· 

Altglas - Neue Wege mit Retro-Objektiven

2 Kommentare

 

  Ein paar Gedanken vorab:

 

Wozu muß eine Fotoausrüstung eigentlich immer neu, immer noch perfekter, und obendrein dementsprechend teurer sein, als das bislang genutzte, durchaus gute Equipment? Sind wir Opfer der Werbung, oder geht es viel mehr um haben, statt um sein? Sicherlich, es spricht durchaus nichts dagegen, mit neuer Technik zeitgemäß zu arbeiten. Das ist ja auch ok. Aber ob mit neuem oder altem Gerät:

Was ist eigentlich nötig, damit wir als Fotographen mit uns, dem Shooting, und dem Gesamtergebnis zufrieden sind? Liegt das überwiegend am top-aktuellen, teuren und beworbenen Equipment? Oder liegen da noch andere Umstände vor, die davon unabhängig sind?

 

  Die Aussage des Fotos, die Intention, die Stimmung, das Besondere, alles das liegt meines Erachtens fern ab davon. Fotographieren lebt meinem Verständnis nach eben nicht nur vom Foto alleine, sondern ganz klar auch von den Geschehnissen, die sich vor dem Drücken des Auslösers abspielen.

Es ist in erster Linie eine Beschäftigung mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen, im Abgleich mit den Eindrücken, und der konkreten Situation, auf der der Fokus liegt. Es ist Malen mit Licht, es ist ein Einfangen eines Augenblicks und der entsprechenden Emotion.

Um beim Erstellen von Fotos diesem eigenen Anspruch gerecht zu werden, sind der Preis, der Umfang, und das Herstellungsdatum der Ausrüstung zwar beteiligt, aber erst einmal wenig ausschlaggebend.

 


 

I

 

 "Das Herstellungsdatum ist zwar beteiligt,

                                                aber wenig auschlaggebend!"


 

   Die von mir benutzte Systemkamera FUJIFILM X-T2 ist von 2018, und hat als Anschluß das X-Bajonett. Die edlen Festbrennweiten von FUJIFILM sind durchaus verführerisch, aber man landet auch schnell an der 1000€-Marke. Hochwertige und günstigere Linsen von Fremdherstellern gibt es zur Zeit noch recht wenig. Um auf eine breitere Palette hochwertiger Linsen zurückgreifen zu können, habe ich mich dazu entschieden, nach älteren Objektiven im Anschlußformat "M 42" zu schauen. Fundierte, positive Resonanz zur Verwendung analoger Linsen gibt es durchaus, ich mache mir jetzt mal schön selbst ein Bild davon.

 Mit "M 42" gibt es viele klassische Objektive vieler Fabrikate, und es findet sich am Gebrauchtmarkt eine große Auswahl an erlesenen Linsen quer durch alle Varianten von Brennweiten. Und nicht zuletzt sind für die vorliegende Konstellation "M 42/X-Mount" auch mehrere Adapter in entsprechender Güte zu bekommen.

 

  Objektive aus der "guten, alten Zeit" sind in Preis-Leistung durchaus wieder ein paar Gedanken wert, und vor allem für mich sind dabei die Festbrennweiten zunehmend reizvoll. Denn sie machen unabdingbar, dass die Flexibilität eines Zoom-Objektives auf mich übergeht. Festbrennweiten fordern mich auf, beim Bildaufbau beweglicher und kreativer zu werden.

Die Motivation, ein Motiv sprichwörtlich von verschiedenen Standpunkten aus "anzugehen", macht nötig, dass ich mir die Zeit dafür nehme.

 

  Perspektiven auszuprobieren macht Fotographieren spannend, und für die Wahl der Kameraeinstellungen habe ich bei der Art meiner Motive meist genügend Zeit. Manuell zu arbeiten ist daher wirklich kein Problem. Das ist so ähnlich, wie in einer modernen Zeit mit einen klassischen VW Bus zu fahren. Man ist damit bestens unterwegs. Nur eben anders.

Warum also nicht dem Retro-Charme verfallen und dort, wo die Umstände passen, ältere Spitzen-Objektive an einer aktuellen Digitalkamera verwenden?

 


 

I

 

 "Man ist damit bestens unterwegs. Nur eben anders."


 

Im Verzicht auf Autofokus, Bildstabilisator, diverse Automatiken und Programme,

ist meine Wahl auf diese zwei Linsen gefallen: Das HELIOS 44-2/58mm,

und das PENTACON 2,8/135mm in der Ausführung mit 15 Lamellen.

 

Nicht verzichten tue ich dabei auf die Freude, die mir durch diese Wiederentdeckung entsteht.

Und bei einem Kostenaufwand, der bei 5-10% dessen liegt, was digitale AF-Neuware kostet,

macht es doppelt Spass, mich diesem herrlich mechanischen, manuellen Schwermetall hinzugeben.

 

   HELIOS 44-2/58mm

2019 © DT-Classics
2019 © DT-Classics

 

 

 

Die Urversion der Helios-44 Modellreihe, hier als extrem seltene Zebra-Ausführung

mit 8 Blendenlamellen und niedriger

Serien-Nummer.

 

 

Nicht irritieren lassen: Die alten Retro Objektive entsprechen mit ihrem Kleinbildformat ja dem, was heute Vollformat genannt wird!

 

  Das Licht dieser alten Objektive verschwindet nicht wie üblich am Rand des etwas kleineren Sensors der Systemkamera, sondern wird komplett auf den Sensor gelenkt. Dafür sorgt die im Fokaleduktor/Adapter eingebaute Zwischenlinse. Das Licht wird dadurch bewußt etwas gebündelt, was zugleich 3 Vorteile hat.

Die Lichtstärke nimmt zu, und zwar um etwa einen Blendenwert, dadurch erreicht man noch etwas mehr Tiefenunschärfe, und die ursprüngliche Brennweite des analogen Objektivs bleibt 1:1 erhalten.

 

Nachtrag:

---------------

Mit an Bord seit März ´19:

Das PENTACON 2,8/29mm.

   

   PENTACON 2,8/135mm

2019 © DT-Classics
2019 © DT-Classics

 

 

Mit diesem PENTACON

habe ich

einen guten

Kauf getätigt.

 

In der Ausführung

mit schraubbarer Streulicht-Blende,

15 Lamellen,

und in wirklich

schönem Zustand.

 

 

Als Adapter für M 42/X-Mount kommt

der "Zhongyi Lens Turbo II." zum Einsatz.

Diese Art von Adapter nennt sich auch Fokalreduktor.

  Was abgesehen von den technischen Vorteilen (siehe links) daran extrem positiv auffällt, ist die Tatsache, dass dieser Adapter genau wie die Objektive selbst im Bajonett der Kamera spielfrei sitzt und einrastet.

 

Eine für meinen Geschmack erstklassige Linse, mit der ich mittlerweile sehr, sehr häufig arbeite. Bei einem Preis von unter 50,- macht´s gleich doppelt Freude.



 

Erste Resultate:

 

Ein nebliger, feuchter Tag im Buchenwald   -   PENTACON 2,8/135mm

2019 © DT-Classics


Details   -   HELIOS 44-2/58mm

2019 © DT-Classics

 

Nachtrag, 23.03.2019:

Die folgenden Aufnahmen sind frei Hand "mal eben so"

mit dem PENTACON 2,8 / 29mm an der FUJIFILM X-T2 entstanden.

Diese herrliche Linse hat 40 Jahre am Buckel.

 

Schnappschüsse   -   PENTACON 2,8/29mm

2019 © DT-Classics


 

Weitere Beiträge zum Thema Fotographie

finden sich auch hier:



2019 © DT-Classics



Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Werner (Freitag, 01 Februar 2019 14:19)

    Über einen Kommentar von Dir bei Kwerfeldein auf deiner Seite gelandet.... Und das war/ist gut so. Danke! - Hier komme ich öfter her.

    Ganz herzliche Grüße,
    Werner

  • #2

    Dirk von DT-Classics (Freitag, 01 Februar 2019 16:52)

    Hallo Werner,
    herzlich willkommen und vielen Dank
    für deinen Besuch samt Kommentar!