· 

Der Wert der Landschaftsfotografie

 Der Unterschied zwischen einem Landschaftsfotografen, der reist, und einem Reisenden, der Landschaften fotografiert, liegt wohl darin, dass beiden für ein- und dasselbe Motiv total unterschiedlich lange Zeiträume zur Verfügung stehen. Zum Beispiel auf meinen Touren und Wanderungen habe ich selten die Möglichkeit, Stunden und Tage auf den einzig perfekten Moment zu warten. Und es ist durchaus ein Unterschied, ob ich lange Urlaub habe, in Gesellschaft wandere & reise, oder ob ich für kurze Zeit alleine unterwegs bin. Die Herausforderung besteht also darin, in Anbetracht der verfügbaren Zeit, der vorgefundenen Situation und unter aktuellen Bedingungen, das Foto hinzubekommen, welches dem Augenblick entspricht. Dabei geht es immer um Licht, und eindeutig um Emotion. Diese Stimmung dann ins Bild zu übertragen, ist nicht immer einfach, aber möglich. Die Tageszeit ist nicht für alle Fotos immer gleich optimal, und die mögliche Verweildauer vor Ort teilweise kürzer, als es sinnvoll wäre. Doch egal, wie viel Raum bleibt, man legt alles Machbare, alle Aufmerksamkeit in diesen einen Moment. Denn genau darum geht es. Landschaftsfotografie ist nicht bloß das schnelle Abbilden von Attraktionen in der Natur.

 

2019 © DT-Classics
2019 © DT-Classics

 

 

 

 Landschaftsfotografie war und ist immer noch etwas sehr Ursprügliches und Handwerkliches geblieben. Dem gegenüber sind die digitalen Möglichkeiten immens, und bei gehetzter und getriebener Vorgehensweise geht meinem Verständnis nach viel von dem verloren, worum es eigentlich gehen darf.

 

 Ich bin kein bildschaffender Computerexperte. Es geht mir um die Erfahrung da draußen, und um das gleichzeitig Erlebte. Die Intensität findet sich zu allererst im bewußten Sehen, und damit höchstwahrscheinlich auch in der einen oder anderen Fotografie wieder. Das trifft meine Motivation und den eigenen Anspruch als solchen ganz gut.

 

 Es macht schon einen himmelweiten Unterschied, mit allem Engagement eine möglichst perfekte Fotografie vor Ort herzustellen, oder erst später daheim mehrere schnell entstande Bilder zu einem digitalen Meisterwerk zusammen zu rechnen. Die Welt um uns herum läßt sich auch nicht passend rechnen. Und sie ist auch nicht perfekt. Aber sie ist durchaus perfekt und aufsehenerregend genug, um so gesehen zu werden, wie sie ist.

 

 Die selbst verspürte Faszination, den Zauber der Welt sichtbar machen, das ist Landschaftsfotografie. Die Stelle, wo das passiert, die muß nicht zwingend spektakulär sein. Aber wenn ich dort erst einmal bin, und die ganze Erhabenheit sichtbar wird, dann wird auf einmal auch jener Ort von ganz alleine spektakulär. Diese Wahrnehmung entspricht allerdings nicht dem, was jeder dort gleichsam zu sehen vermag, sondern nur dem, was an eigener Empfindungen dazu reift. Die Natur unterbreitet dazu pausenlos einmalige Angebote.

2019 © DT-Classics
2019 © DT-Classics

 

 Jeder Ort erzählt immer irgend etwas. Bevor ich mir nicht im Klaren bin, ob ich diese spezielle Botschaft erkenne, wird es schwer, sie auch fotografisch abzubilden. Das gelingt in Eile gar nicht. Es braucht immer eine gewisse Zeit, bis ich das Bild richtig erkenne. Habe ich diese Zeit, und nehme sie mir auch, nehme ich mich selbst augenblicklich völlig anders wahr. Ich kann nicht verbindlich belegen, ob das alles eine Garantie für bessere Fotos ist. Doch ich erlebe einen Zuwachs an Genuss an dem, was ich da gerade mache, während ich es mache. Daraus erwächst sicherlich sowas wie Lebensfreude, Lebensqualität und innere Zufriedenheit. Und wenn das so vorliegt, möchte ich davon ausgehen dürfen, dass es auch im fotografischen Ergebnis zu erkennen sein könnte.

2019 © DT-Classics
2019 © DT-Classics

 

 Jeder sieht es anders, jeder macht sich sein Bild. Das Schönste, was ich kenne, ist diese total erfrischende Unvoreingenommenheit eines Eindrucks. Der allererste Eindruck, den ich irgendwo gewinne, wo ich vorher noch nicht wahr, ist was ziemlich Abgefahrenes! Mir wird augenblicklich klar, dass ich mit meinem ersten Blick darauf der Entdecker dieses Bildes bin, denn andere Fotografien davon sind meinem Gehirn bis dato glücklicherweise vorenthalten worden. Man darf dort völlig unbelastet den Impressionen und eigenen Kompositionen nachgehen. Ist das nicht wunderbar? Gruselig hingegen ist die Vorstellung, an einem faszinierenden Ort zu sein, und nur eine Kopie dessen abgelichtet zu bekommen, was jeder in gleicher Weise schon zigfach vorher irgendwo gesehen hat.

2019 © DT-Classics
2019 © DT-Classics

 

 Am Ende dieser höchst spannenden Kette von Empfindungen und Handlungen klärt sich die eigene Position dazu. In der eigenen Bildkomposition bildet sich ein eigener Ausdruck ab, und mit jedem weiteren Schritt formt sich (m)ein eigener Stil. Man ist Teil eines fortlaufenden Prozesses, in dem Fehler geschehen und Kenntnisse wachsen. Das ist auch gut so, denn letztlich bedeutet es, aus Ergebnissen Schlüsse zu ziehen und daraus zu lernen. Sei es bezogen auf die technische Ausrüstung, oder auf die Handhabung derselben, oder sei es bezogen auf die gestalterischen und gedanklichen Abläufe; es ist und bleibt inspirierend!

2019 © DT-Classics
2019 © DT-Classics

 

 

 

Ganz ehrlich:

 Ein Großteil aller gemachten Aufnahmen gelingt nur mäßig oder ist tatsächlich ziemlich unbrauchbar. Das einzige ultimative Knallerfoto des Tages ist halt genau nur jenes eine Foto von sehr vielen. Und es reicht völlig aus, wenn es nur mir gefällt. So ist das eben.

 

 

 Da schließt sich dann der Kreis, in dem der Wert der Landschaftsfotografie verborgen liegt. Es hat Foto für Foto unglaublich viel mit Emotion, der eigenen Persönlichkeit, dem eigenen Werteverständnis und der eigenen Entwicklung zu tun.

 

 

 Wartet auf die Inspiration! Schaut euch den Ort genau an, an dem ihr gerade seid. Es muß nicht jedesmal ein Berggipfel, ein Wasserfall oder der noch so einsame Strand mit Fischerboot und Treibholz sein, damit sich Fotografie lohnt. Ganz im Gegenteil!

 

Jeder Ort hat seine eigene Magie, jeder Moment seine Einzigartigkeit, und jede Art Licht einen heimlichen Zauber, dem wir verfallen dürfen.

 

 


Zum Thema Fotografie finden sich weitere Beiträge hier:



2019 © DT-Classics



Kommentar schreiben

Kommentare: 0