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Reisen verändert? Reisen verändert!

6 Kommentare

 

  Verändert mich das Reisen?

Und...was ist überhaupt Reisen?

Da wird sicherlich jeder auf sich, seine Gewohnheiten und Vorlieben schauen wollen, drum mache ich das auch.

 Reisen als solches ist für mich schon gegeben, wenn ein freies Wochenende ansteht und wir im VW Bus unterwegs sind. Der Bus ist sozusagen Medium. Er entspricht meinem Lifestyle, das Fahrzeug ist relativ klein, aber ver-größert den Reiseradius. Und die Ge-schwindigkeit bleibt überschaubar. Es geht immer nur so schnell, dass die Seele genügend Zeit hat, mitzureisen.

 


 Da wir nicht permanent unterwegs sind, sondern wie fast alle Leute unseren regulären Jahresurlaub nutzen, ist Reisen noch nie selbstverständlich und andauernd machbar gewesen. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, hat auch ein Wochenende Reisecharakter. Die zeitliche Länge (oder Kürze..) macht da nichts aus.

 

 Aber was veränderte sich am Reisen, bzw. in wie weit veränderte das Reisen mich? Auf den ersten Blick...gar nicht.  Reisen zu können ist ganz klar ein Privileg, und das war es für mich schon immer. In sofern sind und waren auch die Erlebnisse auf Reisen alles andere als selbstverständlich.

 Die Schönheit der Natur, die spannenden Personen, die nach-haltigen Begebenheiten, all´ das habe ich noch nie lapidar hinge-nommen oder als selbstverständ-lich angesehen.

 Auffällig für mich ist allerdings, dass die Tage immer dann das größte Potential beinhalten, wenn sie gar nicht so weit weg vom „Eigenen“ liegen. Damit meine ich, dass dann so wenig wie möglich „Kunstwelt“ vorliegt. Zum Beispiel, ganz banal gesagt,  koche, spüle und wasche ich meine 7 Sachen selbst, und der frisch gebrühte Filterkaffee aus der eigenen Bulli-Küche rundet alles ab. Verändert darin hat sich über die Jahre höchs-tens, dass das zu anfangs eine eher kostengünstige Notwendigkeit war, weil der finanzielle Rahmen nicht mehr hergab, und heute genießen ich genau das!


 Die Veränderung mag in der Erkenntnis liegen, welche große Freiheit und Luxus darin liegen, über jeden Augen-blick, jede Handlung, jede Unternehmung (und sei es Spülen..) völlig frei, und freiwillig zu entscheiden. Aus diesen vormals zwanghaften Notwendigkeiten ist etwas geworden, das allem eine totale Selbstbestimmtheit und tiefe Ruhe gibt.

 

 Verändert hat sich beim Unterwegssein, oder an der Wahrnehmung dessen, aber noch was Grundsätzliches. Da erlebe ich an mir eine zunehmende Dünnhäutigkeit meiner Umwelt gegenüber, die zu Beginn aller Reisen sicher nicht in dieser Form gegeben war. Die Geschehnisse um mich herum, die rühren mich deutlich intensiver an. Ob das nun am Reisen über die Jahre, oder schlicht am zunehmenden Alter liegt, ich weiß es nicht genau. Doch ein gemeinsames Glas Wein im Sonnenuntergang, der Blick in wunderbare Landschaften, ein gutes Gespräch mit lieben Menschen unterwegs, oder Augenblicke on the road, wenn wir fahrender Weise schweigend Hand in Hand im Bulli sitzen, die gehen tief rein. Und da bleiben sie auch.

 

 

 Ähnlich ist das, wenn ich z.B. mit Kamera und Rucksack an schwer arbeitenden Bergbauern vorbei schreite, oder überhaupt den Alltag von Menschen streife, während ich "reise". Da wird deutlich, wie unter-schiedlich ein- und derselbe Moment so sein kann. Ich bin am gleichen Ort immer auch in der Gegenwart anderer Menschen unterwegs, in deren Alltag, in deren Augen-blick. Das macht mich leise, behutsam und vorsichtig. Am liebsten wäre ich dort auch schonmal unsichtbar, weil ich vermutlich trotz aller Rücksichtnahme als der Fremde erscheine, der ich tatsächlich auch bin.

 


 Reisen hat sich verändert, und ich als Reisender mich gleich mit. Ich glaube sagen zu können, dass ich acht-samer und zufriedener reise, und sicher auch mit einer sehr bewussten Dankbarkeit auf alles schaue. Wünschens-wert wäre, wenn diese Veränderung einer dauerhaften Entwicklung gleichkäme. Das Leben ist eine Reise, sagt man. Dieser Satz bekommt für mich einen Sinn, wenn Leben & Reisen tatsächlich eins werden.


 Mit diesem Beitrag nehme ich teil an der Blogparade „Reisen verändert“ . Diese findet sich im Blog "Ferngeweht", den Sabine veranstaltet. Es sind dort mittlerweile Beiträge von anderen Blogger*innen, die darüber schreiben, wie das Reisen ihr Leben verändert hat, oder vielleicht auch nicht. Bei Interesse schaut doch dort auch bitte mal vorbei.

Wenn euch das Thema anspricht, und/oder ihr etwas dazu zu sagen habt, dann seid ihr eingeladen, an der Blogparade von Sabine teilzunehmen. Darüber hinaus freue ich mich, wenn ihr auch hier einen Kommentar hinterlassen möchtet. Herzlichen Dank!


2019 © DT-Classics



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Kommentare: 6
  • #1

    Sabine von Ferngeweht (Donnerstag, 11 April 2019 21:30)

    Achtsamkeit - das ist eine schöne Fähigkeit, die man sich durchs Reisen aneignen kann. Danke für den schönen Beitrag zu meiner Blogparade!

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Donnerstag, 11 April 2019 21:42)

    Hallo Sabine,
    schön, von dir zu lesen, und danke für deinen "Besuch"!

  • #3

    Marcus (Sonntag, 14 April 2019 17:30)

    Hallo Dirk,
    dein Beitrag hat mir sehr gefallen. Einige deiner Aussagen treffen zu 100% meine Gedanken übers Reisen, nur dass ich sie in dieser Form noch nicht ausdrücken konnte. Danke dafür.
    Gruß Marcus

  • #4

    Dirk von DT-Classics (Sonntag, 14 April 2019 20:29)

    Hi Marcus,
    danke für dein Statement, und ebenso für´s Reinschauen hier bei D-Classics!

  • #5

    Peter Feldmann (Montag, 15 April 2019 12:48)

    Hallo,
    es tut gut zu lesen, dass Reisen im Kleinen auch noch seinen Wert hat. Für die allermeisten Leute bedeutet zu reisen fast schon Superlative. Einfach auf Achse zu sein, ohne viel Gedöns, das ist was herrliches. Um die Möglichkeit, sowas im alten VW Bus zu tun, beneide ich dich offen und ehrlich.
    Liebe Grüße,
    Peter

  • #6

    Dirk von DT-Classics (Mittwoch, 17 April 2019 19:00)

    Hallo Peter,
    für deine Gedanken einen herzlichen Dank!