- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


noggenixxe

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 Gerade im Herbst, wenn es leichter fällt, vor der Sonne aufzustehen, mache ich genau das sehr gerne. Dann trete ich hinaus, am liebsten mit einem Kaffee in der Hand...ja, mit Tasse drumrum, ist doch klar...und freue mich an der vertrauten, dunkelblauen Kontur, die ich dort im ersten, leichten Hell des Tages wahrnehme.

 Diese jene Zeit, die aktuell ist, hat vieles verloren von Konstantem und Vertrautem. Vielleicht ist es aber auch der Zeit sowas von egal, und nur wir sind dabei, Konstantes und Vertrautes zu verlieren. Irgend etwas, das bleibt, ist wichtig. Mag sein, dass dazu 1000 Personen 1000 verschiedene Sachen in den Sinn kommen. Für mich ist es ganz klar diese herrliche, heckmotorisierte Preziose aus dem Hause WESTFALIA, und genau damit geht es jetzt vor Sonnenaufgang auf die kleinen Straßen einer kleinen Welt.

 

 

 An diesem Schild, "Halbs   2km", bin ich sicher hunderfach vorbei gefahren. Heute folge ich dem Impuls, heute halte ich an. Halbs, dort, wo Manfred Klee (Jeder Bullifahrer kennt M. Klee...) seine legendären VW Bus Treffen veranstaltete, längst bevor das Internet das war, was wir heute kennen.

 Zig tausend Busse sollen hier gewesen sein. Hier, am Westerwald, wo nur ein kleiner Flugplatz das große Nichts unterbricht. Sentimental angezählt stehe ich hier, und das, obwohl ich selbst nie eines dieser Treffen besucht habe. Aber gerne hätte.

 

 

 

 

 

 

 Es regnet. Selten, der Zustand, doch heute ist es egal. Der Bus ist voll Karosseriewachs bis unter´s Dach, und ich bin seit gut 4 Wochen auf Frontlenker-Entzug.

 

 Es ist schon seltsam, aber manchmal merkt man von Beginn an, dass diesmal irgendwie alles anders ist. So, wie heute, und das liegt nicht am nicht enden wollenden Regen.

 

 Die Lichter der Scheinwerfer brechen sich am nassen Asphalt, auf denen die Pneus immer etwas lauter laufen. Von den beiden CD´s, die ich mir zum Soundtrack meines Road-Trips mitgenommen habe, ist bislang noch keine gelaufen. Im sonoren Vibrato, dass dem Duett von Rädern und Motor entspringt, rolle ich durch die Zeit. Genau durch jene, die vieles verloren hat von Konstantem und Vertrautem. Bis auf das hier.

 

 An Stellen, an denen eigentlich nichts ist, halte ich an, steige aus, schaue und lausche in die diesige Umgebung. Es tut gut, etwas zu machen, das Nichts zu sein scheint, und doch viel ist.

 

 

 

 

 Steil fällt die Straße vom hohen Westerwald hinab zum Rhein, den ich bei Koblenz quere. Dann erreiche ich die Mosel. An Flüssen mag ich die Schiffe. Schiffe gucken ist was Meditatives.

 

 

 In Zeiten, die Vieles verloren haben von Konstantem und Vertrautem, sucht man wahrscheinlich umso mehr nach diesem Konstanten und Vertrauten. So etwas ist Hatzenport. Jenes kleine, typisch an einer Seite der Mosel gelegene Weindorf, vor dessen Häusern sich, einer Insel gleich, ein Campingplatz befindet. Genau jener, auf dem sich seit über 25 Jahren zum ersten Oktoberwochenende VW Bus Fahrer mit ihren VW Bussen treffen. Es ist Sonntag. Morgen, am Montag, ist Feiertag. Eine Nacht noch.

 

Diesig, und vom Regen ergraut, wirkt das Tal so

wie ein kalter, wenig einladender Herbst.

Hatzenport-City. Ein Moseldorf, wie viele andere,

aber das einzige VW Bus Dorf im Moseltal.


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 Es regnet. Selten, dieser Zustand, aber es ist mir gerade egal. Am Platz angekommen, bleibe ich im warmen Bus, und experimentiere mit meiner Kamera herum. So vergehen bestimmt 2 Stunden. Draußen passiert fast nichts. Ich überlege noch, ob das konstant und vertraut ist, oder vielleicht doch neu. Mag auch sein, dass 2 Jahre Distanz und Kontaktminimierung der Grund für das sind, was hier nicht ist.

 Es sind recht wenig VW Busse hier, und dementsprechend wenig Menschen, die man obendrein auch kaum sieht. Ich bin einer davon. Ich wage eine kurze, nasse Runde. Vor den Bullis liegen kaum Ersatzteile. Der Keller ist zugesperrt, auch die konstante, vertraute Fete wird nicht stattfinden. Es ist still. Draußen passiert fast nichts. Ich habe nicht ergründet, ob das vertraut ist, oder neu. Aber es ist irgendwie seltsam.

 

 

Ein paar wenige, angenehme Gespräche mit lieben Leuten, die ich kenne.

Und auch ein paar seltsame, fast schon schmerzliche Gespräche, deren Gründe unergründet bleiben.

 

Die geselligen Sequenzen am Feuer sind schön, wenn auch kurz. Die bollernde Standheizung

mag eine der Gründe sein, warum ich mich recht früh schlafen lege.

 

 

 Montagmorgen. Lange, bevor das Lager vollständig erwacht, bin ich es längst. Hinaus getreten aus der Schiebetür, wie immer mit einem heißen Kaffee in der Hand...ja, mit Tasse drumrum, ist doch klar...und freue mich an der vertrauten, dunkelblauen Kontur, die ich dort im ersten, leichten Hell des Tages wahrnehme.

 Diese jene Zeit, die aktuell ist, hat vieles verloren von Konstantem und Vertrautem. Vielleicht ist es aber auch der Zeit sowas ziemlich egal, und nur wir sind dabei, Konstantes und Vertrautes zu verlieren. Irgend etwas, das bleibt, ist wichtig, gefunden habe ich es hier diesmal nicht. In untrüglicher Vertrautheit springt der alte Wasserboxer an.

 

 Meine Anspannung verliert sich, als ich in mittleren Drehzahlen Gang für Gang hochschalte, und langsam alles warm wird. Ein paar Kilometer weiter flußabwärts gibt es diesen Platz, den ich gerne anfahre. Er liegt unmittelbar am Fluß, und ist in seiner Art eine Seltenheit an der Mosel. Dort, unterhalb der Burg, bleibe ich stehen, und schaue dem Fluß beim Fließen zu. Das könnte ich endlos lang. Es ist so, wie bei einem Feuer in die Glut zu sehen.

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 An Flüssen mag ich die Schiffe. Schiffe gucken ist was Meditatives. Ich stehe mit Kamera etwas weiter hinterm Bus und überlege, welches Motiv meiner Stimmung, und der hier vor Ort, am Ehesten entsprechen könnte, als sich Fluß aufwärts langsam ein schwimmender Oldtimer nähert. Zum Glück geht Fotografieren intuitiv, schnell ist alles eingestellt, gerade passend für den Moment der Begegnung.

 

 Als das Foto im Kasten ist, und das Schiff meinen Bus passiert hat, sehe ich den Skipper aus dem Ruderhaus treten. Er schaut herüber, schaut zu dem, was er sieht. Außer dem Club Joker und mir ist hier nichts. Er wirkt freundlich, und ich weiß genau, was er denkt. Er sieht mich und den Bus, so, wie ich ihn und sein Schiff. Und auch er wird wissen, was ich denke.

 

 

 Hoch hinauf geht es. Koblenz, Bad Ems, Arzbach, Montabaur. Der Westerwald hat mich wieder. Noch ein paar Mal halte ich einfach so an. Das gibt Gelegenheit, für einen Moment lang dort zu schauen, wo ich sonst durchreise. Und es verzögert so herrlich die Fahrt. Es ist doppelt gelagert.

 

 Es geht heim, ich freue mich drauf, und will dennoch gar nicht ankommen.

 

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