Keyboard, den Blasinstrumenten, dem Schlagzeug und dem E-Bass.

 

   SMOOTH TALK fetzte los mit ihrem Programm. Das Quartett gab Songs klassischer Jazz Gitarristen zum besten – und das alles ohne Gitarre am Set! Eine grandiose Umsetzung bekannter, aber auch weniger bekannter Songs, die nicht nur mich in Swing versetzten.

 

Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen
SMOOTH TALK: Klaus Panten (Saxophone, Flöten)

SMOOTH TALK - Jazz in der "Alten Linde"

   SMOOTH TALK schafft es zügig, dass ich nicht nur zu hören, sondern zu sehen, zu fühlen, und zu schweben beginne. Zwischen den Noten alter Songs spüre ich die Präsenz der Menschen, aber auch die stille Gegenwart des betagten Hauses. Die Mauern tragen Geschichten von Vergangenheit, von Gelächter, von Verabschiedungen und Wiedersehen.

 

Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen
Brillierte am Saxophon: Klaus Panten

 

  Ab und an wird Kaffee gereicht, oder andere Getränke.

Die Bedienung wird Teil des Bühnenbildes – ein menschliches Intermezzo,

das die Illusion der Eindrücke durchbricht.

 

Hier geschieht etwas, das mehr sagt

als Worte in einer Zeitung je schildern könnten.

 

 

Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen
"SMOOTH TALK": Achim Weiss (Keyboards)

SMOOTH TALK - Jazz in der "Alten Linde"

Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen
"SMOOTH TALK"

  Philosophisch betrachtet, würde ich mal behaupten, ist Jazz eine Form der Zeit, die sich weigert, linear zu verlaufen. Sie springt, fällt, erhebt sich, fängt sich in denselben Tönen wie in immer neuen Varianten. In dieser alten Lokalität, in der das Fachwerk tausend Geschichten ausklingen oder neu beginnen lässt, scheint die Musik nicht nur immer neu zu erzählen, sondern auch zu verhandeln.

 

   Mit dem Publikum, mit der Geschichte des Hauses, oder auch mit der Gegenwart, die sich ständig neu erfindet. Es scheint, der Jazz hier ist kein bloßes Unterhaltungsprogramm, sondern ein dialogischer Akt – zwischen Musikerinnen, Zuhörenden, Raum und Zeit.

 

Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen
"SMOOTH TALK": Christof Dupont (Bass)

 

Genau diese Stimmungen jedes einzelnen Moments lade ich in meine Fotografien hinein.

Die Kamera fängt nicht nur Bewegungen und Momente ein, sondern wählt das Wesentliche.

 

Die Stille zwischen zwei Takten, das leise Lächeln,

die tiefe Hingabe und Konzentration eines Musikers.

 

Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen
"SMOOTH TALK": Herausragend, Philipp Schneider an den Drums!

SMOOTH TALK - Jazz in der "Alten Linde"

  Dann irgendwann senkt sich der nicht vorhandene Vorhang, das Konzert ist vorüber. SMOOTH TALK hat uns bestens unterhalten, jeder einzelne der Musiker hat sein Alles gegeben. In mir bleibt eine Frage zurück, die nicht tags drauf in der Zeitung steht, sondern höchstens in den Herzen derer, die vor Ort waren.

 

Wie viel von uns selbst geben wir der Musik, wenn wir ihr zuhören?

Und wie viel von der Musik behalten wir in uns, wenn der Applaus abgeflaut ist

und der Raum wieder nichts mehr ist, als ein ruhiger Atemzug nach einem Jazz-Konzert?

 

Jazz-Frühschoppen in der „Alten Linde“, Wilnsdorf-Dielfen
"SMOOTH TALK", Tastenkönig Achim Weiss

  Der Saal leert sich langsam. Ich gehe hinaus, das letzte Lied noch noch in den Ohren. Der Jazz von SMOOTH TALK macht aus einem Ort eine Geschichte, aus einer Zeit eine Melodie, aus einem Augenblick eine Erinnerung.

 

  Und in dieser Erinnerung bleibt mir die Erkenntnis, dass Jazz, Musik, ja die Kunst überhaupt, nicht Besitz ist, sondern Schulden an die Zukunft hat. Sie fordert uns heraus, weiter zu hören, weiter zu sehen, weiter zu fühlen.

  


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Kommentare: 2
  • #1

    Deine Sis ;-) (Samstag, 14 Februar 2026 22:08)

    Toller Artikel über (oder an?) die Kunst, das Leben und den Nachhall von aufgenommenen Tönen, bewahrten Bildern und den Emotionen eines vielleicht einzigen oder einzigartigen Augenblicks.
    Hat mir mega gut gefallen.



  • #2

    Dirk von DT-Classics (Sonntag, 15 Februar 2026 08:57)

    Es gibt im Reigen von Rückmeldungen und Kommentaren
    immer ein paar wenige, die mich auf besondere Art ansprechen und erfreuen.

    Der deine hier ist einer davon... ;-)

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