Andere Saiten aufziehen


 

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 Wie haben wir nicht alle in den Winter hinein zu träumen begonnen, und in den Frühling heraus gewartet, aus-geharrt, und es vor Vorfreude kaum ausgehalten! Und jetzt, wo es endlich losgehen könnte, ist alles verdreht. Denn es geht in eine Richtung, die sich falsch, bergab und schlecht anfühlt. Die Route scheint unsicher, riskant, gefähr-lich, alles verändernd. Der Weg wird holpriger, der Ton wird rauer. Zitronensauer und bitter schwingt es unter-schwellig. Freiwillig, oder nicht, wir werden andere Saiten aufziehen müssen.

 

 

 Nicht von einem Tag auf den anderen, aber doch deutlich schneller, als befürchtet, befinden wir uns im unkon-trolliert wirkenden Ausnahmzustand. Sprichwörtlich genommen fiebern wir, bevor es überhaupt losgeht, plötzlich und eindringlich einem Ende entgegen. Dem Ende von Corona, dem Ende wirtschaftlicher Unwägbarkeiten, dem Ende die Freiheit einengender Verdammnis. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem es erst beginnt.

 

 Aber da hängt deutlich mehr dran, als nur ein unbekanntes Virus, und dessen gesundheitliche Folgen. Es geht darum, was es mit uns macht, und was in Alledem wir daraus machen werden. Wir alle werden andere Saiten aufziehen müssen. Die Stimmung hat sich gelinde gesagt massiv verändert, und mit ihr jegliche vertraute Perspek-tive und alle harmonischen, leichten Klänge.

 

 

 Die kleineren und größeren Reisepläne schrumpfen auf Spielzeuggröße zusammen. Der Gang um die Ecke zum Einkaufen bekommt auf einmal eine Dimension, die einer riesengroßen Sache gleichkommt, und der noch gut mögliche Weg zur Arbeit löst unerkannte Freude in uns aus. Selbst die kleinsten und selbstverständlichsten Dinge erscheinen uns auf einmal als heilige Relikte einer Welt, zu der die vertrauten Zugangswege verschwunden zu sein scheinen.

 

 Mal eben losziehen mit ein paar Bullis, einfach und ungebunden "on the road", den Arm im offenen Fenster, Tom Petty singt sein "into the great wide open" dazu, und später dann abends in der Wagenburg um´s Lagerfeuer, das klingt befremdlich, weit weg, und nach einem ganz großen, kaum realisierbaren Vorhaben. Davon geblieben sind die Bilder im Kopf, die Erinerungen, die Gitarrenklänge, und die Sehnsucht danach.

 

 

 Wird es diesen "Tag 1" überhaupt geben, jenen tausenfach getätigten Neustart, an dem wir alle lächelnd zu-sammen sitzen werden, und diesen Virus wie die banale Grippe von gestern vergessen können? Oder schreiben wir mit dieser Epoche Geschichte? Eine Geschichte, die bleibt? Findet da etwas statt, was vorher nicht da war und auch danach kaum noch einmal wegzudenken gelingt?

 

 Bei aller aufgezwungenen Distanz rückt dennoch gedanklich Jeder näher an den Nächsten. Alleine klarkommen ist durch. Das galt tatsächlich auch schon immer. Denn ohne ein ehrliches Mindestmaß an Solidarität ist der Frieden nichts anderes, als ein trügerischer Waffenstillstand. Jederzeit kann es damit vorbei sein. Wer nur an sich, und nicht an die alles tragende Gemeinschaft denkt, ist gut möglich einer der ersten, die irgendwo stranden und im völligen Vergessen einsam untergehen.

 

 Die Zeichen sind klar und deutlich. Ignoranz ist jetzt genauso sträflich, wie die besserwisserische Arroganz derer, die sich auf eine Utopie berufen, die auch auf ewig Utopie bleiben mag. Demut, Fürsorge, Verlässlichkeit und Dankbarkeit sollten die Tage füllen. Schwierig und anstrengend wird es sowieso für jeden auf seine eigene Weise. Es zeigt sich deutlich. Da, im brennenden Rot eines einzigartigen Sonnenuntergangs.

 

 

 Aber wir leben in einem gutem Land. In einem, wo Freiheit seinen Wert, aber auch seinen Preis hat. Es wird uns diesmal ohne jede Frage ziemlich was kosten. Wir werden unter Beweis stelle müssen, wie weit es her ist mit den Geschichten, die wir in gewohnter Souveränität gerne zum Besten geben. Doch bei aller Skepsis, Unsicherheit und Furcht haben wir gute Bedingungen, wenn nicht die besten, um optimistisch zu sein. Ich für meinen Teil glaube fest dran, dass wir auch das hinbekommen werden.

 

 Und dann werden sie wieder vor den Bullis knistern und brennen, die lauschigen, wärmenden Lagerfeuer, an den wir gemeinsam sitzen, reden, singen, und Gitarre spielen. Für mich stehen diese Begebenheiten und Visionen sinnbildhaft für alle Hoffnung, und auch für die Kraft, die in diesem Land, und in jedem Einzelnen von uns steckt.

 

Alle Fotos entstanden mit FUJIFILM X-T2 und XF 35mm 1.4R

 

                              Paßt gut auf einander auf,

                                    und bleibt weitmöglichst gesund!

 

                                                                                 Auf bald, wir sehen uns...


2020  ©  DT-Classics



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