- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


Lipperland/Externsteine- Unterwegs im VW T3 WESTFALIA Club Joker


9 Kommentare

 

  Wir haben Oktober, der Sommer 2021 ist längst gelutscht. Es wird immer schneller kalt, immer früher dunkel, und immer später hell. Und auch die Tage ohne Grundnässe geraten spürbar in die Unterzahl. Als Fahrer eines der besten Autos der Welt hat man nun 2 Möglichkeiten. Entweder, man stellt den betagten Protagonisten ins Warme, und putzt, poliert und werkelt bis April in aller Einsamkeit dran rum. Oder aber, man packt den Camper voll mit Lebensmitteln, flauschiger Bekleidung und wärmender Getränke, und begibt sich mit möglichst Gleichgesinnten "on the road". Keine Ahnung, zu welchem Ergebnis der Einzelne kommen mag, zumindest wir sind wir wieder auf Achse. Unser aller Weg führt uns diesmal auf verschiedenen Anreiserouten sternförmig ins Lipperland.

 

  Für die anstehenden 2 Nächte bietet sich ein Campingplatz an. Frei stehen, wild stehen, ist mit 4-5 Bussen doch etwas unangebracht. Hier und da mag sowas auch in so großer Runde noch ganz gut gelingen, grundsätzlich ist Deutschland für so etwas allerdings wenig geeignet. Der ruhige, nett gelegene Campingplatz am Furlbach ist daher für uns eine gute Adresse. Der Webseite nach schlagen hier regelmäßig Oldtimer auf, das macht die Entscheidung leicht. Vor Ort zeigt sich alles Drum-Und-Dran in einer erfrischend unaufgeregten Art und Weise. 

 

 

Camping am Furlbach, wie auf dem Bauerhof. Ein bisschen die gute, alte Zeit.

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Unter alten Bäumen stehen, das ist ein gutes Angekommen.

 

 

 

 

 

 Der Spass und die geteilte Begeisterung, zusammen mit allen Klassikern auf Tour zu sein, steht nicht selten der Tatsache gegenüber, dass man leider nicht in seinen eigenen Bussen fahren, und sich gleichzeitig dabei in der "Gentleman´s Collection" unterhalten kann.

 

 Sich sehen und endlich mal analog unterhalten bekommt gerade in der aktuellen Zeit eine deutlich höhere Bedeutung. Von daher belassen wir es bei einer späteren, ausgedehnten Schleife über schmale Landstrassen hin zu den skurilen Externsteinen, und kümmern uns erstmal um uns selbst.

 

 Einen guten Tropfen genießen, dabei bisschen Bullis gucken, fachsimpeln, und sich an den Fahrzeugen erfreuen. Es gibt viel zu sehen, und es ist anregend und spannend. So, als wäre es das erste Mal.

 

Bleibende Eindrücke.

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"Gentleman´s Collection".

 

 Nein, wir sind nicht die vom Glück gepuderten Bulli-Fahrer, die immer nur in ihren gut gepflegten Bussen fahren, und denen einfach nie was passiert. Ganz sicher sind wir auch nicht Jene, deren Pannen am Bus, wenn überhaupt, sich praktischer Weise immer am Heimweg genau in der eigenen Einfahrt einstellen. Und wir gehören auch nicht zum Kreise derer, die auf Tour immer genau das, was dringend gebraucht wird, von der schönen Bulli-Fee aus dem Sternenkleidchen geschüttelt bekommen. Wir sind nicht die, die selbstverständlich alles repariert bekommen, und quasi so mal eben nebenbei die Klassiker immer und überall wieder flott kriegen.

 

 Zum Beispiel der Anlasser von Thomas´ CALIFORNIA. Der hängt seit langen Jahren in einer Selbstbastelschleife mit einem KO-Schalter verbunden, der aus einer alten Stehlampe stammen könnte. Installiert worden ist das sehr verwegen mit gruseligem Bastelkram aus der Restekiste des Vorbesitzers. Eine ganz gefährliche Mischung ist: Sieht dilettantisch aus, läuft problemlos. Bis genau jetzt. Und nun, nach langem Vorsichherschieben, hat genau hier und heute der Defekt die Instandsetzung eingeholt. So ist das nun mal. Rien n´est va plus, Nichts geht mehr. Gar nichts. Wir proben das finale Anschleppen, und dann darf der Bus stehen bleiben bis Sonntag. Einmal an, ist ja alles gut. Thomas darf sich derweil als Beifahrer durch unsere Busse "schnorren".

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  Der Tag ist sonnig, die glatten Strassen glänzen, und die Klassiker sowieso. Faszination Landschaft und Landstrassen, Faszination Draußensein, Faszination VW Bulli! Wie herrlich, diese 3 einfachen Dinge in bester Gesellschaft zusammenführen zu können. Die Strassen und Sträßchen im Lipperland sind famos, es ist ein Genuss, und auch die Busse scheinen es zu mögen. Hier herumzufahren ist schon einzigartig.

 

 Einer umwerfenden Schlichtheit bedient sich auch bei dieser Tour wieder einmal die Natur um mich herum. Jene leider nicht immer wahrgenommene Schönheit fällt nun bei jedem Meter auf. Es ist schon etwas sehr Besonderes, hier im VW Bus T3 über Land zu chauffieren. Aufmerksam schauend zeigt sich, dass das Lipperland auch abseits der bekanntesten Stellen ein feines Fleckchen Erde ist. Viel Zeit lassen wir uns, langsam fahrend, so, dass wir nicht gerade zum Verkehrshindernis werden. Es gehört hier einfach hin, sich dem Unaufdringlichen dieser Landschaft achtsam, aber hemmungslos hinzugeben.

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October Road
"...Well I'm a going back down maybe one more time,
Deep down home, October road.
And I might like to see that little friend of mine
That I left behind once upon a time.

Oh, promised land and me still standing,
It's a test of time, it's a real good sign.
Let the sun run down right behind the hill,
I know how to stand there still
Still till the moon rise up
Right behind the pine, Oh, Lord,
October Road..."    
           
- James Taylor -

 

  Mir liegt viel daran, sie mir und euch zu ersparen, diese einschläfernden Bulli-Fotos, mit den immer gleichen, seit 30 Jahren totfotografierten Einstellungen, bei denen auch das noch so helle Auge einfach nicht mehr aufgehen mag. Lieber mag ich, Fotos überhaupt, und insbesondere die von Bullis abzuliefern, die wenigstens ein bisschen Innovation verströmen. Vielleicht ist das ja auch ein Mut zum Banalen.

  Einfach mal keine Kunstlicht-Arrangements und kitschig-übertriebene Nachbearbeitungen, sondern nichts als frische Normalität. Oft verkommen unsere Traumwagen ja auch zum Standmodell auf den immergleichen Plätzen, dort zu 95% von schräg-links-vorne geknipst, und gerne im Stil von Verkaufsanzeigen ohne Leben drumrum. Wir, du, ich, sind aber das, was das Schöne um die Busse herum am Leben erhält. Davon möchte ich gerne ein wenig erzählen, und Fotos zeigen, fernab vom künstlich inszenierten VanLife. Eben solche Fotos, die sich weigern, eine gelangweilte Kopie der Kopie der Kopie zu sein.

 

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Die Externsteine.

 

Hier, wie auch überhaupt im Teutoburger Wald, war ich noch nie. Obwohl ein Großraumparkplatz anzeigt, was vor allem auch an sonnigen Wochenenden wie diesem hier an Betrieb denkbar ist, sind die Umstände akzeptabel. Dennoch, viele bunte Jacken, viele Menschen dort, wo ich sie nicht gerne als Bildanteil schätze. Sicher, ich könnte die Steine knipsen, und das alles nehmen, wie es nunmal ist. Aber auf haufenweise Leute im Vordergrund stehe ich gar nicht.

 

 

 

  Fotografie ist immer auch die Kunst des Ausblendens und Weglassens. Und wenn ich nun die Kamera steiler halte, als man es vielleicht sonst tun würde, ist kaum jemand im Bild zu sehen. Obendrein entweichen die großen Felsen so geschickt den handelsüblichen Kalenderblattstandards.

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So dicht dahinter, warum nur?

Schlicht und ergreifend nur deshalb, weil ich es mal kurz kann!

 

Es ist rar und selten,

für mehr als nur ein paar Sekunden

so auf Tuchfühlung hinter

diesem Club Joker mit Hochdach verweilen zu können.

 

Im schönen Heck

des lackfetten Reise-Klassikers

sorgen wummernd 6 Schnellkochtöpfe aus dem Hause OETTINGER

für reichlich Vortrieb.

 

 Abendstimmung, oder Abendfrieden. Abendfrieden trifft es besser. Die Sonne verabschiedet den Tag in gold, und wir sitzen mittendrin. Aus dem volldigitalen, App-gesteuerten Werkstattradio von Malte läuft Musik aus den 70er und 80er Jahren. Cooler Mix von Alt & Neu. Frank hat längst seinen Gasgrill aufgebaut, Matthias die Würstchen und Forellen bereitgelegt, Thomas hat lecker Bier im Ausschank, und ich sehe zu, dass die Kamera nicht abkühlt. Einzig ein Feuerchen fehlt, aber dafür ist gerade keine Gelegenheit hier. Zum Glück sind wir zuverlässig gewärmt bis in die tiefsten Zwiebelschichten der Multifunktionskleidung hinein. Zu vorgerückter Stunde hilft dann aber doch noch der Platz im "Club", wo die gute, alte Standheizung längst läuft. Was ein Luxus...

 

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 Heimfahrt. Zu kurz. Es ist wirklich immer zu kurz. Man zockt dann um jede Stunde, ach was, jede Minute, und zaubert noch ein paar kleine Gründe aus dem Ärmel, die schon eingesetzte Verabschiedung möglichst unaufällig in die Länge zu ziehen. Ich finde, das sind gute Zeichen. Einem jeden von Euch da draußen möchte ich wünschen, in guter Begleitung zu sein. Und es darf ruhig auch ein bisschen weh tun, wenn sich so Unternehmungen dem Ende nähern.

                                                                                                                                                                 Dirk Trampedach

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Martina - die WBX6 Fan Frau (Montag, 11 Oktober 2021 23:30)

    Wie immer wunderbar geschrieben:-)! Kompliment!
    Und mein WBX6 Männe kam überglücklich und zufrieden wieder angedüst aus dem Kreise der „Gentleman‘s Collection“.
    Beste Grüße aus dem Eichsfeld

  • #2

    Frank (Dienstag, 12 Oktober 2021 01:39)

    Das war ein fantastisches "Goldener Oktober" Wochenende und Du hast mit Deinen Worten die Stimmung so eingefangen, wie zumindest ich es auch empfunden habe. Die Fotos sind superschön und ( wie immer) weit entfernt vom üblich fotografierten Blickwinkel. Ganz toll, ein Teil dieser Runde zu sein. LG, Frank

  • #3

    Dirk von DT-Classics (Dienstag, 12 Oktober 2021 17:03)

    Hi Martina,

    dein Eintrag ehrt mich sehr!
    Vielen lieben Dank für die Blumen, und einen herzlichen Gruß zurück... ;-)

    Und auf bald mal wieder,

    Dirk
    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Frank, mein Lieber!

    Es ist ein großes Lob, wenn es tatsächlich gelingen darf, in Schrift & Bild "richtig zu liegen".
    Dir einen warmen Dank dafür, und für die klasse Zeit unterwegs!

    Beste Grüße, Dirk

  • #4

    Fred (Dienstag, 12 Oktober 2021 18:44)

    Moin, natürlich habe ich auch die vielen anderen Beiträge gelesen, der hier entlockt mir aber nochmal einen Kommentar. Ich mag diese persönliche Note, die dennoch wenig verrät. Das ist ein tolles Spannungsfeld, was mir als Leser (und Fan der Seite) immer schon zugesagt hat. Bitte weiter so!

  • #5

    Dirk von DT-Classics (Dienstag, 12 Oktober 2021 20:03)

    Hallo Fred,

    unbekannter Weise ein freundliches Dankeschön für dieses nette Kompliment!

    Liebe Grüße, Dirk

  • #6

    Claus E. (Mittwoch, 13 Oktober 2021 22:24)

    Herrliche Fotos von ebenso herrlichen Bussen, und auch noch schön viele Aufnahmen, mir gefällt der Artikel ziemlich gut! Danke für die Einsichten in die fotografischen Ansätze. Der Treffer schlechthin in diesem Artikel.
    LG, Claus

  • #7

    Dirk von DT-Classics (Donnerstag, 14 Oktober 2021 17:02)

    Hallo Claus E.,

    das freut mich, danke für diese aufschlußreiche Rückmeldung!
    MfG, Dirk

  • #8

    Adrian Heina (Freitag, 15 Oktober 2021 20:32)

    Extrem genialer Bericht. Toll geschrieben und sehr gut bebildert. Ich bin begeistert und wäre bei solchen Happenings ultra gerne mit dabei. Passendes Fahrzeug wäre da, aber leider wohne ich dafür etwas weit weg. Irgendwann wird's.
    Liebe Grüsse aus der Ostschweiz, Adrian

  • #9

    Dirk von DT-Classics (Freitag, 15 Oktober 2021 20:54)

    Mein lieber Adrian,

    groß ist die Freude, dich hier zu lesen! Und...du bist näher, als es vielleicht scheint ;-)

    Bzgl Happenings:
    Auf der Hälfte des Weges ist es für jeden nur noch halb so weit.
    Ich/wir sind da ziemlich unermüdlich. Termin suchen, abfahren...!!

    Herzliche Grüße aus Südwestfalen, Dirk


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