- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


Burg Wallenstein, Hoher Meißner, Knüllgebirge

Auf Tour im VW T3 WESTFALIA Club Joker

2 Kommentare //

 

 Die saisonale Punktlandung zum farblichen Höhepunkt des goldenen Oktobers markiert diese Tour diesmal nicht mehr ganz, denn dafür bin ich gut ein bis zwei Wochen zu spät dran. Aber gibt es überhaupt ein "zu spät"? Und, was bedeutet denn überhaupt Saisonende? Losgelöst von kalendarischen und uhrzeitlichen Richtlinien, geht es einfach immer weiter. Wie einigen Male zuvor, bin ich am Freitag schon früh morgens im WESTFALIA Club Joker zur Arbeit gefahren, um direkt nach Feierabend durchzustarten.

 

 Einer letzten, schönen Abschlußtour 2022 unserer VW-Bus-Equipe steht schlechtes Wetter übrigens überhaupt nicht im asphaltierten Wege. Es kann auch einfach nur gelingen, denn meine geschätzten Mitreisenden haben wenig Vorgaben, die erfüllt sein sollten. Nämlich genau nur eine: Zu 90% soll bitte schönes Wetter sein. Damit hängt die Latte für Ende Oktober recht hoch, doch ich würde sagen, passt.

 

                                                                                                    Minute 1, Kilometer 1...voll die Pisse.

 

 Ausgesprochen, geschrieben, oder gedacht, ich sehe sie förmlich vor mir, jene entgeisterten "Oh, Nein´s"! Mit so guten Oldtimern durch den kühlen, klammen, nassen Herbst fahren, wie kann man nur..!? Nun ja, machen geht schon, und es tut auch gar nicht weh. Meine heimlichen Idole sind sowieso die Herrschaften, die nach wie vor ihre teils 60 Jahre alten, und meist sündhaft teuren Klassiker auf Schnee und Eis bei historischen Rallyes bis ans Limit bewegen. Die tun es auch. Weil es geht. Aus Leidenschaft, und der Überzeugung, dass Autos genau dafür gemacht sind. Zugegeben, ich fahre deutlich lieber bei Wärme und Sonne. Und Gott sei Dank kann das jeder machen, wie er mag. Ich mag aber auch gerade diese Zwischenzeiten, und ich mag auch das Erleben, bei schnurrender Heizung, und im besten Auto der Welt, auf Herbsttour zu gehen.

 

 Alleine schon die Tatsache, wie leer die Straßen jetzt sind, ist die eine oder andere Ausfahrt wert. Schade, die meisten Oldtimer fristen längst im vollklimatisierten XXL-Setzkasten einem fernen Frühjahr entgegen, und den Chauffeuren bleibt derweil nichts anderes übrig, als in der Übergangsjacke am Fenster sitzend, nach draußen zu schmollen. Da boller´ ich lieber die spätherbstlichen Landstraßen entlang.

 

                                                                     "...La noblesse oblige aussi dans la rue..."                                                                              click=groß

 

 Mit großen Schritten eilt das Jahr auf jene Wochen zu, die eindeutig zu Ungunsten des Tageslichts stehen. Hier, am Ende des Oktobers, ist das auch schon deutlich festzustellen. Die Dunkelheit kriecht schon länger am kurzen Tag entlang, legt sich früh über das Land, die Straßen, und über unsere kleine Oldtimergesellschaft. Wir erreichen Nordhessen, roter Joker voraus. Ein liebgewonnenes Ritual auf Reisen.

 

 

 

Nordhessen samt Knüllgebirge

ist ein nicht sehr üppig besiedeltes,

waldreiches Mittelgebirge, durch das sich

schöne Wege und Sträßchen schlängeln.

 

Auf ihnen sind wir mit unseren Lieblingsfahrzeugen unterwegs, und gelangen im Knüllgebirge nach Burg Wallenstein.

Das liegt ziemlich genau in der Mitte

zwischen Bad Hersfeld und Homberg.

 

Dort, in einem Seitental der Efze, herum um die Ruinen

der einstigen Höhenburg, liegt unser Ziel,

nämlich der Campingplatz Burg Wallenstein.

 

Es sind im Oktober längst nicht mehr durchgängig

alle Campingplätze geöffnet, dieser allerdings schon.

Und auf der Webseite wird unter anderem ausdrücklich erwähnt, wie und wo Bullis am Gelände fahren können, dürfen, um ihr Eckchen zu finden.

 

Wo also bitte sollten wir besser aufgehoben sein, als hier?

 

Campingplatz Burg Wallenstein. Die Burg steht mittendrin. Viel Wald, mehrere Teiche, nette Betreiber.

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 Dieses unaufdringliche Reisen mit "leichtem Gepäck" liebe ich sehr. Ein paar Getränke, Vorrräte und Klamotten, und spätestens 1 Stunde später kann ich unterwegs sein. Die nicht vorhandene Größe, wie auch der Charme eines klassischen Campingwagens, sind einladend. Der WESTFALIA Camper verschreckt niemanden. Ganz im Gegenteil, immer wieder werde ich von Fremden darauf angesprochen. Es ist kein kalkulierter Konsum per Vorauszahlung. Bei allem, was planbar ist, hat meine Rechnung eben diese spannungsgeladene Unbekannte, um die es sich dreht. Reisen im historischen Campingwagen sind urbane Erlebnisse in Echtzeit, und das mit oftmals zwischenmensch-lichem Überraschungseffekt.

 

 Viele Einrichtungen sind längst geschlossen. Ab September auch sehr viele Campingplätze. Glück daher, hier mit Burg Wallenstein überhaupt noch einen Platz zu finden, der geöffnet hat.

 

Mischung aus ziemlich neu und ziemlich alt. Uns ziemlich egal.

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 Unterwegs zu sein, auch, wenn es nur eine kleine Reise ist, geht immer einher damit, offen zu sein dafür, Neues zu entdecken. Wie nah oder weniger nah man dabei dem "Unbekannten" kommt, mag abhängen davon, wie man so gestrickt ist. Vor allem aber liegt´s daran, auf welche Weise man so unterwegs ist. Zum Beispiel in einem Hotel, wo auch alle Mahlzeiten in dieser abgeriegelten Atmosphäre stattfinden, bleiben für Neuentdeckungen wenig Gelegenheiten. Je näher sich Reisen aber am Alltäglichen orientieren, und je weniger künstlich und pauschal organisiert eine Tour ist, umso eher enfällt die Distanz zu Neuem.

 

 Uns treibt es in die Lochbachklamm, die fußläufig in unmittelbarer Nähe zu Wallenstein liegt. Ein urwüchsiges, kleines Tal, seit 1982 schon als Kleinod erkannt, führt ein rustikaler Wanderweg hindurch.

 

 

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 Es ist selten geworden, alte VW Bullis in alltäglichen Situationen zu sehen. Der Trend geht eindeutig zu den Show & Shine-Veranstaltungen, den Oldtimer- & VW Bus Treffen. Von daher werden wir höchstwahrscheinlich einer der letzten kleinen Konvois sein, die an diesem Wochenende im Oktober überhaupt auf Tour sind. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass wir in Gänze mit 2 historischen Bullis und einem fuschneuen Caddy-Camper unterwegs sind. Ich wiederhole mich sehr gerne, es geht in erster Linie um die Menschen. Mir gefällt´s.

 

 Herbstfarben! Auf unseren Wanderungen und Fahrten sprühen sie uns förmlich an.

Wir haben mal wieder Glück gehabt. Tolles Wetter, und das nahezu pausenlos.

 

Rund um die Lochbachklamm

                                                                                                                                                                                                                 click=groß

 

 50 Kilometer bis zum Hohen Meißner. Das ist eine Distanz für lässiges Cruisen. 1 Caddy, 2 Bullis, und los geht die Fahrt. Im Knüllgebirge wird klar, dass der Begriff hier passt. Wenn auch kürzer, als in der Schweiz, sind doch einige Steigungen so, dass ich unweigerlich im zweiten Gang lande. Alle Achtung. Zum Glück überwiegen die gefällig geschwungenen, feinen Landstraßen. Dort sind wir zuhause mit unseren Flanierwagen.

 

 

 Der Herbst ist leise. Zwar noch nicht ganz so stumm, wie ein eisiger, kalter Wintertag, aber doch schon sehr leise. Verschwunden von den Straßen sind Wohnwagengespanne und große Wohnmobile. Die Outdoor-Groups in Wald und Feld sind einzelnen, wetterfesten Wanderern gewichen. Kaum mehr etwas, das ablenkt. So bleibt Gelegenheit, dem wie aus der Zeit gefallen zu scheinenden WESTFALIA Flaneur hinterherzuschauen.

 

Angekommen. Bei bester Fernsicht stehen wir auf den offiziellen Wohnmobilstellplätzen des Hohen Meißners.

 

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Panorama Hoher Meißner

 Thomas und sein Caddy-Camper verlassen uns hier

am höchsten Punkt der Wochenend-Tour.

Also geht´s zu zweit zurück.

 

 Fast überflüssig zu beschreiben,

wie ich in dieser Herbstpracht

jeden Kilometer geniesse.

Ach, ich mache es trotzdem.

 

          Ich geniesse in dieser Herbstpracht jeden Kilometer...

 

Foto: Antje Trampedach-Schreiber

 

 

 Ein leicht knurriges Fauchen im Dunkeln verrät, dass die Standheizungen laufen. Standheizung und Kühlschrank sind streng genommen die beiden Dinge, die aus einem einfachen Transporter mit Bett, erst einen vollwertigen Campingbus machen.

 Manchmal überlege ich, ob Menschen, die zu dieser ursprünglichen Art von Camping keinen Zugang haben, überhaupt verstehen, was da passiert. Alleine die Namen der mobilen Behausungen sagen eigentlich schon alles.

 

Campingbus vs. Wohnmobil.

Campen, oder Wohnen.

Draußen, oder Drinnen.

Mit Kontakt zur Außenwelt, oder ohne.

 

 Es erklärt sich vielleicht auch in solchen Kleinigkeiten wie denen, nur davor zu sitzen. Es ist eben nicht dasselbe, ob ich im Campingstuhl auf einer Wiese am See sitze, und hinter mir ist die Reihe uni-former Ferienhäuser, oder ob ich in gleicher Kulisse sitze, und hinter mir steht nichts, außer ein klassischer VW Bus mit geöffneter Schiebetür. Diese Art der bescheidenen Mobilität und des Reisens, in eben genau so einem reduzierten Fahrzeug, macht es aus. Es ist ein riesen Unterschied, und es ist dieser eine Unterschied schlechthin.

 

 

Wenn der Abend sich der Stille neigt

und den Tag zur Ruhe bringt,

leg´ ich ab die Hast, die mich fast ausgebrannt.

 

Wenn nach Stunden die man abgestreift

später noch einmal nimmt,

dann ist vieles was zuvor war neu, erkannt.

 

An den Ufern der Nacht zieht der Tag an mir vorbei.

War er gut, war er schlecht?

War ein Traum für mich dabei?

 

Wenn der Abend sich der Stille neigt,

und wenn ich dann bei dir bin,

haben Licht und Schatten ihren teil getan.

 


 

Wenn die Wahrheit wie aus Nebel steigt

und die Zärtlichkeit dir bringt,

halten wir die Zeit für ein paar Stunden an.

 

- Karat -

 

 

 

 Obwohl so klein, verströmt die kleine Gasflamme eine sehr spezielle Wärme. Weniger messbar ist sie, aber tief spürbar.

 

  Es ist die Art von wohliger Wärme, die in uns gelangt dadurch, dass man hinsieht, wie es leuchtet.

 

 Vielsagend dann,

dieses andächtige, tiefe Schweigen,

das einen Jeden unweigerlich befällt.

 

 

 

 

 

Adé, Burg Wallenstein!

 

 

Eine kleine, feine Reise,

eine fantastische Gegend,

schönstes Wetter,

beste Begleitung!

 

 

Auf schmalen Straßen unterwegs,

es geht heimwärts.

 

 Gut nach Hause gekommen sind wir, Gott sei Dank! Es ist nicht selbstverständlich, so intensiv reisen zu dürfen, und dann zu etwas zurückzukehren, das Zuhause heißt.

                                                                                                    

                                                                                              Vielen Dank für´s Interesse, und auf bald!

 


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Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Rechtslenker (Samstag, 29 Oktober 2022 11:28)

    Klasse gemacht, Text und Fotos gehen wieder rein wie warme Milch mit Honig.
    Hoffentlich dauert es nicht zu lange bis zur nächsten Reise, die Beiträge sind einfach nicht zu toppen.

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Dienstag, 01 November 2022 15:56)

    Danke sehr für die freundliche Kommentierung!
    Von mir aus könnte es auch sofort wieder losgehen, es ist einfach zu schön...