Wir hier und Die da.

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  Ohne Ziel, einfach nur kreuz und quer durch die Straßen der Stadt laufe ich. Im Ohr noch die letzten News, gehört im Autoradio während der Stunde Fahrt. Irgendwie ging es um Bevölkerung, um Menschen, um Gesellschaft, um viel Krieg, wenig Frieden, und um Mitte und Ränder. Grob gesagt, ist angeblich nicht mehr viel los in der Mitte. Dafür scheinbar mehr an den Rändern. Man muss halt gucken, wo man steht.

 

  Die Radiosprecherin textet monologartig ihren Artikel runter. Fast schon lapidar sagt sie, jeder müsse selbstverständlich für das Gute seine Kämpfe kämpfen. Wir hier gegen Die da. Gute gegen Schlechte. Warum eigentlich müssen? Seltsamer Weise haben die Erzähler von Hause aus recht und sind immer in der Mitte bei den Guten. Die Nachrichtensprecher, die Rednerpultredner, die Journalisten, die Demonstranten und die Blogger. Wie herrlich einfach doch, wir sind die Guten. Wir wissen Bescheid. Wir haben ja auch genügend Platz zum Denken, so ganz für uns da in der Mitte. Wir Guten kennen uns aus. Und die Anderen kennen sich eben nicht so gut aus. Wir hier, und eben Die da.

 

 

  Neulich habe ich die Frage gelesen, ob man schlechte Menschen überhaupt fotografieren sollte. Und wenn ja, wie. Ob jemand, der einen schlechten Menschen fotografiert, automatisch ein guter Mensch sein wird, blieb dabei unbesprochen. Vielleicht finde ich ja hier in den Straßen der Stadt so einen schlechten Mensch. Dann probiere ich es einfach aus. Ich strenge mich an, ich kriege das hin. Und dann mache ich von diesem schlechten Mensch ein möglichst gutes Foto.

 

  Es sind viele, die Frau im Radio hat das gesagt. Sie stehen ja überall an den Rändern. Ich werde sie erkennen. Irgendwelche typischen Merkmale wird es schon geben. Aber was ist, wenn ich sie womöglich doch nicht erkenne, die schlechten Menschen? Die Schlechten tun ja auch gerne so, als wären sie die Guten. Man muss halt gucken, wer wo steht. Wenn das nicht irritiert...!? Bin nicht auf den Mund gefallen, ich frage einfach nach:

 

„Hallo, ich bin wahrscheinlich einer von den Guten

und suche für ein Foto-Projekt schlechte Menschen."

 

"Sind Sie ein schlechter Mensch?"

 

"Oder können Sie mir vielleicht einen zeigen?“ 

 


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Kommentare: 3
  • #1

    Werner (Freitag, 21 Juni 2024 14:55)

    Wir suchen nicht mehr, was uns verbindet. Wir finden nur noch das, was uns trennt.
    Das ist leider kein Trend, sondern unsere Realität. Allerdings nur im Netz. Die Lebenswirklichkeit "draußen" vor der Tür ist immer noch eine andere. Lass uns immer das "Gute" suchen. Wir werden es immer finden. Auch in "schlechten Menschen" (wer oder was das auch immer sein soll)
    Ganz liebe Grüße - mit großem Dank für Beiträge wie diesen
    Werner

  • #2

    Ron (Dienstag, 25 Juni 2024 15:25)

    "Die Lebenswirklichkeit "draußen" vor der Tür ist immer noch eine andere"

    ist das so? da kann man wohl geteilter Meinung sein.

  • #3

    Dirk von DT-Classics (Mittwoch, 26 Juni 2024 09:53)

    Manchmal denke ich, dass sich "drin" oder "draußen" höchstens der Ton unterscheidet, und weniger die Mentalität. Das Netz ist ggf nur das etwas verzerrte Spiegelbild dessen, was ist. Vor allem die Haltung, alle Leute in gut und schlecht aufzuteilen, die ist überall zu finden.

    Danke Euch für eure Gedanken!

    Herzlich, Dirk