- Ein Leben rund um den VW Bus T3 -

 

in Fotografie & Geschichten

 


Mit VW T3 WESTFALIA Bullis nach Thüringen ins Eichsfeld

Thüringen, das Eichsfeld, der Ort Uder, und ein paar wirklich tolle Menschen.

Genau, stimmt, da war doch schon was in 2019!

Wir erinnern uns:  Mit T3 WESTFALIA Bullis auf die Bergwiese.

 

 Dorthin bin ich nun wieder unterwegs, und das in aller Gemütlichkeit. Zuerst den Abschnitt Siegen-Kassel. Die zigfach gefahrene Strecke fährt sich fast blind, der innere Auto-Pilot lotst mich sicher. Und diese Strecke mag ich sehr. Obwohl größtenteils über Land, oder eben genau deshalb, ist lässiges Vorwärtskommen möglich, und die Landschaften sind wunderschön. Wittgenstein, Ederbergland, am Kellerwald vorbei, und bis Kassel durch den Schwalm-Eder Bezirk. Da komme ich ins Schwärmen und Träumen. Dann noch ein kurzes Stück die A 38 ostwärts, und das Eichsfeld ist erreicht.

 

 Es ist eine Wohltat für alle Sinne, nicht permanent damit beschäftigt zu sein, möglichst schnell irgendwelche Distanzen zu bewältigen, oder möglichst in Rekordzeit irgendwo anzukommen. Im Club Joker sitzend bin ich höchstes damit beschäftigt, dem Motor zu lauschen, das unnachahmliche Fahrgefühl zu geniessen, und damit, meinen Gedanken gelassen nachhängend, genussvoll unterwegs zu sein. Zugespitzt betrachtet, reicht es mir, eben immer genau dort zu sein, wo ich gerade bin. Okay, irgendwo ankommen werde ich auch. Es ist ja nicht so, als wennn ich keine Ziele hätte. Aber die Dauer dorthin ist weniger bedeutend. Unterwegs zu sein ist ja genau das, worum es zumindest mir im Wesentlichen geht beim Reisen.

 

 Weit reicht der Blick, viel weiter, als im dicht bewaldeten Siegerland. Endlich sehe ich was. Fernblick ist immer wieder faszinierend. Dann drehe ich das Radio aus, gebe dem Kurbelfenster 2 cm Luft, und freue mich an dem sonoren Brummeln des Wasserboxers, während Franks roter „Joker“ voraus die Richtung weist.

 

 

 Übernachtung am Campingplatz Bergwiese in Thalwenden. Ein feines Plätzchen, und ich kenne ihn. Still ist es hier. Der Coronabetrieb, der die Campingszene im Sommer überwältigte, ist endlich abgeebbt. Im oberen Bereich des naturbelassenen Kleinodes stehen wir gut, und wir stehen völlig alleine dort.

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 Weit hier oben am Gelände rutschen wir unter den Obstbäumen nah zusammen. 4 Bullis, das passt gut, und unterm Baum sitzt es sich trefflich. Aber es ist feucht und kühl. Ohne Jacken ist es mittlerweile doch schlecht auszuhalten, der Birnenbrand wärmt von innen heraus. Der Sommer ist eindeutig vorbei, zeitig gehts ins Bett.

 

 Morgens um 7 ist dann die Welt schon in Ordnung. Der eine Frühaufsteher macht schon Kaffee, der andere macht schon Fotos. Ich mag dieses rituelle Gewusel. Und es ist schön anzusehen, wie sich das ähnelt von Bus zu Bus. Thomas geniesst es auch sichtlich. Und aus der langen Dunkelheit heraus leuchten die Lampen in den jungen Morgen, und es riecht so verdammt gut nach heißem, frisch aufgebrühtem Kaffee.

 

Wenn das kein Zuhause ist, ja wo denn dann...?

 

Morgentoilette, die 7 Sachen packen, und los. Wir haben ein Ziel für heute Vormittag.

Überlandfahrt im Eichsfeld. 4 leckere Bullis wie Perlen an der Schnur, das wird hier sicher eher selten zu sehen sein.

 

Die Steigungen haben es teilweise in sich. Bis zu 12 % finden sich hier in der Region.

 

 

 

Wir erreichen das Grenzmuseum Schifflersgrund.

 

30 Jahre Wiedervereinigung,

aber wir reden hier vor Ort immer noch vom „Grenzgebiet“.

 

Im Handeln habe ich den Zustand längst überwunden.

Aber im Denken irgendwie doch noch nicht so ganz.

 

Ich glaube, es ist bedeutend,

sich "auf Empfang", und möglichst wach zu halten.

Denn die übelsten Grenzen gehen mitten durch´s Hirn.

 

Spaltung, unreflektierter Gehorsam, Angst,

Ignoranz, Gleichgültigkeit, das ist eine schlechte Basis.

 

Was daraus mal resultierte,

wissen wir in Deutschland nur allzu gut.

 

Zaunpfähle abzubrechen ist daher das Beste,

was man am eigenen Zaun machen kann.

 

 

  Eine beeindruckende Stelle, wo es fast schon real und noch einmal zum Greifen nahe rückt, ist dieses Grenzmuseum Schifflersgrund zwischen Bad Sooden-Allendorf und Sickenberg. Es war das erste Grenzmuseum im wiedervereinigten Deutschland. Auch hier wurden Deutsche von Deutschen, auch hier wurden Menschen erschossen. Und auch, wenn detailliert zu lesen ist, wie es geschah, und warum, kapiere ich es trotzdem nicht. Eine gute Stelle, um abzugleichen, was heute ist, und was gestern war. Wie viel Nutzlosigkeit und vergeudete Energie doch in allem Militärischem steckt. Die bittere Nostalgie hier vor Ort verklärt allerdings nichts. Das will sie sicher auch nicht. Ich schaue, und lasse mich sensibel machen. Es hört einfach nicht auf, der Irrsinn lauert überall.

 

Was hinter Zäunen ist, bleibt nebulös und unersichtlich. Man kann nicht klar sehen.

Denn ein unmittelbares Erleben und die konkrete Wahrnehmung gelingen durch ein Gitter hindurch nicht.

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An solchen Gedenkstätten zeichnen wir ein düsters Bild von uns selbst. 

 

Für mich ist hier alles die pure Bedrohung.

Nach wie vor lebt hier in den Dingen der Geist von Kommando und Gehorsam, und vor allem, von Gewalt.

Nichts, was nach Menschlichkeit aussieht, erreicht meine Sinne.

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 Abreise vom Schifflersgrund. Mich strengen solche Besichtigungen über Maß an. Da kriege ich einfach die vielen Menschen nicht aus dem Kopf. Die nicht, die gehofft und aufgegeben haben. Und die nicht, die gelitten, gekämpft und gescheitert sind. Und auch die nicht, die sich allem ergeben, und dem Sytem gedient haben. Hierbei hat kein Mensch von irgend etwas profitiert. Es waren alles Verlierer.

 

Wie herrlich friedlich sehen hingegen unsere Bullis aus, wie sie da so stehen am Straßenrand.

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Rast an der Werra in Lindewerra. Hier liegt die bekannte Werraschleife, die wir in 2019 von der hoch gelegenen Teufelskanzel sehen konnten. Unter der alten Steinbrücke, deren letztes Segment (gesprengt zwecks Übertrittsvereitelung), vor einigen Jahren wieder aufgebaut wurde, läßt sich vortrefflich parken.

 

 

 

In Uder selbst

warten noch ein paar

weitere Highlights auf mich.

Da ist Matthias mit seinem

vollrestaurierten WESTFALIA Club Joker.

 

 

 

 

Den Beginn der Arbeiten

durfte ich schon letztes Jahr bestaunen.

Unfassbar, was dort binnen eines Jahres passiert ist.

Bei solchen Arbeitsumfängen

geht den meisten Protagonisten

entweder die Puste aus, oder die Kohle.

Oder beides.

 

 

 

 

Nun steht der Camper

in voller Pracht vor mir,

und ich habe die Ehre, auch an diesem Bus

das Bekleben des WESTFALIA-Dekors

sprichwörtlich in die Hand zu nehmen.

 

 

 

 

Es ist immer wieder ein Genuss,

wenn ein vermeintlich "weißer Transporter

mit Hochdach und ISO-Fenster"

mittels Dekor zum Edelcamper mutiert.

 

Für meinen Geschmack wird erst dadurch

der Camper zum echten WESTFALIA...

 

 

 

 

Glückwunsch... ;-))


 

  Und in der Halle in Uder steht mein zukünftiger WESTFALIA Anhänger. (Ein separater Beitrag dazu folgt!) Mindestens 10 Jahre suche ich nun schon nach genau diesem Modell.

 Thomas hat ihn entdeckt, für sich gekauft, und zugelassen. Aktuelle Umstände, unvorhersehbar und wegweisend, lassen seinen eigentlichen Plan nun leider nicht aufgehen. Und für mich wird ein Traum wahr, denn Thomas macht tasächlich möglich, dass ich den Anhänger übernehmen kann. Ich freue mich riesig!

 

 

 


Individuelle Form von Mini-Bustreffen vor den "heiligen Hallen".

Es ist schon eine besondere Ehre,

vorbei an alten Nummernschildern,

einem verbrauchten Kalender,

und dem Schild "Betreten verboten"

doch einzutreten in eine Halle,

in der sich etwas zeigt,

dass sich längst nicht jedem zeigt.

 

Denn hier findet sich

ein makellos restaurierter HORCH H6Z.

 

Und hier finden sich die Leute,

die der eigentliche Anlass der Reise sind.

 

Wie herrlich, sie alle wiederzusehen!

 

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Als große Lenkräder noch bis zum Schoß reichten...

...und auch Bracken noch aus Holz waren.

 

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Perfekter Aufbau bis ins allerletzte, kleinste Detail hinein. Egal, wohin ich schaue, es wird erkennbar.

 

David erläutert die gesamte Restauration im Zeitraffer. Extrem spannend, dem allen zuzuhören!

Aus alten Zeiten mit 10 Liter Hubraum in die Zukunft. Zwischenstop: Gegenwart.

"...Bei diesem Glas denk' ich zurück
An euch, mit denen ich ein Stück
Auf meinem Weg gegangen bin
Mit diesem Glas trink' ich im Sinn
Nach Süden, Osten, West und Nord
Und find' Euch in Gedanken dort
Wo immer Ihr Zuhause seid
Seh' die Gesichter nach der Zeit
In meinem Glas vorüberzieh'n
Verschwommene Fotografien
Die sich wirr aneinanderreih'n
Und ein paar Namen fall'n mir ein

Verwechs'le ich Euch, vergaß ich dich
Lässt mich mein Gedächtnis im Stich?
Manches ist schon so lange her
Kenn' ich nicht alle Namen mehr
So kenn' ich die Gesichter doch
Und erinnere mich noch
Und widme Euch nicht wen'ger Raum
Geschrieben haben wir uns kaum –
Denn eigentlich ging keiner fort
In einer Geste, einem Wort
In irgendeiner Redensart
Lebt Ihr in meiner Gegenwart

 

 

 

 

 

Komm, gieß mein Glas noch einmal ein
Mit jenem bill'gen roten Wein
In dem ist jene Zeit noch wach
Heut' trink ich meinen Freunden nach..."

 

-Reinhard Mey-


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Heimwärts.

Im besten Auto der Welt.

 

 

 

 

 


 Freundlicher Hinweis in eigener Sache:

Wer gerne einen öffentlich sichtbaren Kommentar zu diesem Reisebericht, oder zu anderen Beiträgen außerhalb des eigentlichen BLOGs erstellen möchte, kann dies gerne tun! Sendet mir einfach eine Mail via Kontaktformular, in dem der Text und die Nennung des Beitrags, und die Entscheidung ja-nein zu eurer Namensnennung zu finden ist, und ich kopiere dies´sehr gerne hier ein!


Reaktion per Mail von Volker Breidenbach:

 

"Hallo DT-Classics,

ich erlaube mir festzustellen, dass dieser Reisebericht zum jetzigen Zeitpunkt der 30jährigen Wiedervereinigung richtig gut passt und in Bild und Text wirklich gelungen ist. Tolle Fahrzeuge sind zu sehen, und wie es scheint, feine Leute. Es ist schön, auch die vielen anderen Geschichten zu lesen. Eine gute Zeit wünsche ich!"

 

Reaktion per Mail von Ben (Käferhauptquartier)

 

Hallo Dirk,

wollte mich mal wieder melden und mich für den tollen Reisebericht nach Thüringen bedanken. Man(n) hat direkt das Gefühl, mittendrin dabei gewesen zu sein. Ebenfalls scheint es mir da drüben eine sehr schöne Ecke zu sein. Hab´ ich nun auch mal auf meine "Muss-ich-unbedingt-nochmal-hin"-Liste gesetzt. Liebe Grüße, Ben


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