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Einstieg

Auf eine Art unbeschreiblich ist es. Und das, obwohl ich diese Situation hundertfach erlebt habe, und hoffentlich noch viele Male mehr. Ich bewege mich auf den Bus zu, der so dicht mit seiner linken Seite an der Wand vom Carport steht, dass ich ihn über die Schiebetür betreten werde. So wie immer halt. Da, das vertraute "Schlack" des Aufschließvorgangs, und ich drücke den langen Schiebetürbügel ohne Gewalt, aber dennoch kräftig nach unten. Anders geht das nicht. Eine T3-Schiebetür geht nicht einfach nur so auf. Und schon gar nicht die Ur-Version der frühen 80er. Das Portal drückt sich lautstark aus dem Rahmen, springt einem fast schon entgegen. Dann folgt er, der Klang der Rollen in den Führungen, wie ein sanfter Donner, der durch ein Tal raunt, so klingt das. Unverwechselbar VW Bus eben. Jeder kennt das. Und ich sowieso.

Mir schlägt ein Geruch entgegen, von dem ich nicht einmal sagen kann, ob den irgend jemand außer mir überhaupt wahrnimmt. Nicht unangenehm, nicht aufdringlich. Eher subtil und sehr speziell. Dieser T3 hat sein eigenes, unverwechselbares Aroma.

Ich schaue mich um. Durch die bronze gefärbten Isolierscheiben fällt das gefärbte Licht warm ins Innere. Es ist alles da, wie seit eh und je. Unterbewußt nehme ich das wahr, und sehr deutlich zugleich. Time stands still...

Die Keilkissen auf der Rückbank, die Staubox mit den vielen Utensilien drin, die völlig originale, unbeschädigte Möbelzeile, 80er Jahre Westfalia eben, erdige Qualität. Die wissen, wie man Camper baut. Edel, gemütlich, hoch atmosphärisch, und tatsächlich auffallend einfach zugleich. Das ist eine Kunst, die mich bis heute nachhaltig beeindruckt.

Die Schiebetür braucht Schwung, fällt hinter mir geräuschvoll in die Schlösser. Dann ist es still. Und auch mich nimmt die Stille in Beschlag. Das ist ansteckend, wieder und wieder, jedesmal. Behutsam bewege ich mich zwischen den Sitzen nach vorne, und nehme Platz. Diese ausgewogene Gediegenheit, die sich zeigt, verbindet man mit einem alten VW Bus wohl nur dann, wenn man mal in einem gesessen hat, der über den kargen Charme einer Behördenausstattung hinaus gekommen ist. Jenes lieb gewonnene, aufrechte Sitzen in den großen WESTFALIA-Komfortsitzen, Anschnallen, Lehnen runter, Wahnsinn...immer wieder herrlich.

Eine anmutige Atmosphäre von einer seit über 30 Jahren bestehender Zeitlosigkeit liegt hier über allem. Manchmal unfassbar, auch für mich, wie sowas möglich sein kann. Und dann ist da das Braun. Ja, genau dieses. Das sattelbraune Interieur der frühen Westfalia Club Joker hat seit Anbeginn die Kundschaft und die danach folgenden Generationen von Bullifahrern in 2 Lager gespalten. Schnittmenge ist Fehlanzeige. Braun oder grau, Hüh, oder Hott. Zufällig braun hat niemand. Die einen kriegen permanenten Brechreiz und wenden sich ab, und die anderen bekommen ein süffisantes Schmunzeln ins Gesicht, vielleicht noch ein leichtes Kopfnicken, begleitet von einem Schnalzen aus dem Mundwinkel. Zu diesen anderen zähle ich.

Dann schaue ich von links nach rechts über das Cockpit am weich gepolsterten Armaturenbrett entlang, kenne jede Unebenheit der leichten Narbung. Ich mag, wie zeitlos schön das gestaltet wurde. Und es ist alles gemacht für eine kleine Ewigkeit. Die Hände am Lenkrad liegend, einfach mal so da sitzen, sonst nichts. Den Augenblick schöpfe ich reiflich aus, denn er ist tausendfach einmalig.

Wenn ich darüber nachdenke, was das Besondere daran ist, seit knapp 25 Jahren VW Bus zu fahren, und seit weit über 10 Jahren wieder und wieder in genau dieses Fahrzeug einzusteigen, dann ist es vor allem die Tatsache, dass es nicht eine einzige negative Sequenz gibt. Keine eine durch alle Jahre. Alles ist positiv belegt.

Sobald ich hier vorne sitze, ist alles Leichte nochmals leichter. Irgendeine geheimnisvolle gute Macht, die hier herrscht, bügelt mir die Falten eines langen Tages aus der Stirn. Die Welt der Sorgen und Nöte, der beruflichen Anstrengungen und sonstigen Krisen, sie rückt hier für den Zeitraum des Verweilens aus dem Bewußtsein. Eine unfassbare, unbeschreibliche Ruhe liegt über allem. Zweimal aufs Gaspedal, dann drehe ich den Schlüssel rum. Kein noch so kleiner Zweifel regt sich in mir daran, ob der Wasserboxer wohl erwachen mag. Ein paar wenige Umdrehungen nur bis zum Start gönnt er sich, dann erklingt das altbekannte, sonore Säuseln, wie beruhigend. Willkommen zuhause...



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Kommentare: 2
  • #1

    Thomas (Freitag, 09 Juni 2017 07:28)

    Moin, ein gelungener Einstieg mein Freund.

    So umfassend hab ich den Start einer Fahrt noch nicht "someliert" wie man heutzutage wohl schreiben würde, aber dennoch kann ich als Eigner eines Jokers eben dies bestätigen.
    Geruch, Freude, Erinnerung.

    Und Begeisterung für Braun.

    Rock on! Ich freu mich auf viele weitere schöne Geschichten.

  • #2

    Dirk Trampedach (Freitag, 09 Juni 2017 17:52)

    Vielen lieben Dank, Thomas!

    Geruch, Freude, Erinnerung...das gefällt mir ;-)